Fragen und Antworten
Derzeit werden die EU-weit gesetzlich festgelegten Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) in der Außenluft intensiv und kontrovers in den Medien diskutiert. So vertreten einige Personen in den Medien die Meinung, dass insbesondere die Stickstoffdioxid-Grenzwerte für die Außenluft überzogen niedrig oder sogar unnötig seien. Auch die Ergebnisse einer vom Umweltbundesamt (UBA) in Auftrag gegebenen Studie zur Krankheitslast der in Deutschland lebenden Bevölkerung infolge dieses Luftschadstoffs werden als fehlerhaft kritisiert.
Zu diesen Aussagen beziehen das UBA und die Kommission Umweltmedizin und Environmental Public Health – eine unabhängige Expertenkommission, die am Robert Koch-Institut angesiedelt ist – im Folgenden Stellung und ordnen die Bedeutung der Grenzwerte für den Schutz der Gesundheit von Bevölkerungen ein. Für die folgenden FAQ wird der aktuelle Stand der Forschung zu Stickstoffoxiden und deren gesundheitliche Bedeutung zusammengefasst. Es wird vor allem auch die Rolle von Grenzwerten allgemein erläutert. Weil in der gegenwärtigen Diskussion auch die gesundheitliche Bedeutung von Feinstaub und der Lufthygiene allgemein in Frage gestellt wird, nehmen wir in einigen Antworten auch dazu Stellung.
Die Qualität der Luft hat sich in Europa (und anderen westlichen Industrieländern) in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Grundlage dafür war ein Zusammenspiel von Wissenschaft und politischen Maßnahmen:
- Aufbau eines Mess- und Überwachungsnetzes für Luftschadstoffe
- Erforschung der gesundheitlichen Wirkungen
- Ableitung von Empfehlungen (Richtwerte) als Grundlage für Grenzwerte
- Gesetzlich verbindliche Festlegung von Grenzwerten und Maßnahmen bei Überschreitung
- Maßnahmen zur Reduktion von Schadstoffen (technisch wie strukturell).
Die wichtigen Emittenten von Luftschadstoffen sind in Deutschland Industrie, Energieerzeugung, Landwirtschaft und Verkehr. Zu Problemen kann es vor allem lokal in städtischen Bereichen durch ein Zusammenwirken von Straßenverkehr, Heizung und Industrie kommen.
Mit dem wachsenden Wissen über die gesundheitlichen Wirkungen von Luftschadstoffen wurden die Grenzwerte in den letzten Jahrzehnten stufenweise abgesenkt. Die Festlegung von Grenzwerten führt dabei häufig auch zu Auseinandersetzungen. Die aktuelle Diskussion um Fahrverbote und Grenzwerte zeigt, dass es um eine Abwägung von Interessen geht, zum Beispiel individuelle Mobilität und Gesundheitsschutz.