Aussagen zur zukünftigen Entwicklung der meteorologischen Parameter werden auf Basis von Klimaprojektionen getroffen. Dabei berechnet ein globales Klimamodell den möglichen Klimawandel auf der Basis eines Szenarios. Hier werden zwei Szenarien betrachtet. Das „Klimaschutz-Szenario“ (RCP 2.6) basiert auf Annahmen, die der globalen 2-Grad-Obergrenze entsprechen. Ziel ist eine Welt, in der im Jahr 2100 die globale Erwärmung nicht mehr als 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau beträgt. Das „Hochemissionsszenario“ (RCP 8.5) beschreibt eine Welt, in der die Energieversorgung im Wesentlichen auf der Verbrennung fossiler Kohlenstoffvorräte beruht. Der Ausstoß von Treibhausgasen wird sich gegenüber heute mit einem stetigen Anstieg des Strahlungsantriebes bis zum Jahr 2100 weiter erhöhen.
Eine Klimaprojektion darf nicht mit einer Vorhersage verwechselt werden. Sie ist eine „was wäre, wenn“-Rechnung auf der Basis des gewählten Szenarios. Die Klimaprojektionen für die unterschiedlichen Szenarien helfen, die zu erwartenden Klimaveränderungen unter Berücksichtigung verschiedener Klimaschutzmaßnahmen in eine Bandbreite möglicher Entwicklungen einzuordnen.
Globale Klimaprojektionen dienen als Antrieb für regionale Klimaprojektionen. Die gezeigten Auswertungen basieren auf den Ergebnissen von 32 regionalen Klimaprojektionen, die den Zeitraum 1971 bis 2100 umfassen (Klimaensemble). Die genutzten regionalen Klimaprojektionen stellen das DWD-Referenz-Ensemble dar, das im Rahmen der Forschung des Themenfelds „Klimawandel und Anpassung“ des Expertennetzwerks des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV-Expertennetzwerk) Bias-adjustiert (Reduktion von systematischen Fehlern) und auf ein 5 km-Gitter regionalisiert wurde8. Die folgenden Auswertungen basieren alle auf diesem Ensemble. Um den Unterschied zwischen dem heutigen und einem zukünftigen Zustand zu berechnen, werden jeweils zwei 30-Jahres-Zeiträume genutzt, und es wird für jeden Zeitraum ein mittlerer Zustand berechnet. Als Bezugszeitraum für das beobachtete Klima dienen die Jahre 1971–2000 aus den Modellrechnungen. Für eine bessere Einordnung wird in Abbildung 12 (rechts) für die Temperatur darüber hinaus die Änderung relativ zum frühindustriellen Zeitraum 1881–1910 dargestellt. Für die Zukunft werden zwei Zeiträume analysiert: Der kurzfristige Planungshorizont beschreibt den mittleren Zustand der Jahre 2031–2060. Die Jahre 2071–2100 werden als Grundlage für den langfristigen Planungshorizont genutzt. Die zukünftigen Änderungen werden als Bandbreite angegeben. Beschrieben wird die Bandbreite über die Werte des 15. und 85. Perzentils aus den vorhandenen Datensätzen. Durch dieses Vorgehen werden Ausreißer an den beiden Enden der Ensembles aus Klimaprojektionen ausgeschlossen.
Temperatur – Mittel und Extreme in der Zukunft
Die bereits erreichte Temperaturänderung zwischen dem frühindustriellen Zeitraum und dem Bezugszeitraum 1971–2000 beträgt 0,8 °C. Ein weiterer Anstieg der Temperatur in Deutschland ist zu erwarten.
Für den kurzfristigen Planungshorizont (2031–2060) beträgt der Anstieg etwa 0,8 bis 1,5 °C im Klimaschutz-Szenario und 1,5 bis 2,3 °C im Hochemissionsszenario (siehe Abbildung 12). Die Entwicklung ist noch wenig vom Emissionsszenario abhängig. Die Erwärmung ist in Süddeutschland etwas stärker ausgeprägt. Die Temperaturentwicklung für den langfristigen Planungshorizont (2071–2100) wird stark vom gewählten Szenario bestimmt. Basierend auf dem Klimaschutz-Szenario ist eine Erhöhung um 0,9 bis 1,6 °C zu erwarten. Regionale Unterschiede gibt es kaum. Unter den Bedingungen des Hochemissionsszenarios beträgt die Erwärmung etwa 3,0 bis 4,7 °C. Die Erwärmung ist in den südlichen Regionen stärker ausgeprägt. In den verschiedenen Jahreszeiten ist die Erwärmung ähnlich ausgeprägt, mit Ausnahme des Frühjahrs, wo sie geringer ausfällt.
Mit der Temperaturzunahme in der Zukunft geht eine markante Änderung der Temperaturextreme einher. Mit tiefen Temperaturen verbundene Extreme nehmen stark ab und mit Wärme verbundene Extreme nehmen stark zu. Dadurch steigt auch die Häufigkeit von Hitzewellen. Die Klimaprojektionen weisen auf eine deutliche Änderung aller Indikatoren hin, besonders für das Hochemissionsszenario sowie den langfristigen Planungshorizont. In den meisten Regionen ist mit einem klaren Anstieg von Sommertagen, Heißen Tagen und Tropennächten zu rechnen. Im Deutschlandmittel sind unter dem Hochemissionsszenario im kurzfristigen Planungshorizont 5 bis 10 zusätzliche Heiße Tage pro Jahr zu erwarten, im langfristigen Planungshorizont 14 bis 28 Tage. Tropennächte werden zukünftig auch in Regionen auftreten, in denen sie bis heute noch nicht aufgetreten sind. Besonders das Hochemissionsszenario lässt eine deutliche Häufung und eine Ausdehnung auf neue Gebiete erwarten. Im Deutschlandmittel ist unter diesem Szenario im kurzfristigen Planungshorizont mit einem Anstieg um bis zu 3 Tropennächte pro Jahr zu rechnen, im langfristigen Planungshorizont um 5 bis 16 Nächte. Im Oberrheingraben sowie in städtischen Agglomerationen ist mit dem größten Zuwachs an Tropennächten zu rechnen. Dagegen wird die Anzahl an Frost- und Eistagen, wie bereits in den letzten Jahrzehnten, in allen Regionen weiter zurückgehen. Besonders im Ruhrgebiet sowie im Rheintal werden Eistage nur noch sehr selten auftreten. Im kurzfristigen Planungshorizont sowie für das Klimaschutz-Szenario sind dagegen weniger drastische Veränderungen zu erwarten.
Im kurzfristigen Planungshorizont 2031–2060 ist für Deutschland keine deutliche Änderung der mittleren Jahressumme des Niederschlags zu erwarten. Berechnet wird eine Änderung des mittleren Jahresniederschlags um ±0 % bis +6 % im Klimaschutz-Szenario sowie um -1 % bis +9 % im Hochemissionsszenario (siehe Abbildung 13). Der Unterschied zwischen den Szenarien ist gering und die Änderung ist in allen Teilen des Bundesgebiets in etwa gleich stark ausgeprägt. Grundsätzlich muss angemerkt werden, dass eine modellierte Änderung unterhalb von 10 % nicht von der natürlichen Klimavariabilität unterschieden werden kann. Diese Schwelle gilt auch für alle nachfolgenden Werte. Für den langfristigen Planungshorizont 2071–2100 ist für Deutschland beim Hochemissionsszenario mit einer Änderung des Jahresniederschlags um ±0 % bis +16 % zu rechnen. Die Änderung wird in allen Teilen des Bundesgebiets in etwa gleich stark ausfallen.
Für den kurzfristigen Planungshorizont 2031–2060 werden unter Verwendung des Klimaschutz-Szenarios für den Winter Zunahmen der Niederschlagsmenge um +3 % bis +11 % berechnet, im Hochemissionsszenario +2 % bis +23 %. Für den Sommer und den Herbst ist eine belastbare Richtungsaussage nicht möglich. Die Spannbreite der Ergebnisse im Sommer liegt zwischen -6 % und +3 % (Klimaschutz-Szenario) sowie zwischen -7 % und +7 % (Hochemissionsszenario). Im Herbst liegt sie zwischen -4 % bis +5 % (Klimaschutz-Szenario) sowie zwischen -7 % bis +10 % (Hochemissionsszenario). Im Frühjahr zeigen sich für diesen Planungshorizont Änderungen der mittleren Niederschlagssumme unter Annahme des Klimaschutz-Szenarios von +3 % bis +12 %. Unter Annahme des Hochemissionsszenarios wird eine Zunahme von +6 % bis +14 % berechnet.
Im Frühjahr kann die Änderung für den langfristigen Planungshorizont (2071–2100) je nach Szenario +0 % bis +11 % (Klimaschutz-Szenario) oder +3 % bis +22 % (Hochemissionsszenario) betragen, im Herbst -3 % bis +7 % (Klimaschutz-Szenario) oder -7 % bis +18 % (Hochemissionsszenario). Im Winter kann die Änderung im Hochemissionsszenario +7 % bis +33 %, im Klimaschutz-Szenario -3 % bis +13 % betragen. Für den Sommer wird in diesem Planungshorizont eine Spanne von einer sehr geringen Änderung im Klimaschutz-Szenario (-6 % bis +3 %) bis hin zu einer möglichen Abnahme der Niederschlagshöhe im Hochemissionsszenario in der Spannbreite -14 % bis +6 % berechnet. In den einzelnen Regionen ist der Sommer ebenfalls durch große Spannbreiten der Ergebnisse gekennzeichnet, sodass diese nur wenig belastbar erscheinen.
Bezüglich der Änderung der Anzahl der Tage mit einem Niederschlag von mindestens 20 mm pro Tag ist für alle Regionen sowohl für den kurzfristigen als auch den langfristigen Planungshorizont mit einer Zunahme zu rechnen. Nur in der Alpenregion projizieren manche Modelle eine Abnahme dieser Tage. Die deutlichste Zunahme wird dabei im Frühling und Winter projiziert. Im kurzfristigen Planungshorizont ist der Unterschied zwischen den einzelnen Klimaszenarien eher gering, während er im langfristigen Planungshorizont im Winter, Frühling und Herbst deutlich ausgeprägter ist. Ein weniger ausgeprägter Anstieg wird für die Tage mit einem Niederschlag von 30 mm und mehr projiziert. Jedoch ist bei Starkniederschlägen die Spannbreite innerhalb des Ensembles teilweise sehr groß, sodass die Resultate nur wenig belastbar sind. Regionale Unterschiede bezüglich der Änderung der mittleren Jahressumme der Niederschlagshöhe sind wenig ausgeprägt.
Für den Projektionszeitraum ist für das Gesamtjahr, abhängig von der Bandbreite des Klimamodellensembles und Klimaszenarios, von einer geringfügigen Abnahme bis zu einer moderaten Zunahme der Trockentage auszugehen. Für die einzelnen Jahreszeiten ergibt sich allerdings ein differenzierteres Bild. Während es im kurz- und langfristigen Planungshorizont für das Klimaschutzszenario im Winter und Frühling zu keinen nennenswerten Änderungen der Trockentage kommt, ergibt sich für Sommer und Herbst eine moderate Zunahme, die sich aber zwischen dem kurz- und langfristigen Planungshorizont kaum unterscheidet. Unter dem Hochemissionsszenario werden im Winter und Frühling ebenfalls kaum Änderungen projiziert. Vor allem im Sommer ist aber von einer deutlicheren Zunahme der Trockentage für die ferne Zukunft auszugehen, die für den Herbst etwas moderater projiziert wird.