Abfälle privater Haushalte

Vermeiden, Trennen, Verwerten, dies sind die wichtigsten Ratgeber, um die täglich anfallenden Abfallmengen in den privaten Haushalten zu verringern. Schon wenige Tipps helfen: Einkaufstasche statt Plastiktüte, Mehrweg statt Einweg, Lebensmitteleinkauf – besonders bei Obst, Gemüse und Fleisch – richtig einschätzen, Papierverbrauch einschränken sowie aufladbare Batterien verwenden.

Inhaltsverzeichnis

 

Nur geringer Rückgang beim Hausmüll

Über den Zeitraum von 2004 bis 2019 stieg das Aufkommen an Haushaltsabfällen leicht an. Betrug es im Jahr 2004 37,3 Millionen Tonnen (Mio. t), so waren es im Jahr 2019 nach Angaben der Abfallstatistik des Statistischen Bundesamtes 38 Mio. t oder 457 Kilogramm (kg) pro Kopf (siehe Abb. „Haushaltsabfälle 2018, ohne Elektroaltgeräte“). Gleichzeitig stieg der Anteil an Haushaltsabfällen, die verwertet wurden. Wurden im Jahr 2004 etwa 57 % der Haushaltsabfälle verwertet, waren es 2018 bereits 93,4 %

Über die öffentliche Müllabfuhr werden Restabfälle wie nicht gefährlicher Hausmüll und nicht gefährliche hausmüllähnliche Gewerbeabfälle sowie Sperrmüll eingesammelt. Die Menge dieser Abfälle lag im Jahr 2019 bei rund 15,6 Mio. t oder 187 kg pro Kopf und damit etwa gleichauf mit den Vorjahren. Im Jahr 2004 waren es hingegen mit 17,0 Mio. t noch deutlich mehr. Damit ging die Menge an Haus- und Sperrmüll um ca. 1,4 Mio. t oder etwa 8 % zurück.

Die übrigen, von Haus- und Sperrmüll getrennt eingesammelten Abfälle – das sind Abfälle aus der Biotonne, Garten- und Parkabfälle sowie Wertstoffe und andere getrennt gesammelte Fraktionen – machten im Jahr 2019 insgesamt ca. 22 Mio. t oder 268 kg pro Kopf aus, rund 2 Mio. t mehr als im Jahr 2004.

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Statistisches Bundesamt, Aufkommen an Haushaltsabfällen, Deutschland, Jahre, Abfallarten; GENESIS-Online Datenbank (17.09.2021)

Haushaltsabfälle 2019, ohne Elektroaltgeräte
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Zu viel biologische Abfälle im Restmüll

Dies zeigt eine vom Umweltbundesamt beauftragte, repräsentative Analyse von Siedlungsrestabfällen in Deutschland (veröffentlicht im Jahr 2020). Demnach landet viel zu viel Bioabfall in der Restmülltonne; im Schnitt 39,3 %. Diese Abfälle könnten bei sauberer Trennung vollständig recycelt werden. Der Abfall, der tatsächlich in die Restmülltonne gehört, hat laut Studie insgesamt einen Anteil von 32,6 %.

Des Weiteren landen noch immer zu viele Wertstoffe, wie zum Beispiel Altpapier, Altglas, Kunststoffe, Alttextilien, Holz und Elektroaltgeräte im Restmüll. Diese sogenannten trockenen Wertstoffe haben einen Anteil von 27,6 % im Restmüll. Problemabfälle kommen zu einem geringen Anteil von 0,5 % vor.

In der Studie konnte belegt werden, dass die Wohnsituation einen großen Einfluss auf die Menge und die Zusammensetzung des Restmülls hat. In städtisch geprägten Gebieten mit vielen Mehrfamilienhäusern und gemeinsam genutzten Mülltonnen ist die Restmüllmenge insgesamt höher und es verbleiben mehr Wertstoffe in der Restmülltonne als In ländlichen Gebieten und Vororten.

 

Lebensmittelverluste und -abfälle stoppen

Das Thema "Lebensmittelverluste und -abfälle" ist ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Zurzeit liegen dazu mehrere Studien vor. Es besteht jedoch weiterer Forschungsbedarf, um belastbare Daten zu ermitteln, die aufgrund gleicher Methoden und Definitionen erhoben werden.

Die Welternährungsorganisation (FAO) legte 2011 in einer Studie dar, dass weltweit rund ein Drittel aller für den menschlichen Konsum produzierten Nahrungsmittel verloren oder weggeworfen werden. Das entspricht 1,3 Milliarden Tonnen (Mrd. t) pro Jahr. Die Verschwendung dieser großen Lebensmittelmengen ist sowohl aus ethischen als auch ökologischen Gründen nicht zu verantworten. In vielen armen Ländern der Erde ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln unter anderem schwierig, weil Ackerflächen für den Lebensmittelexport und damit für unsere Ernährungsgewohnheiten belegt werden. Die enormen Mengen an jährlich vernichteten Nahrungsmitteln durch Verluste und Verschwendung sind letztendlich ein starker Treiber von zunehmender Ressourcenverknappung und Umweltbelastungen, daher müssen sie dringend eingedämmt werden.

Das Johann-Heinrich von Thünen-Institut veröffentlichte 2019 eine Studie zu Lebensmittelabfällen in Deutschland für das Jahr 2015, welche als Baseline im Rahmen der nationalen Strategie zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung der Bundesregierung dient.

Nach dieser Studie fielen in Deutschland im Jahr 2015 (letzte vorliegende Daten) 11,68 Mio. t an Lebensmittelabfällen in Haushalten an, das heißt, pro Person etwa 142 kg. Diese 11,68 Mio. t umfassen Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Wertschöpfungskette, inklusive Handel und Außer-Haus-Verzehr sowie „vermeidbare“ und „nicht vermeidbare“ Abfälle. Lebensmittelabfälle, welche über die Kanalisation entsorgt wurden, sind hier nicht erfasst.

Aus ökologischer Sicht werden unter „Lebensmittelabfall“ die Teile eines Lebensmittels verstanden, die im Laufe seines Lebenswegs – also von Beginn der landwirtschaftlichen Erzeugung über die Verarbeitung, den Handel bis zu den Konsument/innen - nicht dem menschlichen Verzehr zugeführt werden. Dies schließt Rohwaren, die auf dem Acker verbleiben und nicht geerntet werden ebenso ein wie Verluste in der Lebensmittelverarbeitung, die keiner weiteren Verwendung zugeführt werden oder Speisereste in Haushalten. Ebenso sind hier Lebensmittelreste eingeschlossen, die nicht verzehrt werden können – wie beispielsweise Bananenschalen – oder aufgrund der Zubereitungsart nicht verzehrt werden, wie beispielsweise Kartoffelschalen, wenn Salzkartoffeln gekocht wurden. Um begriffliche Klarheit zu schaffen und eine Abgrenzung zum umweltrechtlichen Abfallbegriff vorzunehmen, wird im Rahmen der Abschätzung der Umweltrelevanz der Begriff Lebensmittelverluste gewählt.

 

Was bedeuten Lebensmittelverluste für die Umwelt?

Zum einen belasten Lebensmittel das ⁠Klima⁠ durch ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen. So verursachen die Lebensmittelabfälle von einhundert Menschen mehr Treibhausgas-Emissionen, als ein PKW auf seiner Fahrt um den Äquator ausstoßen würde. Auch wird für die Erzeugung von Lebensmitteln sehr viel Wasser verbraucht und Fläche in Anspruch genommen. Analysen zeigen, dass Produkte tierischen Ursprungs für die betrachteten Wirkungskategorien höhere potenzielle Umweltwirkungen verursachen als pflanzliche Produkte. Für die Erzeugung tierischer Lebensmittel wird pro Kilogramm Produkt acht Mal mehr Land benötigt, als zur Erzeugung von pflanzlichen Produkten. Auch hinsichtlich der Treibhausgas-Emissionen - sie sind vier Mal so hoch - sind die Unterschiede deutlich.