Schädlingen vorbeugen: Schädlinge können Pflanzen schwächen, indem sie zum Beispiel an den Blättern saugen oder das Fruchtwachstum verhindern. Im Hausgarten ist der Schaden meist tolerierbar. Eine Bekämpfung würde auch den Nützlingen schaden, denen sie als Nahrung dienen. Gestalten Sie Ihren Garten vielfältig und möglichst naturnah, so dass sich viele Nützlinge darin wohl fühlen. Konkrete Tipps dazu finden Sie HIER.
Die wichtigsten Schädlinge im Überblick
Blütenstecher: Blütenstecher (Anthonomus rubi) sind auf Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren zu finden. Die schwarzen Rüsselkäfer sind zwei bis vier Millimeter groß. Sie legen ihre Eier in die Blütenknospen der Beerenfrüchte. Die weiblichen Käfer beißen nach der Eiablage den Knospenstiel an, so dass die Knospe umknickt, verwelkt und abfällt.
- Achten Sie auf abgeknickte oder abgefallene Blütenknospen und sammeln Sie diese mit den darin enthaltenen Eiern regelmäßig auf.
- Entsorgen Sie die aufgesammelten Pflanzenteile über den Haus- oder Biomüll, damit sich die Käfer nicht weiter vermehren.
- Singvögel fressen die Larven des Blütenstechers und regulieren so den Bestand. Unterstützen Sie Singvögel zum Beispiel durch das Aufhängen von Nistkästen.
- Schlupfwespen parasitieren die Larven des Blütenstechers, indem sie ihre Eier hineinlegen. Fördern Sie Schlupfwespen, indem Sie ihnen Lebensraum bieten. Die erwachsenen Tiere lieben Pollen- und Nektarpflanzen und überwintern in Baumstümpfen und unter loser Baumrinde.
Himbeerkäfer: Die kleinen weißen Larven des Himbeerkäfers (Byturus tomentosus) fressen sich in das Fruchtinnere. Die Himbeeren werden braun und hart oder zeigen Missbildungen.
- Bauen Sie Herbst-Himbeeren an, diese werden meist nicht befallen, da die Eiablage der Käfer deutlich früher erfolgt.
- Breiten Sie ab Mitte April regelmäßig am Morgen ein Tuch unter den Himbeerruten aus und klopfen die Ruten ab. Die Käfer fallen herunter und können entfernt werden, noch ehe sie ihre Eier in die Früchte legen.
- Gießen Sie mit Rainfarntee und Brennnesseljauche zur Stärkung der Pflanzen.
- Kappen Sie nach der Ernte alle Ruten fünf Zentimeter über dem Boden.
Gallmilben: Ist ein Brombeerstrauch von Gallmilben (Acalitus essigi) befallen, reifen Früchte oder Teile davon nicht aus, sondern bleiben rot oder rotgrün. Reife, normal ausgefärbte Früchte sind hart und sauer.
- Wählen Sie früh-reife Sorten.
- Geben Sie den Brombeeren einen hellen, aber nicht vollsonnigen Platz.
- Gallmilben bevorzugen trockene Wärme. Halten Sie den Boden deshalb feucht, z.B. durch eine Mulchschicht.
- Schneiden Sie befallene Früchte ab und entsorgen Sie diese über den Haus- oder Biomüll.
- Lassen Sie nach der Ernte keine Früchte hängen, die Gallmilben überwintern darin. Schneiden Sie abgetragene Ruten im Winter zurück.
- Nützlinge wie Schlupfwespen und Raubmilben überwintern auch an Brombeeren. Verzichten Sie deshalb auf Pflanzenschutzmittel.
Johannisbeerglasflügler: Die Larven des Johannisbeerglasflüglers (Synanthedon tipuliformis) bohren sich in die Johannisbeertriebe und fressen das Mark. Befallene Triebe werden welk und sterben später ganz ab. Schwarze Johannisbeeren werden bevorzugt befallen.
- Wählen Sie lieber Rote oder Weiße Johannisbeeren, die werden selten befallen.
- Schneiden Sie welke Triebe direkt über dem Boden ab. Ist das Mark schwarz verfärbt sind sie tatsächlich von den Larven befallen.
- Fördern Sie Nützlinge. Die Schlupfwespenart Lissonota frontales parasitiert die Raupen des Glasflüglers. Vögel und Spinnen fressen die erwachsenen Falter und Laufkäfer fressen deren Eier.
Pflanzenschutzmittel sind zur Bekämpfung des Johannisbeerglasflüglers nicht gut geeignet. Mittel, die nur bei direktem Kontakt wirken, müssten exakt zum richtigen Zeitpunkt ausgebracht werden, um die Weibchen bei der Eiablage zu töten. Selbst dann würden sie wahrscheinlich nicht wie gewünscht wirken und vor allem anderen Insekten schaden. Die geschlüpften Larven fressen ohnehin im Inneren der Triebe und sind dadurch gut geschützt.
Kirschessigfliegen: Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ist nur drei Millimeter groß, kann aber große Ernteverluste verursachen. Sie befällt nicht nur Kirschen, sondern auch Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Blaubeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren. Markant sind die roten Augen und der sägeartige Ei-Legeapparat, mit dem die Weibchen in die Fruchthaut eindringen. Die invasive, aus Asien stammende Kirschessigfliege wurde 2011 erstmalig in Deutschland nachgewiesen und hat sich innerhalb von nur drei Jahren bundesweit ausgebreitet. Sie wird durch befallene Früchte verbreitet, kann aber auch selbst weite Strecken zurücklegen. Unter den klimatischen Bedingungen in Deutschland kann sie bis zu acht Generationen pro Jahr zeugen. Es gibt keine Insektizide, die für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate und des kurzen Entwicklungszyklus würde die Kirschessigfliege wahrscheinlich schnell Resistenzen gegen Insektizide entwickeln.
- Kirschessigfliegen gehören zu den Taufliegen, sie mögen es dementsprechend feucht. Sonne, Wind und Frost mögen sie dagegen nicht. Sorgen Sie also dafür, dass die Beerensträucher möglichst sonnig stehen, fachgerecht geschnitten sind und Unterbewuchs kurzgehalten wird.
- Feinmaschige Kulturschutznetze (Maschenweite maximal 0,8 Millimeter) schützen die Früchte vor der Kirschessigfliege. Die Netze müssen die Pflanzen komplett umschließen. Kontrollieren Sie die Netze regelmäßig auf Schadstellen.
- Beachten Sie aber, dass eine Einnetzung nur bei solchen Kulturen sinnvoll ist, bei denen Blüte und Fruchtausbildung nacheinander erfolgen! Kulturen, die gleichzeitig blühen und Früchte bilden (z.B. Himbeeren, Brombeeren) sollten nicht komplett eingenetzt werden, weil durch die Netze keine Bestäuber an die Blüten gelangen können und dementsprechend keine Früchte gebildet werden können. Der Einsatz von Bestäubern aus dem Handel unter einzelnen eingenetzten Kulturen ist nicht sinnvoll. Die Bestäuber können in so einem kleinen Raum nicht lange überleben. Sie fliegen in Panik gegen die Netze, verfangen sich und sterben. Eine Befruchtung findet kaum statt.
- Natürliche Gegenspieler der Kirschessigfliege sind Ohrwürmer und parasitierende Wespen (Gallwespen, Brackwespen, Zehrwespen, Erzwespen). Fördern Sie solche Nützlinge durch eine naturnahe Gartengestaltung.
- Pflücken Sie regelmäßig alle reifen Früchte und auch solche, die von Krankheiten und Schädlingen befallen sind. Entsorgen Sie befallene Früchte, am besten gut verpackt, im Hausmüll. Kompostieren können Sie befallene Früchte nur, wenn vorher die Larven der Kirschessigfliege abgetötet werden. Dazu müssen Sie die Früchte entweder in einem dicht verschlossenen Behälter in die Sonne legen oder einfrieren. Auch vergraben in einer Bodentiefe von mindestens 50 Zentimetern ist eine Option.