Strukturdaten: Chemikalien und chemisch-pharmazeutische Industrie

Die chemisch-pharmazeutische Industrie gehört in Deutschland zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Gleichzeitig gehört sie auch zu den größten Energieverbrauchern und Erzeugern von Abwasser und gefährlichen Abfällen. Am Gesamtumsatz hatten die Produktionsbereiche „Chemische Grundstoffe“ und pharmazeutische Produkte den größten Anteil.

Inhaltsverzeichnis

 

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland

Unternehmen, die in Deutschland Chemikalien oder aus ihnen chemische Produkte wie Arzneimittel, Biozide, Pflanzenschutzmittel, Chemiefasern, Farben, Kitte, Wasch- und Reinigungsmittel, Körperpflegemittel, Duftstoffe oder Seifen herstellen, setzten im Jahr 2017 mit diesen Produkten mehr als 195 Milliarden (Mrd.) Euro um. In der Chemie- und Pharmaindustrie arbeiteten 2017 etwa 453.000 Menschen. Das sind rund ein Prozent aller Erwerbstätigen. Damit gehört der Wirtschaftszweig zu den wichtigsten Industriesektoren in Deutschland (siehe Abb. „Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland 2017“ und Abb. „Umsatz im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland 2017“).

Zur chemisch-pharmazeutischen Industrie gehört der Bereich „Chemische Grundstoffe“, der im Jahr 2017 einen Umsatz von ca. 93,6 Mrd. Euro erwirtschaftete. Das entspricht 46,5 % des Gesamtumsatzes (siehe Abb. „Gesamtumsatz der chemischen Industrie in Deutschland 2017“).

Unter dem Industriezweig „Chemische Grundstoffe“ wird die Herstellung von anorganischen Grundstoffen wie Industriegasen und Düngemitteln, von organischen Grundstoffen und Chemikalien wie Petrochemikalien und Polymeren sowie von Fein- und Spezialchemikalien erfasst.

<>
 

Chemisch-pharmazeutische Industrie belastet die Umwelt

In der Chemie- und Pharmaindustrie fielen im Jahr 2016 etwa 7,5 % der gefährlichen Abfälle und nach vorläufigen Zahlen 2016 fast zwölf Prozent des gesamten Abwassers der deutschen Wirtschaft an (siehe Abb. „Gefährliche Abfälle nach Erzeugergruppen in Deutschland 2016“ und Abb. „Abwasser nach Emittentengruppen in Deutschland 2016“). Die Branche hatte im Jahr 2016 einen hohen Ressourcenverbrauch und nutzte 10,1 % der gesamten Primärenergie Deutschlands. Rund 2,5 % der Kohlendioxid-Emissionen stammten aus der Herstellung chemischer und pharmazeutischer Erzeugnisse (siehe Abb. „Primärenergieverbrauch nach Sektoren in Deutschland 2016“ und Abb. „Kohlendioxid-Emissionen nach Sektoren in Deutschland 2016“).

<>
 

Zahl der Wirkstoffe in Human- und Tierarzneimitteln

Auf dem deutschen Markt für Humanarzneimittel stehen derzeit rund 2.300 verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Etwa die Hälfte von ihnen gilt nach Angaben des Umweltbundesamtes als potentiell umweltrelevant. Von diesen rund 1.200 Arzneimittelwirkstoffen mit Umweltrelevanz wurden im Jahr 2012 in Deutschland rund 8.120 Tonnen (t) verbraucht (IMS Health, 2012). Mehr als zwei Drittel dieser Menge entfallen auf 16 Wirkstoffe. Dazu zählen der Wirkstoff Metformin, der gegen die Zuckerkrankheit eingesetzt wird sowie bekannte Entzündungshemmer und Schmerzmittel wie Ibuprofen, Metamizol, Acetylsalicylsäure und Paracetamol, aber auch das Röntgenkontrastmittel Iomeprol sowie Metoprolol als Wirkstoff gegen Bluthochdruck (siehe Abb. „Übersicht über die im Jahr 2012 in Deutschland meistverbrauchten Humanarzneimittelwirkstoffe mit Umweltrelevanz“).

Tierärzte können auf über 400 Wirkstoffe zurückgreifen (ca. 437, Stand 2016). Veterinärmedizinisch wichtige Arzneimittelgruppen sind vor allem Antiparasitika und Antibiotika. Im Jahr 2017 wurden in der Tierhaltung 733 t allein an antibakteriellen Wirkstoffen verbraucht. Es handelt sich dabei zumeist um Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline, Tetrazykline und Polypeptide. Die Abgabemengen für Veterinärantibiotika sind in den letzten Jahren allerdings stetig gesunken, seit 2011 um 57 % (siehe Tab. „Vergleich der Abgabemengen der Wirkstoffklassen in der Tiermedizin 2011 bis 2017“).

Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Antibiotika jährlich an Tierärzte abgeben werden und diese Daten an ein zentrales Register melden, welches beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln geführt wird. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin wertet diese Daten aus und veröffentlicht sie jährlich.

<>
 

Zahl der Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln

Die Zahl der Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln hat sich von 249 im Jahr 2010 auf 277 im Jahr 2017 erhöht. Seit 2005 werden Synergisten und Safener nicht mehr den Wirkstoffen zugerechnet. Synergisten sind Wirkstoffe, die die Wirkung eines oder mehrerer anderer Stoffe verstärken. Safener sind Verbindungen, die die Herbizidtoleranz von bestimmen Kulturpflanzen erhöhen (siehe Abb. „Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln“).

Das Diagramm zeigt die Anzahl zugelassener Pflanzenschutzmittel und -wirkstoffe von 2000 bis 2017. Die Anzahl der Mittel ist insgesamt rückläufig, von 1.130 im Jahr 2000 auf 818 im Jahr 2017. Die Zahl der Wirkstoffe schwankte in diesem Zeitraum zwischen minimal 245 und maximal 277 Wirkstoffen.
Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln
Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Diagramm als PDF
 

Zahl der Wirkstoffe für Biozidprodukte

Die Europäische Union (EU) hat für die Verwendung in Biozidprodukten 158 Wirkstoffe genehmigt (Stand 03/2019). Es gibt zahlreiche weitere Wirkstoffe, die als Altstoffe derzeit noch auf dem Markt sind und zurzeit überprüft werden. Neustoffe befinden sich ebenfalls im Prüfverfahren.

Wie groß die auf dem Markt befindlichen Biozidmengen sind, war lange unbekannt. Im Auftrag der Europäischen Kommission erfasste die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) im Jahr 2009 einmalig die Herstellungs- und Einfuhrmengen für alle gemeldeten Biozidprodukte. Danach wurden insgesamt knapp 400.000 Tonnen an Biozidprodukten in der Europäischen Union (EU) hergestellt oder in diese eingeführt (siehe Abb. „Produktion/Import von Bioziden nach Produktarten in der Europäischen Union“). In der rein mengenmäßig wichtigsten Produktart sind die Desinfektionsmittel und Algenbekämpfungsmittel zusammengefasst. In dieser Produktart wird rund die Hälfte aller Biozidwirkstoffe eingesetzt. Eine aktuellere Marktübersicht für Biozide in der EU liegt leider nicht vor. Die Daten aus der Studie liefern jedoch weiterhin einen groben Überblick zur Verteilung der Mengen über die Produktarten.

Ein Diagramm zeigt, dass im Jahr 2009 399.000 Tonnen Biozide in die Europäische Union eingeführt oder hier hergestellt wurden. Gut 40 Prozent davon entfiel auf die Produktsparte der Desinfektions- und Algenbekämpfungsmittel.
Produktion/Import von Bioziden nach Produktarten in der Europäischen Union
Quelle: COWI Diagramm als PDF
 

Meldepflicht von Biozidprodukten

Für Hersteller gibt es keine Meldepflicht über die Menge der jeweiligen Biozidprodukte, die sie in Deutschland verkaufen oder ins Ausland ausführen. Daher ist nicht bekannt, welche Mengen an Bioziden in Deutschland hergestellt oder verbraucht werden.

Einen Anhaltspunkt gibt allerdings die Anzahl der gemeldeten Biozidprodukte auf dem deutschen Markt. Die Hersteller müssen der Bundesstelle für Chemikalien (BfC) melden, welche Biozidprodukte sie in Deutschland verkaufen. Die Bundesstelle gibt jährlich bekannt, welche Biozidprodukte aus welcher der 22 Produktarten auf dem deutschen Markt erhältlich sein dürfen. So waren im Juni 2017 etwas mehr als 60.000 Biozidprodukte erhältlich.  Davon waren 15.432 Desinfektions- und Algenbekämpfungsmitteln, 6.370 Mittel gegen Insekten, Spinnen oder Schalentiere und 6.770 Desinfektionsmittel für den Lebens- und Futtermittelbereich (siehe Abb. „Gemeldete Biozid-Produkte nach Biozid-Meldeverordnung“). Da Biozidprodukte, die nicht mehr vermarktet werden, jedoch nicht bei der Bundesstelle abgemeldet werden müssen, liegt die Zahl der tatsächlich in Deutschland erhältlichen Biozidprodukte vermutlich niedriger.

Im Juni 2017 waren in Deutschland 55.Ein Kreisdiagramm zeigt, dass im Juni 2018 in Deutschland knapp 60.000 Biozidprodukte gemeldet waren. Davon waren 15.432 Desinfektions- und Algenbekämpfungsmitteln, 6.370 Mittel gegen Insekten, Spinnen oder Schalentiere und 6.770 Desinfektionsmittel für den Lebens-Biozidprodukte gemeldet. 14.503 waren Desinfektions- und Algenbekämpfungsmitteln, 5.777 waren Mittel gegen Insekten, Spinnen oder Schalentiere, 6.138 Desinfektionsmittel für den Lebens- und Futtermittelbereich.
Gemeldete Biozid-Produkte nach Biozid-Meldeverordnung
Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Diagramm als PDF
 

Chemikalien in der Europäischen Union und eine Übersicht weltweit

Wie viele verschiedene Chemikalien verwendet werden, ist nicht bekannt. Im Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis (Classification Labeling & Packaging-Verordnung) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) sind 147.500 Stoffe verzeichnet. Dazu kommen noch Stoffe für die keine Meldepflicht ins Verzeichnis besteht (insbesondere nicht nach REACH registrierungspflichtige Stoffe soweit diese nicht als gefährlich im Sinne der CLP -VO einzustufen sind).

Bis zum Jahr 2018 mussten Chemikalienhersteller und -importeure schrittweise fast all jene Chemikalien registrieren, von denen sie innerhalb der Europäischen Union (EU) mehr als eine Tonne jährlich herstellen oder in die EU einführen. Bis zum 31.12.2018 wurden 22.080 verschiedene Stoffe bei der ECHA in Helsinki registriert bzw. gelten als registriert. Deutsche Unternehmen haben davon 10.585 Stoffe (mit-)registriert (ECHA Registrierungsstatistik).