Optimale Fütterung

Foto von Ferkeln in einem Mastbetrieb, die an einem Trog fressen, in den das Futter aus einem Breiautomat gegeben wird.zum Vergrößern anklicken
Automatisierte Fütterung in einem Mastbetrieb

Durch eine an die Bedürfnisse der Tiere angepasste hygienische Fütterung kann die Gesundheit von Nutztieren optimal unterstützt und der Einsatz von Tierarzneimitteln verringert werden.

Quelle: countrypixel / Fotolia.com

Inhaltsverzeichnis

 

Ernährung der Jungtiere hat Einfluss auf späteren Gesundheitszustand

Direkt nach der Geburt ist die erste Nahrungsaufnahme von großer Bedeutung: In den ersten Stunden nach der Geburt sollten neugeborene Ferkel und Kälber schnellstens mit Kolostrum versorgt werden. Denn die in der Milch enthaltenen Antikörper können nur zu diesem Zeitpunkt die Darmwand passieren und in die Blutbahn des Jungtieres gelangen. Eine regelmäßige Fütterung mit Kolostrum sollte in den ersten Tagen beibehalten werden. Auch wenn die individuelle Kontrolle der Kolostrumaufnahme zeitaufwändig ist, trägt diese Fütterung dazu bei, dass das Jungtier bestmögliche Abwehrkräfte entwickelt. Durch die Vermeidung von Krankheiten können langfristig Zeit und Kosten gespart und die Umwelt geschont werden.

Qualität des Kolostrums abhängig von Gesundheitsstatus der Mutter

Kolostrum liefert überlebensnotwendige Immunglobuline und Nährstoffe in konzentrierter Form und stärkt somit das Immunsystem des Neugeborenen. Für die Kolostrumqualität ist der Immunstatus der Muttertiere entscheidend, welcher durch Impfungen beeinflusst werden kann (siehe: Förderung der Robustheit und Vitalität von Nutztieren). Die Qualität des Kolostrums bei Kühen wird durch Dichtemessungen mittels Refraktometer oder Kolostrometer gemessen. Je höher die Dichte, desto höher ist der Gehalt an wichtigen Immunglobulinen. Sollte das Kolostrum von geringerer Qualität sein, kann diese durch Mischen mit Kolostrum höherer Qualität verbessert werden oder sie sollte gänzlich durch Kolostrum höherer Qualität ersetzt werden. Insbesondere, wenn Kolostrum bereits als Reserve eingefroren wurde, muss bei der Verwendung darauf geachtet werden, die Milch schonend aufzutauen. Später kann die Ansäuerung der Vollmilch gesundheitsförderlich sein, da das Wachstum von Krankheitserregern durch die Säuren gehemmt wird. In den ersten drei Tagen nach der Geburt darf die Milch jedoch nicht angesäuert werden, da die Säuren auch die Immunglobuline schädigen. 

Fütterungshäufigkeit für Jungtiere

Im Mutterleib sind die Feten an eine kontinuierliche Versorgung mit Energie und Nährstoffen gewöhnt. Diese endet mit der Geburt und der Stoffwechsel stellt sich auf eine Nahrungszufuhr in Mahlzeiten mit dazwischenliegenden Nüchterungsphasen ein. Der Stoffwechsel von Neugeborenen ist noch nicht mit genügend Reserven ausgestattet, um größere Zeitspannen überbrücken zu können. Der junge Körper ist nicht in der Lage, die Eigenproduktion von z. B. Glucose als Energieträger genügend anzukurbeln. Deswegen wird eine Nahrungszufuhr alle 3 bis 4 Stunden für neugeborene säugende Nutztiere empfohlen. So kommt man auf ca. 5 bis 8 Fütterungen je Tag. Diese entspricht auch der Häufigkeit mit der ein junges Säugetier von sich aus das Gesäuge oder Euter aufsucht.

Optimale Fütterungsbedingungen für Geflügel

Bei Geflügel ist vor allem die Fütterung in den ersten 10 Tagen nach dem Schlüpfen wichtig. Küken können sich nur optimal entwickeln, wenn sie ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden und wenn der Stall warm ist. Ist die Temperatur zu niedrig, muss der Körper die Energie aus dem Futter zur Stabilisierung der Körpertemperatur statt zum Wachstum nutzen. Das Futter wird über bodennahe Schalen bereitgestellt, die frei von Kot gehalten werden müssen. Dieses ist speziell im Hinblick auf den Verzicht von Kokzidiostatika im Futter wichtig.

Foto von einem Kolostrometer in einem Behältnis mit Kolostrum.
Kolostrometer zur Qualitätsbestimmung von Kolostrum
Quelle: Julia Steinhoff-Wagner / Universität Bonn
 

Ausgewogene Zusammensetzung des Futters fördert die Gesundheit

Auch zu späteren Zeitpunkten hat die Ernährung Auswirkungen auf die Gesundheit von Nutztieren. Eine unausgewogene Fütterung kann die Ausbildung von Krankheiten fördern. Durch bedarfsgerechte Fütterung, wird die Tiergesundheit verbessert, die Anzahl von Tierverlusten nimmt ab und auch die Produktivität der Tiere über die Zeit gesteigert. Eine leistungsgerechte Fütterung setzt eine Rationsberechnung voraus. Diese ist nur möglich, wenn die Analysewerte der Futterkomponenten bekannt sind. Die Futterqualität und die Inhaltsstoffe können sich während der Lagerung verändern, so dass nicht nur vor der Einlagerung, sondern auch in regelmäßigen Abständen während der Lagerung oder beim Anbruch neuer Chargen die Qualität überprüft werden sollte. Eine Analyse des Futters kann unter anderem von den landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA), dem Raiffeisen-Laborservice oder anderen Laboratorien durchgeführt werden. Dafür werden verschiedene standardisierte Methoden, wie nasschemische, enzymatische oder physikalische Methoden, angewandt. Mithilfe dieser Analyseergebnisse kann eine Rationsberechnung vorgenommen werden. Für Geflügel, Rinder und Schweine sollte zusätzlich auf einen entsprechend hohen Anteil von Rohfasern im Futter geachtet werden. Dieser garantiert die Kauaktivität und genügende Einspeichelung. Für Jungtiere und Mastschweine kann die Ansäuerung des Futters das Wachstum von potentiellen Krankheitserregern hemmen und die Proteinverdauung verbessern.

Futtermittelzusätze können zur stabilen Gesundheit beitragen

Phytogene Futtermittelzusätze gewinnen derzeit an Bedeutung in der Fütterung von Einzeltieren, da aufgrund des Monitorings des Antibiotikaeinsatzes zunehmend nach Alternativen gesucht wird. Kräuter oder ätherische Öle enthalten Stoffe (Thymol oder Carvacrol), deren gesundheitsfördernde Wirkung nachgewiesen ist. Sie können antimikrobiell oder immunmodulierend wirken oder verringern z. B. die Besiedlung mit krankmachenden E. coli-Stämmen beim Absetzer oder Kalb. Auch Futtermittelzusätze wie Prä- und Probiotika finden Anwendung in der Schweine- oder Kälberhaltung. Sie haben eine stabilisierende Wirkung auf die „gute“ Magen-Darm-Flora und beeinflussen auch das Wachstum der Tiere positiv.

 

Futtermittelhygiene für qualitativ hochwertige Futtermittel

Auch wenn die Berechnung der Ration und die Anteile der einzelnen Fraktionen stimmen und somit die Fütterung optimal an den Bedarf des Tieres angepasst ist, kann durch eine mangelhafte Qualität der Futtermittel die Versorgung des Tieres und dessen Leistung beeinträchtigt werden. Um ausreichend Vorschub bei Silo zu gewährleisten, muss die Breite des Silos an die Bestandsgröße angepasst sein (siehe auch: Driehuis, F. (2013). Silage and the safety and quality of dairy foods: a review. Agricultural and Food Science, 22(1), 16-34.).  Beispielsweise können sich durch Fehler bei der Futtermittelbergung, während der Silierung, Konservierung und Lagerung schädliche Mikroorganismen wie Bakterien (z. B. Clostridien) und Pilze im Futtermittel vermehren. Zum Beispiel bilden einige Schimmelpilze Mykotoxine, die schon in geringen Konzentrationen Krankheiten und Leistungsrückgänge begünstigen oder hervorrufen können.

Eine sorgfältige Tierbeobachtung (Akzeptanz und Fressaktivitäten in Bezug auf die Futtervorlage) kann wichtige Informationen zur Futterqualität liefern und Handlungsbedarf anzeigen. Zusätzlich zur Grobfutter- und Mischfutteranalyse können auch die hygienische Beschaffenheit oder der Mykotoxingehalt untersucht werden. Kontaminiertes Futter sollte entsorgt und nicht verfüttert werden.

Schon bei der Silierung an die Futtermittelqualität denken

Nacherwärmungen und Fehlgärungen in Silagen können die Qualität des Futters mindern. Während dieser Prozessfehler können auch das Wachstum und die Ausbreitung von Clostridien begünstigt werden. Die Zugabe von Milchsäurebakterien beschleunigt den Gärprozess, da sie den pH-Wert frühzeitig absenkt, und hemmt das Wachstum von Clostridien. Auch chemische Silierzusätze wie zum Beispiel Natriumnitrit oder Hexamin sind wirksam im Einsatz gegen Clostridien, insbesondere bei nitratarmen Gräsern. Bereits in den frühen Gärphasen der Silierung wirkt Natriumnitrit hemmend und eliminiert die zu diesem Zeitpunkt schon vorhandenen Sporen der Clostridien.

Bei Silagen müssen zudem Silobefüllzeiten beachtet und genügende Verdichtung eingehalten werden. Die richtige Abdeckung verhindert, dass Luft einströmt. Mithilfe geeigneter Entnahmetechniken können Futterentnahme und Anschnittsfläche optimiert werden, so dass es dort nicht durch Kontakt mit Luft oder Witterung zu Qualitätseinbußen kommt.

Vermeidung von Pilzbefall bereits vor der Ernte

Da Futterpflanzen schon auf dem Feld von Schimmelpilzen befallen werden können, können vorbeugende ackerbauliche Bekämpfungsmaßnahmen zur Verminderung des Pilzbefalls umgesetzt werden. Ernterückstände können zerkleinert und eingepflügt werden, um die Infektionsgefahr zu senken. Durch die Wahl pilzresistenter Getreidesorten kann das Risiko des Pilzbefalls begrenzt werden. Weiterhin sollte auf eine entsprechende Fruchtfolge geachtet werden. Auch ein Fungizideinsatz kann nach sorgfältiger Prüfung der Unumgänglichkeit und Ausschöpfung vorab genannter Maßnahmen in Betracht gezogen werden, wenn bereits in den Vorjahren die Futterpflanzen von Pilzen, wie zum Beispiel Fusarien, stark befallen waren. Bei der Ernte ist auf eine entsprechende Hygiene zu achten, indem die verwendeten Maschinen vor Benutzung gereinigt werden.

Futtermittel trocken, kühl und sauber lagern

Um den Eintrag von Bakterien und Pilzen in Futtermittel nach der Ernte zu verhindern, ist die richtige Lagerung ausschlaggebend. Das geerntete Futter sollte möglichst sauber sein, auf einen möglichen Schädlingsbefall kontrolliert und gegebenenfalls aussortiert werden. Vor der Einlagerung ist die Hygiene des Lagers zu überprüfen und für eine durchgängig trockene, kühle und saubere Umgebung zu sorgen. Eine gute Belüftung und Kühlung des Lagers sind zu empfehlen. Boden, Wände, Gatter oder Lackierungen des Lagers, welche mit dem Futter im Kontakt stehen, müssen so beschaffen sein, dass keine Beeinträchtigungen der Futtermittel erfolgen können (zum Beispiel durch Migration oder Fremdkörper).

Sollte das eingelagerte Futtermittel einen kritischen Feuchtegehalt annehmen, so muss die Lagerdauer verkürzt und das Futtermittel alsbald verbraucht werden. Zusätzlich kann eine chemische Konservierung angewandt werden, die das Schimmelpilzwachstum unterdrückt, z. B. mithilfe von Propionsäure, Futterharnstoff oder Natronlauge.

Tierische Schädlinge vom Futter fernhalten

Schadinsekten, Vögel und Kleintiere können das Futter verunreinigen und Krankheiten übertragen. Dementsprechend sollte der Lagerraum so gestaltet sein, dass das Futter vor Schädlingen geschützt ist (siehe auch: Zucker, B. A. (Hrsg.) (2016). Kompendium der Tierhygiene. Lehmanns Media, Berlin). Darüber hinaus sollte der Zustand des Lagers in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Auch die Sauberkeit von Wänden und Böden muss gewährleistet sein, damit Schadtiere keine Gelegenheit bekommen, sich in Ernterückständen und Ablagerungen einzunisten. Gegebenenfalls müssen diese Tiere mit entsprechenden Bekämpfungsmaßnahmen (z. B. Fallen) eliminiert werden. Ein Bekämpfungsplan stellt sicher, dass die Maßnahmen regelmäßig durchgeführt und damit wirksam sind. Beispielsweise hilft nicht nur das einmalige Aufstellen von Fallen, sondern diese Bekämpfungsmaßnahme ist erst dann effektiv, wenn die Fallen regelmäßig kontrolliert werden.

Falls der Lagerort mit offenen Hallenseiten ausgestattet ist, sollten diese mit Toren oder Netzen bestückt werden, damit ein Eindringen von Kleintieren verhindert wird. Zusätzlich kann eine Abdeckung des Futters mit Folien vor Fremdstoffeinträgen und Feuchtigkeit schützen. Abgesehen vom gelagerten Futtermittel sollte der Lagerraum möglichst keine weiteren Gegenstände enthalten, da diese z. B. Ratten Unterschlupf bieten könnten. Häufig bauen Vögel ihre Nester an Balken über dem Futtertisch oder im Futterlager. In diesen Fällen kann man durch das Anbringen eines einfachen Brettes verhindern, dass der Vogelkot ins Futter gerät und zu Verschmutzungen führt.

Die Grafik zeigt ein fressendes Rind. Über der Futterstelle befindet sich ein Schwalbennest. Darunter ist ein Brett angebracht, welches den Kot auffängt, damit er nicht ins Futter gelangt.
Schwalbennest mit Kotbarriere
Quelle: Julia Steinhoff-Wagner und Carmen Henrichs / Universität Bonn