Ökologischer Zustand der Übergangs- und Küstengewässer Ostsee

Für die Bewirtschaftungspläne der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wurde der ökologische Zustand der Küstengewässer der Ostsee anhand der biologischen Qualitätskomponenten Phytoplankton, Makrophyten und Makrozoobenthos bewertet. Keiner der 44 Wasserkörper erreichte 2015 den „guten Zustand“, 15 wurden als „mäßig“ bewertet, 14 als „unbefriedigend“ und 15 als „schlecht“.

Inhaltsverzeichnis

 

Ergebnisse der Zustandsbewertung

Nach vorläufigen Einschätzungen des ökologischen Zustandes der deutschen Übergangs- und Küstengewässer der Landesbehörden von Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg wurden im Jahr 2008 erstmals in der Europäischen Union (EU) abgestimmte Bewertungsverfahren angewendet. Im Jahr 2015 folgten weitere Bewertungen nach abgestimmten und verbesserten Verfahren. Sie stuften von den 44 Wasserkörpern 15 als „mäßig“, 14 als „unbefriedigend“ und 15 als „schlecht“ ein (siehe Karte „Ökologischer Zustand/Ökologisches Potenzial der Übergangs- und Küstengewässer“). Keiner der Wasserkörper erreichte den guten oder sehr guten Zustand.

Insgesamt wurde der „gute ökologische Zustand“ der Ostsee verfehlt. Dies resultiert überwiegend aus dem übermäßigen Eintrag von Nährstoffen über die Flüsse, der küstennah zu Eutrophierungseffekten führt. Hinzu kommt, dass die Ostsee aufgrund ihres Binnenmeercharakters und des geringen Wasseraustausches mit der Nordsee empfindlich gegenüber Eutrophierung ist. Aus diesem Grund ist der ökologische Zustand der Küstengewässer der Ostsee auch insgesamt schlechter als der der Nordsee. Die inneren Küstengewässer der Ostsee, die zum Meer hin durch vorgelagerte Landmassen abgeschlossen sind bzw. in den Flussmündungen liegen, weisen einen schlechteren ökologischen Zustand als die äußeren Küstengewässer auf.

Die Auswirkungen auf die Mikroalgen (Phytoplankton), Großalgen und Blütenpflanzen (Makrophyten) und auf wirbellose Bodentiere (Makrozoobenthos) waren der Hauptgrund für das Verfehlen des “guten Zustands“ (siehe Abb. „Ökologische Zustandsbewertung der Wasserkörper in den Küsten- und Übergangsgewässern der Ostsee“). Bei der Bewertung für das Phytoplankton erreichten zwar fünf Wasserkörper den „guten Zustand“ und zwei Wasserkörper wurden sogar mit einem „sehr guten Zustand“ bewertet, jedoch wurde eine große Anzahl an Wasserkörpern mit „mäßig“, „unbefriedigend“ oder sogar „schlecht“ bewertet. Bei den Makrophyten fiel die Bewertung mit nur drei Wasserkörpern in „gutem Zustand“ insgesamt am Schlechtesten aus. Fünf Wasserkörper erreichten bei der Bewertung des Makrozoobenthos einen „guten Zustand“, dem gegenüber steht eine hohe Anzahl an „mäßig“ bewerteten Wasserkörpern.

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Entwicklung und Zielerreichung

Die Ergebnisse der Folgebewertung gemäß Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) aus dem Jahr 2015 zeigen, dass sich gegenüber der letzten Bewertung aus dem Jahr 2009 der ökologische Zustand der Küstengewässer der Ostsee nicht verbessert hat. Weiterhin hat kein Wasserkörper den „guten Zustand“ erreicht. Die Ursachen liegen zum einen darin begründet, dass die Übergangs- und Küstengewässer nur mit Zeitverzögerung auf eine Reduktion der Nährstoffeinträge reagieren. Zum anderen reichen die ergriffenen Maßnahmen zur Reduktion der Nährstoffeinträge nicht aus. Insbesondere im landwirtschaftlichen Sektor sind weitere Anstrengungen erforderlich, um die Nährstoffüberschüsse zu senken. Laut WRRL sollten bis zum Jahr 2015 alle Gewässer mindestens in einem „guten Zustand“ sein. Da dieses Ziel verfehlt wurde gilt es nun den guten ökologischen Zustand der Nordsee bis zum Jahr 2027 mit Hilfe geeigneter Maßnahmen zu erreichen.

 

Bewertungsmethode

Der ökologische Zustand der Küstengewässer der Ostsee wird in erster Linie an der Ausprägung der biologischen Elemente - den Qualitätskomponenten aus Fauna und Flora - bemessen. So gibt es für Mikroalgen (Phytoplankton), für Großalgen und Blütenpflanzen (Makrophyten) sowie für wirbellose Bodentiere (Makrozoobenthos) Bewertungsverfahren, die den Zustand der jeweiligen Qualitätskomponente im Vergleich zu einem vom Menschen unbeeinflussten Referenzzustand auf einer fünfstufigen Skala bewerten. Die biologische Qualitätskomponente mit dem schlechtesten Bewertungsergebnis bestimmt die ökologische Zustandsklasse. Bei den biologischen Komponenten geht es in erster Linie um die Untersuchung der Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften. Besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei empfindliche Arten und Störungsanzeiger.

Zusätzlich zieht die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) die Hydromorphologie, flussgebietsspezifische Schadstoffe (zum Beispiel Chlorbenzol, Arsen, Zink) und physikalisch-chemische Parameter (insbesondere Nährstoffe, Sauerstoff, Salzgehalt, Temperatur, pH-Wert) unterstützend für die Bewertung heran. Hinsichtlich der Hydromorphologie werden Tiefenvariation, Substrat, Strömung und Wellenbelastung bewertet. Nur wenn auch diese Hilfsparameter den „guten“ oder „sehr guten“ Zustand bestätigen, kann diese Bewertung für den ökologischen Zustand übernommen werden.