Wohnfläche

In Deutschland werden immer mehr und immer größere Wohnungen gebaut. Die pro Person beanspruchte Wohnfläche steigt. Gründe liegen vor allem in der zunehmenden Zahl der Single-Haushalte und dem Anstieg der Wohnfläche mit zunehmendem Alter.

Inhaltsverzeichnis

 

Zahl der Wohnungen in Deutschland stieg

Im Jahr 2016 gab es in Deutschland 41,7 Millionen (Mio.) Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden, einschließlich Wohnheimen. Das waren 1,2 Mio. Wohnungen mehr als im Jahr 2010 (+3,0 Prozent (%)). Nahm die gesamte Wohnfläche im Jahr 2010 noch 3.681 Mio. Quadratmeter (m²) in Anspruch, waren es im Jahr 2016 bereits rund 3.823 Mio. m² (+3,9 %). Die durchschnittliche Wohnfläche pro Wohnung nahm dabei um 0,8% zu, weil überwiegend große Wohnungen gebaut wurden (siehe Tab. „Wohnungen und Wohnfläche“). Da die meisten neuen Wohnungen in Neubauten entstehen, die zu einem erheblichen Teil in neu ausgewiesenen Baugebieten errichtet werden zeigt sich das Wohnen als ein bedeutender Treiber der Flächenneuinanspruchnahme in Deutschland. Dies hat auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen in seinem jüngsten Umweltgutachten „Impulse für eine integrative Umweltpolitik“ festgestellt (Tz. 282).

Zwischen 2011 und 2016 nahm die Zahl der Wohnungen in Deutschland um 2,6 % zu, während die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 2,7 % wuchs. Hauptursache für den Bevölkerungszuwachs war die Zuwanderung der letzten Jahre. Die Entwicklung verlief in den Bundesländern unterschiedlich. Während in den meisten Bundesländern die Bevölkerung zunahm, schrumpfte sie in Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland. Der Wohnungsbestand stieg in fast allen Bundesländern, auch im Saarland und Thüringen. So schrumpfte die Bevölkerung des Saarlandes zwischen 2011 und 2016 um 0,1 %, der Wohnungsbestand nahm dennoch um 1,6 % zu. Ähnlich in Thüringen: die Bevölkerung sank um 1,6 %, der Wohnungsbestand stieg um 1,3 %. Lediglich in Sachsen-Anhalt sank der Wohnungsbestand bei abnehmender Bevölkerung (-1,8 %) um 0,1 %. In den Ländern, in denen Bevölkerung und Wohnungsbestand wachsen, wächst in den Flächenländern Baden-Württemberg, Bayern und Hessen sowie in den drei Stadtstaaten die Bevölkerung z.T. deutlich schneller als der Wohnungsbestand. Hingegen wächst in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein der Wohnungsbestand schneller als die Bevölkerung (siehe Abb. „ Bevölkerung und Wohnungsbestand in den Bundesländern 2011 bis 2016“).

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Durchschnittliche Wohnfläche nahm zu

Das Statistische Bundesamt definiert die Wohnfläche als die Fläche aller Wohn- und Schlafräume sowie aller Küchen und Nebenräume. Unberücksichtigt bleiben dabei die nicht zum Wohnen bestimmten Boden-, Keller- und Wirtschaftsräume. Außerdem wird die Wohnfläche in Leerständen nicht erfasst. Die tatsächlich genutzte Wohnfläche nahm zwischen 2010 und 2016 um 3,9 Prozent (%) zu und stieg damit deutlich stärker als die Zahl der Wohnungen. Grund dafür war die im Vergleich zu 2010 größere durchschnittliche Wohnfläche der Wohnungen im Bestand von 2016. Die Wohnfläche je Wohnung betrug 2016 im Durchschnitt 91,7 Quadratmeter und lag damit um 0,8 % höher als im Jahr 2010 (siehe Tab. „Wohnungen und Wohnfläche“).

 

Wohnfläche pro Kopf nahm zu

Die Wohnfläche pro Kopf nahm in Deutschland zwischen 2011 und 2016 von 46,1 Quadratmetern (m²) auf 46,5 m² zu. Ein Grund dafür war die Zunahme der Einpersonenhaushalte, aber auch die zunehmende Versorgung mit Eigenheimen in Verbindung mit der Tendenz, diese auch im Alter – bei schrumpfender Haushaltsgröße – beizubehalten (siehe Abb. „Wohnfläche je Einwohner/-in“).

Die Wohnfläche pro Kopf nahm in Deutschland zwischen 2010 und 2016 um anderthalb Quadratmeter zu. 2010 betrug sie 45,0 Quadratmeter und 2016 46,5 Quadratmeter pro Kopf.
Wohnfläche je Einwohner/-in
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Wohnfläche pro Kopf in Ein-Personenhaushalten am größten

Der Trend zu Haushalten mit weniger Personen führt dazu, dass die Bevölkerung insgesamt mehr Wohnfläche beansprucht. Im Jahr 2013 (neuere Daten liegen nicht vor) lag die Wohnfläche pro Kopf in Ein-Personenhaushalten mit 68,3 Quadratmetern (m²) um mehr als ein Drittel höher als die Wohnfläche pro Kopf in Zwei-Personenhaushalten mit 48,2 m². Die Mitglieder von Haushalten mit vier Personen beanspruchten sogar nur eine durchschnittliche Fläche von 30,7 m². Der Hauptgrund für die geringere Wohnflächenbeanspruchung pro Person in Mehr-Personenhaushalten ist die gemeinsame Nutzung von Küche, Bad und Flur.

 

Ältere Haushalte belegen viel Wohnraum

Das zeigen Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und des Statistischen Bundesamtes. Der Grund dafür ist, dass Eltern nach Auszug der Kinder oft in der großen Familienwohnung bleiben. Vor allem Wohnungseigentümer sind wenig geneigt, nach der Familienphase in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Zudem ist der Anteil älterer Haushalte, die im Eigentum wohnen, seit 1978 von etwa 40 auf 55 Prozent gestiegen. Nach Angaben des BBSR belegte ein Ein-Personenhaushalt in der Altersgruppe über 75 Jahre im Jahr 1978 noch 55 Quadratmeter (m²), im Jahr 2002 waren es bereits 75 m². Die Wohnflächenbelegung junger Ein-Personenhaushalte ist hingegen seit 1978 – mit kleinen Schwankungen – nicht wesentlich gewachsen und blieb unter 50 m².

 

Folgen der Flächennutzung durch Wohnen für die Umwelt

Jeder bewohnte Quadratmeter Fläche in Gebäuden führt zu höherem Energieverbrauch, denn die Fläche wird beleuchtet, beheizt, mit Bodenbelag versehen und möbliert, muss gereinigt und instand gehalten werden. Dies führt zu erhöhtem Energie- und Ressourcenverbrauch und ggf. Schadstoffemissionen.

Haushalte und ihre Mitglieder belegen nicht nur Wohnfläche innerhalb von Gebäuden, sondern ihnen ist allein oder anteilig auch die Grundstücksfläche, auf der das Wohngebäude steht, zuzurechnen. Hinzu kommt weitere Bodenfläche außerhalb des Wohngrundstücks, zum Beispiel die Fläche für Erschließungsstraßen oder andere Infrastrukturen, wie Abwasserbeseitigungsanlagen oder Spiel-, Sport- und Grünflächen, die dem Wohnen dienen. Jede Nutzung von Bodenflächen durch den Menschen hat mehr oder weniger große Auswirkungen auf die Umwelt. Das gilt auch für die Nutzung durch Siedlungsflächen und dadurch bedingt für die Flächen der Verkehrsinfrastruktur. Irreversibel wird etwa in die Fläche eingegriffen, wenn natürliche Bodenstrukturen und -funktionen zum Beispiel durch Überbauung und Versiegelung zerstört werden. Ziel muss es sein, knappe Fläche nachhaltig und umweltschonend, ökonomisch effizient und sozial gerecht mit Rücksicht auf künftige Generationen zu nutzen.