Anpassung an den Klimawandel

Sandsäcke wurden vor einer Haustür aufgestapelt, um das Haus vor Hochwasser zu schützen
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Der Klimawandel ist längst da. Auch in Deutschland spüren wir ihn schon. Wetterextreme wie Hitzewellen oder Starkniederschläge werden häufiger und heftiger. Der Hitze- und Dürresommer 2018 ist nur ein Beispiel dafür. Künftig wird sich dieser Trend noch verstärken. Anpassung an den Klimawandel hilft, besser mit seinen Folgen umzugehen, Schäden zu verringern und existierende Chancen zu nutzen.

Inhaltsverzeichnis

 

Was heißt „Anpassung an den Klimawandel“?

Das Klima wandelt sich. Auch wenn uns der Klimawandel häufig erst durch sintflutartige Regenfälle oder heftige Stürme ins Bewusstsein rückt: Es sind vor allem schleichende Veränderungen, die auf lange Sicht das Leben in unserem Land nachhaltig verändern werden. Die Treibhausgase, die sich bereits in unserer Atmosphäre befinden, werden noch viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang wirken und unser Klima beeinflussen. Selbst wenn wir erfolgreich Klimaschutz betreiben, schreitet der Klimawandel voran. Seine Folgen sind vielfältig und haben Einfluss auf unser Wohnen, Arbeiten und unsere Gesundheit. Hier einige Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen:

  • Wie können wir uns vor zu großer Wärmebelastung schützen? Müssen in Deutschland künftig alle Wohn- und Arbeitsgebäude mit Klimaanlagen ausgestattet werden? Wie viel Energie brauchen wir dafür?
  • Wie können wir unsere Städte auf kommende Starkregen und Überflutungen vorbereiten? Müssen Kanalisationen angepasst werden? Gibt es andere Möglichkeiten, das Wasser aufzufangen und aus den Städten zu leiten? 
  • Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf unsere Gesundheit? Was bedeutet er für verschiedene Krankheiten und Krankheitsüberträger, denen wir schon heute oder in Zukunft ausgesetzt sind?

Die gute Nachricht ist: Wir können etwas tun. Wir können mit den bereits zu beobachtenden Folgen der Klimaänderungen umgehen und uns effektiv auf Kommendes vorbereiten. Doch dafür müssen wir jetzt handeln. Denn rechtzeitige und aktive Anpassung an den Klimawandel kann Schäden mindern – oder sogar vermeiden. Anpassung kann auch heißen, durch den Klimawandel entstehende Chancen zu nutzen. Welche Möglichkeiten ergeben sich zum Beispiel für die Baubranche, wenn Winter künftig milder sind und die Arbeiten weniger lang wegen Frost unterbrochen werden? Wie kann der Tourismus  in Deutschland von den steigenden Temperaturen profitieren und gleichzeitig nachhaltig gestaltet werden?

Warum wir uns an den Klimawandel anpassen

 

Wer muss sich an den Klimawandel anpassen?

Um sich erfolgreich an den Klimawandel und seine Folgen anzupassen, sind alle gesellschaftlichen Akteure gefragt: ob Politik, Kommunen, Unternehmen oder Privatpersonen. 

Die Politik: Klimaanpassung ist ein wichtiges politisches Thema und wird mit verschiedenen Maßnahmen auf Bundesebene vorangetrieben: Die Bundesregierung hat im Dezember 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. 2011 folgte der Aktionsplan Anpassung (APA), der Schritte zur Weiterentwicklung und Umsetzung der DAS festlegte. 2015 wurde ein Fortschrittsbericht zur Strategieumsetzung veröffentlicht. Auch viele Bundesländer haben bereits eigene Anpassungsstrategien ausgearbeitet. Eine europäische Anpassungsstrategie wird seit 2013 umgesetzt.

Kommunen: Kommunen spielen bei der Klimaanpassung eine besondere Rolle, denn viele Maßnahmen werden lokal umgesetzt. Zentrale Bestandteile unserer Infrastruktur, beispielsweise Straßen, Kanalisation, öffentliche Gebäude oder Krankenhäuser, liegen meist in kommunaler Hand. Kommunen haben somit vielfältige Möglichkeiten, Klimaanpassung lokal voranzutreiben.

Unternehmen: Auch Unternehmen sind in verschiedenster Weise vom Klimawandel betroffen: Steigende Temperaturen verändern Produktionsbedingungen. Extremwetterereignisse können Lieferketten unterbrechen und die Infrastruktur beschädigen. Hitze beeinflusst das Wohlbefinden und die Arbeitsproduktivität von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Prinzipiell gilt, dass unterschiedliche Wirtschaftssektoren mit verschiedenen  Klimafolgen zu rechnen haben und daher branchenspezifische Strategien und Maßnahmen entwickeln, um damit umzugehen.

Privatpersonen: Nicht zuletzt kann sich jeder Einzelne an den Klimawandel anpassen. Wir können beispielsweise Häuser verschatten, wenn sie sich im Sommer zu sehr aufheizen oder unsere Urlaubsgewohnheiten und Tagesroutinen dem veränderten Klima anpassen.

Wer muss sich an den Klimawandel anpassen?

 

Werkzeuge der Klimaanpassung

Die oben genannten Beispiele zeigen, dass es auf vielfältige Weise möglich ist, sich an den Klimawandel anzupassen. Das Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung stellt deshalb verschiedene Werkzeuge der Anpassung, mit Informationen und konkreten Empfehlungen für die verschiedenen Zielgruppen, bereit:

  • Klimalotse: Der Online-Leitfaden unterstützt Städte und Gemeinden bei der Anpassung an den Klimawandel
  • Tatenbank: In der KomPass-Tatenbank werden über 100 erfolgreiche Anpassungsprojekte und Maßnahmen von Unternehmen, Kommunen, Bildungseinrichtungen, Vereinen, Stiftungen oder Verbänden vorgestellt.
  • Projekte & Studien: Die Datenbank gibt einen Überblick über die Forschungslandschaft zu Klimafolgen und Anpassung.
 

Heißt das, wir betreiben keinen Klimaschutz mehr?

Obwohl wir viele Möglichkeiten haben, mit dem Klimawandel umzugehen, dürfen wir den  Klimaschutz  nicht vernachlässigen. Beim  Klima  handelt es sich um ein komplexes System und wir können nicht genau vorhersagen, was passiert, wenn wir immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre emittieren. Vor allem das Überschreiten sogenannter Kipp-Punkte im Klimasystem kann irreversible Folgen haben und weitere Reaktionen des Klimasystems hervorrufen. Außerdem ist Klimaschutz auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Denn je stärker der Klimawandel ausfällt, desto teurer werden auch die Maßnahmen zur Anpassung an seine Folgen. 

Besonders positiv zu bewerten sind Maßnahmen für den Klimaschutz, die gleichzeitig auch die Klimaanpassung fördern. Gedämmte Häuser senken zum Beispiel nicht nur den Energieverbrauch von Gebäuden. Sie mindern auch die durch den Klimawandel steigende Hitzebelastung im Sommer. Andere Maßnahmen, wie zum Beispiel der Einbau von Klimaanlagen in Wohn- und Bürogebäuden, können jedoch auch zu Konflikten zwischen Anpassung und Klimaschutz führen. Während Klimaanlagen das Wohlbefinden bei Hitze steigern und damit eine effektive Anpassungsmaßnahme darstellen, wirkt sich der erhöhte Stromverbrauch negativ auf das Klima aus. Es ist deshalb wichtig, Synergien und Konflikte bei der Planung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zu berücksichtigen.

 

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