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Langlebige fluorierte Treibhausgase

Das Diagramm zeigt die steigenden Atmosphärenkonzentrationen von SF6. Diese liegen im Jahr 2025 bei 12 ppt.
Aufgrund der Stabilität von SF6 steigen die Konzentrationen in der Atmosphäre kontinuierlich.
Quelle: AGAGE

Langlebige fluorierte Treibhausgase zeichnen sich durch eine lange atmosphärische Verweildauer und ein sehr hohes Treibhauspotential aus. Sie werden nicht in wenigen Jahren abgebaut, sondern reichern sich in der Atmosphäre an.

Inhaltsverzeichnis

SF₆-Emissionen – Diskrepanz zwischen gemessen und berichtet

Ein Bericht  des Joint Research Centre (JRC) zeigte bereits 2018 eine zunehmende Abweichung zwischen offiziell gemeldeten Emissionen von Schwefelhexafluorid (SF₆) und den tatsächlich gemessenen atmosphärischen Konzentrationen. Da SF₆ ein extrem langlebiges und klimawirksames Treibhausgas ist (GWP100= 24.300 CO2-Äquivalente (6. Assessment Report der IPCC)), haben selbst geringe Emissionsmengen erhebliche Auswirkungen auf das Klima. Immer wieder wird regional und global auf Abweichungen zwischen gemeldeten und gemessenen Werten hingewiesen (Simmonds et al. (2020), Cui et al. (2024), Vojta et al. (2025)).

SF₆ Emissionsquelle in Deutschland

Vor diesem Hintergrund wurden atmosphärische Messdaten in Deutschland detailliert analysiert und mit den nationalen Emissionsinventaren abgeglichen. In einem Forschungsvorhaben mit der Goethe Universität Frankfurt/M. konnte eine bislang nicht näher definierte Punktquelle in Deutschland identifiziert und quantifiziert werden. Diese Quelle ließ sich durch messdaten und inverse Modellierung regional eingrenzen. Inzwischen liegt der Abschlussbericht vor, der diese Emissionsquelle bestätigt. Gleichzeitig kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass das insgesamt gemeldete nationale Emissionsinventar in seiner Gesamtsumme plausibel und konsistent ist. Die Abweichungen betreffen vor allem die räumliche und quellenspezifische Zuordnung einzelner Emissionen, nicht jedoch die Gesamtmenge der berichteten Emissionen. Der zentrale Teil dieser Ergebnisse wurde bereits vorab in einer wissenschaftlichen Fachpublikation (Meixner et al. (2025)) veröffentlicht.

Der Abschlussbericht analysiert darüber hinaus auch die Rolle einzelner Messstationen für die Genauigkeit der atmosphärischen Messungen und Auswertungen. Er zeigt deutlich, dass solche Analysen zur Qualitätssicherung und Transparenz der internationalen Klimaberichterstattung beitragen können.

Aktuelle Emissionen von SF₆

Die Höhe der deutschen SF6- Emissionen können dem Data Cube des UBA entnommen werden. Es sei angemerkt, daß die oben erwähnten Diskrepanzen im Data Cube noch nicht berücksichtigt sind. Dies erfolgt in der laufenden Submission, die Anfang 2026 veröffentlicht wird.

In Deutschland sinken die Emissionen an SF6, nicht zuletzt durch freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie, sinkenden Emissionen aus Schallschutzfenstern und einen Umstieg auf Alternativen.

Zukünftige globale Emissionsszenarien zu SF₆

Da SF₆ vor allem in industriellen Anwendungen eingesetzt wird, die derzeit ein starkes Wachstum verzeichnen, rückt auch die zukünftige Entwicklung der Emissionen in den Fokus. Besonders relevant ist der Einsatz von SF₆ in elektrischen Schaltanlagen, wo das Gas aufgrund seiner guten Isolationseigenschaften bisher ausschließlich verwendet wurde. Vor diesem Hintergrund wurden in einem weiteren Forschungsvorhaben Emissionsprojektionen für Deutschland, Europa und die Welt bis zum Jahr 2100 erarbeitet. Dabei wurden unterschiedliche Szenarien berücksichtigt, unter anderem zur Marktentwicklung, zum technologischen Fortschritt sowie zur Einführung von Alternativen zu SF₆.

Die Szenarien zeigen, dass global mit einer erheblichen Zunahme der Emissionen zu rechnen ist, sofern nicht weltweit konsequent Alternativen zu SF₆ in Schaltanlagen eingesetzt und bestehende Anlagen fachgerecht gewartet sowie am Ende ihrer Lebensdauer ordnungsgemäß entsorgt werden.

Die Bedeutung und Dynamik des globalen Netzausbaus wird in einer separaten wissenschaftlichen Publikation ausführlich analysiert. Der vollständige Forschungsbericht mit allen Ergebnissen und Szenarien wird in Kürze veröffentlicht.

Stickstofftrifluorid (NF3)

Die globale Konzentration an NF3 in der Atmosphäre stieg mit 12%/a im Zeitraum von 2013 bis 2016 am schnellsten bei den fluorierten Treibhausgasen an (JRC Bericht 2018). Auch in Deutschland steigen die Verwendungsmengen stark an. Die NF3- Emissionen können dem Data Cube des UBA entnommen werden.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens mit der Goethe Universität Frankfurt/M. wurde am Taunusobservatorium erstmals eine NF3- Atmosphärenmessung aufgebaut. Erste Auswertungen sind vielversprechend. Allerdings ist ein größerer Beobachtungszeitraum für validierte Auswertungen notwendig.

Vollfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFC)

Aus dieser Stoffgruppe werden hier Verbindungen von CF4 bis C6F14 betrachtet.

In Deutschland sanken ihre Emissionen in den letzten Jahren. Die gemessenen globalen atmosphärischen Konzentrationen steigen allerdings aufgrund der Langlebigkeit weiter. 

PFC gehören zu den PFAS. Ein Update des Beschränkungsvorschlags wurde im August 2025 von der ECHA veröffentlicht. Weitere Informationen zu PFC und PFAS finden sich auch auf unserem PFAS-Portal.

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