Ammoniak-Emissionen

Die Ammoniak-Emissionen stammen im Wesentlichen aus der Tierhaltung und weiteren Quellen in der Landwirtschaft. Von 1990 bis 2016 sanken die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft um 12 Prozent.

Inhaltsverzeichnis

 

Entwicklung seit 1990

Von 1990 bis 2016 sanken die Ammoniak-Emissionen (NH3) im Gesamtinventar um 80 Tausend Tonnen (Tsd. t) oder 10,8 %. Die Emissionen stammen hauptsächlich aus der Landwirtschaft (um die 95 Prozent (%) Anteil an den Gesamtemissionen). Die Emissionsreduktionen der letzten Jahrzehnte lassen sich überwiegend auf den Abbau der Tierbestände in den neuen Bundesländern unmittelbar nach der Wiedervereinigung zurückführen. Dagegen sind die Ammoniak-Emissionen aus der Mineraldüngerausbringung seit 1990 bis 2016 angestiegen (28 %), obwohl die ausgebrachte Mineraldüngermenge (in Stickstoff-Einheiten) abgenommen hat. Dies liegt vor allem am steigenden Harnstoffanteil, da Harnstoff im Vergleich zu anderen Mineraldüngern einen höheren Emissionsfaktor aufweist.  Seit der Berichterstattung 2016 werden auch Ammoniak-Emissionen aus Lagerung und Ausbringung von Gärresten der Biogasproduktion berücksichtigt. Bedingt durch die Materialzunahme (hier nachwachsende Rohstoffe) bei der Lagerung und Ausbringung von Gärresten sind die Emissionen aus diesem Teilsektor seit 2005 stark gestiegen.

Die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft dominieren seit Mitte der 1990er Jahre auch die in Säure-Äquivalenten berechneten, summierten Emissionen der Säurebildner Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffoxide (NOx) und Ammoniak (NH3). Berechnet man das Versauerungspotenzial dieser drei Schadstoffe, so ergibt sich wegen der erheblich stärkeren Emissionsminderung bei SO2 und NOx ein steigender Einfluss von NH3 und somit der Landwirtschaft. Von knapp 16 % im Jahre 1990 stieg der Emissionsanteil der Landwirtschaft bei den Säurebildnern 2016 auf 52 % (siehe Tab. „Emissionen ausgewählter Luftschadstoffe nach Quellkategorien“).

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Verursacher

Ammoniak (NH3) entsteht vornehmlich durch Tierhaltung und in geringerem Maße durch die Düngemittelverwendung sowie die Lagerung und Ausbringung von Gärresten der Biogasproduktion in der Landwirtschaft.

Von geringerer Bedeutung sind industrielle Prozesse (Herstellung von Ammoniak und stickstoffhaltigen Düngemitteln sowie von kalziniertem Soda), Feuerungsprozesse, Anlagen zur Rauchgasentstickung sowie Katalysatoren in Kraftfahrzeugen.

 

Beschlüsse zur Emissionsminderung

Im Multikomponentenprotokoll (1999) zur UNECE-Luftreinhaltekonvention, das die jährlichen Emissionen durch Einführung nationaler Höchstmengen begrenzt, hat sich Deutschland verpflichtet, die Ammoniak-Emissionen zu vermindern. Ab dem Jahr 2010 dürfen 550 Tausend Tonnen (Tsd. t) Ammoniak nicht mehr überschritten werden.

Weiterhin hat Deutschland im Zuge der Novellierung des Protokolls (2012) eine Reduktion der Ammoniak-Emissionen bis 2020 um 5 Prozent gegenüber dem Wert von 2005 zugesagt.

Die auf EU-Ebene gültige Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen (NEC-Richtlinie 2016/2284) sieht zusätzlich eine Minderung um 29 % in 2030 gegenüber 2005 vor.

Mit Inkrafttreten des neuen EEA Guidebook 2016 wurden die aktualisierten Emissionsfaktoren für synthetische Dünger in die Emissionsberechnung übernommen. Dadurch ergaben sich niedrigere Ammoniakemissionen als in der vorangegangenen Berichterstattung 2017.  

Durch Minderungsmaßnahmen wie die emissionsarme Ausbringung von Gülle, die unmittelbare Einarbeitung von Wirtschaftsdüngern in den Boden, Abluftreinigung in Stallgebäuden und die Abdeckung von Güllelagern lassen sich die Ammoniak-Emissionen deutlich mindern. Den in der Düngeverordnung (DüV) von 2017 festgelegten Maßnahmen wie verbesserte Ausbringungsverfahren von Wirtschaftsdüngern sowie kurze Einarbeitungszeit wird eine potenzielle Minderung der Ammoniak-Emissionen von rund 100 Tsd. t in den nächsten Jahren zugesprochen. Zur dauerhaften Einhaltung der Emissionshöchstmenge und der Minderungsverpflichtung des Göteborg-Protokolls sind also weitere Maßnahmen umzusetzen.

Bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2013 wurde zwar mit dem Greening in der ersten Säule dem Umwelt- und Klimaschutz eine größere Bedeutung beigemessen, jedoch führte dies in der Praxis zu keinen ausreichenden positiven Umweltwirkungen. Im Jahr 2020 steht die nächste, größer angelegte Reformrunde der GAP an. Der aktuell vorliegende Kommissionsvorschlag hält an der bisherigen 2-Säulenstruktur mit flächengebundenen Direktzahlungen fest. Nach wie vor sollen als Einkommensunterstützung pauschale Flächenprämien an Landwirtinnen und Landwirte ausgezahlt werden. Damit wäre die Möglichkeit vertan, die europäische Agrarförderung konsequent nach dem Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Umweltleistungen“ auszurichten und verstärkt Anreize für Agrarumweltmaßnahmen zu setzen. Die Mitgliedsstaaten werden außerdem deutlich mehr Spielräume für die Gestaltung der nationalen Agrarpolitik haben. Die Legislativvorschläge ermöglichen sowohl eine ambitionierte, als auch eine wenig ambitionierte Agrarumweltpolitik. In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass viele EU-Mitgliedsstaaten und auch Deutschland nationale Spielräume zur Stärkung des Umweltschutzes in der Landwirtschaft nicht genutzt haben.