1. Robuste Pflanzensorten wählen
Am besten sind die Probleme, die gar nicht erst auftreten. Genau dafür sorgen Sie mit Pflanzensorten, die gegenüber typischen Krankheiten oder Schaderregern resistent oder tolerant sind. Unter einer Resistenz versteht man in der Regel eine hundertprozentige Widerstandskraft, es kann aber auch eine nicht vollständige, aber hohe Widerstandsfähigkeit gemeint sein. Tolerante Pflanzen wiederum werden zwar befallen, verkraften dies jedoch so gut, dass in der Regel keine Ertragseinbußen zu befürchten sind.
Ein Beispiel: Tomaten, insbesondere im Freiland, leiden häufig unter der Kraut- und Braunfäule, hervorgerufen durch den feuchtigkeitsliebenden Pilz Phytophthora infestans. Die Stabtomate 'Phantasia' ist gegen diesen Erreger – und gegen Echten Mehltau – jedoch resistent und bleibt daher auch in regenreichen Sommern gesund. Die Fleischtomate 'Maestria' ist zwar nicht hundertprozentig resistent, besitzt aber immerhin eine hohe Widerstandskraft gegenüber der Kraut- und Braunfäule und ist resistent gegen verschiedene Viruskrankheiten sowie gegen Erreger der Fusarium-Welke.
Bei den Steinobstgehölzen ist beispielsweise die Pflaumensorte 'Jojo' resistent gegenüber dem gefürchteten Scharka-Virus – ein ganz besonderer Züchtungserfolg, da Viren generell nicht mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden können. Die Sorte 'Toptaste' wiederum ist gegenüber der Scharkakrankheit nicht resistent, aber tolerant: Selbst wenn der Baum vom Scharkavirus infiziert werden sollte, hat dies keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtqualität.
Auch unter den Zierpflanzenarten finden sich zahlreiche Sorten, die über eine besonders hohe Widerstandskraft verfügen. Eine besonders große Auswahl gibt es bei den Rosen: Sorten, die das sogenannte ADR-Siegel ("Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung") tragen, wurden von einem Expertengremium drei Jahre lang auf Kriterien wie Blattgesundheit, Winterhärte, Wüchsigkeit und Reichblütigkeit getestet. Unter www.adr-rose.de finden Sie Fotos und Sortenbeschreibungen.
Falls Sie sich fragen, ob resistente Sorten mit Gentechnik zu tun haben: Resistenzen bilden sich in der Natur immer wieder, zum Beispiel aufgrund spontaner Mutationen (Mutationen sind dauerhafter Veränderungen im Erbgut) oder nachdem Viren auf natürlichem Wege Erbgutbruchstücke einer Pflanzenart auf eine andere übertragen haben. Im Gartenbau entstehen die allermeisten resistenten Sorten immer noch durch klassische Züchtung: Pflanzen, die sich als besonders widerstandsfähig erwiesen haben, werden mit Sorten gekreuzt, die andere wünschenswerte Eigenschaften haben, etwa einen besonders hohen Ertrag oder einen intensiven Geschmack. Prinzipiell lassen sich Resistenzen auch durch Verfahren erzielen, die der Gentechnik zugeordnet werden können. Im Hobbygartenbau sind in Deutschland jedoch bis heute keine derartigen Sorten zugelassen worden (Stand 2015). Da viele Verbraucher in Deutschland gentechnisch veränderten Organismen eher kritisch gegenüberstehen, ist aktuell nicht zu erwarten, dass sich dies mittelfristig ändern wird.