Die Einzugsgebiete der Talsperren des Typs sind oft sehr waldreich, die Uferbereiche und Böschungen sehr steil. An den Staumauern dominieren Steinschüttungen und große Blöcke, an den Zuläufen und Uferbereichen feine Kiese und Sande. Die Seen haben Kalkgehalte unter 15 mg/l Ca und durch den Einfluss von Mooren und sauren Waldböden im Einzugsgebiet meist erhöhte Gehalte an Huminstoffen. Die Huminstoffe senken den pH-Wert in den schwach sauren Bereich und führen zu leicht brauner Färbung des Wassers. Diese Einflüsse bestimmten maßgeblich die Artenzusammensetzung in den Seen.
Das Wasser der Talsperren wird schnell ausgetauscht. In stark bewirtschafteten Talsperren sind die Verweilzeiten häufig geringer als 30 Tage. Zudem schwanken die Wasserstände stark. Wo Uferflächen sporadisch trocken fallen, haben sich wenige, sehr spezielle Pflanzenarten wie der Strandling und der Hirschsprung auf die wechselnden Wasserstände eingestellt. Die Fischfauna wird oft dominiert von Bach- und Seeforellen. Auch Hechte, Zander, Äschen und Flussbarsche sind häufig.
Charakteristische Tier- und Pflanzenarten für den Tiefen, großen, kalkarmern Mittelgebirgssee
Oligotricha striata (Linnaeus 1758)
Oligotricha striata ist eine von mehr als 300 in Deutschland lebenden Köcherfliegenarten. Die Larven schützen ihren weichen Hinterleib durch einen bis zu 4 cm langen, selbstgebauten Köcher aus Pflanzenmaterial. Sie leben räuberisch von Wasserinsekten oder auch von Pflanzenteilen, welche sie mit ihren Mundwerkzeugen zerkleinern. Das erwachsene Tier (Imago) lebt an Land und saugt Blütennektar. Zwischen März und Juli schlüpft es aus der verpuppten Larve an der Wasseroberfläche und kann bereits nach wenigen Minuten fliegen. Nach der Paarung legen die Weibchen die Eier wieder in ein geeignetes Gewässer und der etwa 1 Jahr dauernde Entwicklungszyklus beginnt erneut. Die Lebensphasen im Wasser – also das Ei-, das Larven- und das Puppenstadium dauern oft bis zu 10 Monate.
Tabellaria flocculosa
Tabellaria flocculosa ist eine Kieselalge (Diatomee). Sie kommen als Einzelzellen vor oder bilden kleine Kolonien in Form von unverzweigten Fäden, die in Zickzackbändchen oder Sternchen angeordnet sind. Die ungeschlechtliche Fortpflanzung erfolgt durch Teilung der Einzelzellen, die zu einer Verkleinerung der Zellen oder zum Zerbrechen der Kolonien führen kann. Tabellaria flocculosa kommt in stehenden Gewässern auf den Oberfläche von Steinen oder an Wasserpflanzen und besonders häufig frei schwebend im Plankton vor. Die Art besiedelt in der Regel Gewässer, die aufgrund ihres geringen bis mäßigen Nährstoffangebots eine geringe organische Produktion aufweisen.
Biegsame Glanzleuchteralge (Nitella flexilis)
Die meisten Arten der Armleuchteralgen (Characeen) stehen aufgrund ihrer Vorliebe für saubere, nährstoffarme Seen, Teiche oder Fließgewässer in Deutschland und anderen Ländern auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Die Sprosse der Biegsamen Glanzleuchteralge sind nur etwa 1-1,5 mm dick, werden aber zwischen 10 – 40 Zentimeter lang - in Ausnahmefällen bis zu einem Meter. Armleuchteralgen überwuchern den lichtüberfluteten Gewässerboden oft wie ein dichter Rasen, der Jungfischen ein ideales Versteck vor Fressfeinden bietet. Vielen Wasservogelarten dienen die Algen oder die in ihnen lebenden Kleintiere als Nahrung.
Flussbarsch (Perca fluviatilis)
Der Flussbarsch ist in ganz Europa in stehenden und fließenden Gewässern heimisch und gilt als äußerst anpassungsfähige Fischart. Flussbarsche werden je nach Nahrungsangebot durchschnittlich 20 bis 30 Zentimeter lang, nur selten über 50 cm. Zur Nahrung des Flussbarsches gehören Plankton - Organismen, Bodentiere, Insekten, die an der Wasseroberfläche erbeutet werden und Fische – auch der eigenen Art. Die Laichzeit erstreckt sich von März bis Juni wobei bis zu 300.000 Eier pro Weibchen in Form von langen, netzartigen Gallertschnüren (sog. Barschschnüren) an Wasserpflanzen, Steinen oder Ästen an flachen Uferstellen abgelegt werden.
Haubentaucher (Podiceps cristatus)
Der knapp entengroße Haubentaucher ist in Deutschland der häufigste und bekannteste Vertreter der Familie der Lappentaucher. Er brütet im Uferbereich fischreicher Seen, Talsperren und an größeren Teichen. Neben kleineren bis mittelgroßen Fischen stehen auch Insektenlarven, Kaulquappen, Frösche, Krebstiere, Spinnen und Wasserinsekten auf seinem Speiseplan. Die Nahrung wird meist tauchend erjagt, wobei der Haubentaucher oft mehr als 40 Sekunden unter Wasser bleibt. Besonders auffällig ist sein Balzverhalten. Dabei werden scheinbar „Tänze“ auf freier Wasserfläche aufgeführt, wie ab März nach Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten gut zu beobachten ist.