Unkraut im Garten: Vorbeugen – tolerieren – entfernen

Klatschmohn vor weißem Holzzaunzum Vergrößern anklicken
Klatschmohn

Unkraut oder Zierpflanze? Darüber entscheidet oft der persönliche Geschmack. Viele Gartenbesitzer tolerieren ein gewisses Maß an Wildkräutern, die sich von alleine angesiedelt haben. Vorbeugende Maßnahmen und regelmäßiges Jäten verhindern, dass sie überhand nehmen.

Quelle: mgebauer / Fotolia.com

FAQ

  • Stimmt es, dass man Unkrautvernichter nicht auf Gartenwegen, Terrassen und Garageneinfahrten anwenden darf?

    Ja. Herbizide sind auf befestigten oder versiegelten Flächen grundsätzlich verboten und nur in Ausnahmefällen für professionelle Anwender genehmigungsfähig! Zwar dürfen Herbizide wie alle Pflanzenschutzmittel eigentlich nur nach eingehender Beratung verkauft werden, zu der auch Hinweise auf rechtliche Rahmenbedingungen zählen. Tatsächlich finden anstelle von Beratungen jedoch häufig eher Verkaufsg… weiterlesen

  • Welcher Unkrautvernichter hilft langfristig gegen Moos im Rasen?

    Wer sich einen dauerhaft moosfreien Rasen wünscht, schafft dies nur durch eine Kombination von passender Rasenmischung, einer guten Bodenvorbereitung und regelmäßiger Pflege. Häufig sind auch Bodenverdichtungen die Ursache für eine Besiedelung mit Moos. Herbizide beseitigen das Moos nur kurzfristig, es wird immer wiederkehren, solange die Ursachen weiterbestehen.Nützliche Praxisinformationen zur R… weiterlesen

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Inhaltsverzeichnis

 

Umgang mit Wildkräutern

  • Toleranz lohnt sich: Viele Arten haben schöne Blüten, schmecken gut und sind für Schmetterlinge und Vögel unverzichtbar.
  • Vor allem in den ersten Wochen nach Aussaat oder Pflanzung regelmäßig jäten. Sobald die Kulturpflanzen den Boden bedecken, haben es Wildkräuter schwer.
  • Eine Mulchschicht oder -folie beugt Wildkrautaufwuchs vor.
  • Bei Samenunkräutern hilft Hacken, bei Wurzelunkräutern Jäten.
 

Gewusst wie

Unkraut in Beeten, im Rasen oder auf befestigten Flächen wie Terrasse, Wegen oder Garagenauffahrten gehört für viele Menschen zu den größten Gartenärgernissen. Dennoch tolerieren immer mehr Gartenfans Wildkräuter ganz bewusst zumindest in einigen Gartenbereichen, weil sie um ihre Vorzüge wissen: Zahlreiche Schmetterlinge sind auf Brennnesseln, Sauerampfer und Co. als Raupenfutterpflanzen angewiesen. Vögel ernähren sich von den Samen der Wildkräuter und von den Insekten, denen sie Nahrung und Versteckt bieten. So manches "Unkraut" ist eine vitamin- und mineralstoffreiche Köstlichkeit. Und nicht zuletzt sehen einige Wildkräuter gerade zur Blütezeit ausgesprochen hübsch aus. Das ist allerdings unbestritten Geschmackssache – manche lieben Gänseblümchen im Rasen, andere empfinden sie optisch als störend. Tatsache ist auch, dass Wildkräuter den Gartenpflanzen Konkurrenz machen können, wenn sie sich übermäßig ausbreiten. Dann gilt es, ihnen Einhalt zu gebieten – am besten auf eine Art und Weise, die den Erfolg langfristig sichert.

  • Herbizide, wie Unkrautvernichtungsmittel fachlich korrekt heißen, tun genau das nicht. Selbst bei sehr teuren Herbiziden sind oft mehrere Behandlungen im Abstand weniger Wochen notwendig. Und der Erfolg ist in der Regel nicht von Dauer, die Herbizide müssen daher immer wieder eingesetzt werden.
  • Oft schaffen Herbizide sogar neue gärtnerische Probleme und auch an der Umwelt gehen sie leider nicht spurlos vorbei.
  • Wer dennoch nicht auf Herbizide verzichten möchte, kann sich im Abschnitt Herbizide im Garten  über Notfallhilfen informieren. Tipps zur richtigen Anwendung finden Sie im Artikel Typische Fehlanwendungen von Pflanzenschutzmitteln im Hobbygarten.
Dekorativer Wildkräutersalat mit zwei Scheiben Brot und einer Flasche Öl auf einem Tisch
Attraktiver Wildkräutersalat
Quelle: Johanna Mühlbauer/Fotolia.com
 

Unkraut im Beet ist nicht zwangsläufig ein Problem

Unkraut im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Es handelt sich schlicht um Pflanzen, die aus gärtnerischer Sicht am falschen Ort wachsen. Leuchtend roten Klatsch-Mohn beispielsweise säen viele Gartenfans ganz bewusst aus – zwischen Blüten in zarten Pastellfarben kann er jedoch ähnlich störend wirken wie Löwenzahn. Zum Problem wird die sogenannte "Spontanvegetation" jedoch vor allem im Gemüsegarten und in neu angelegten Staudenbeeten: Wo größere Bodenflächen noch nicht von Bewuchs bedeckt sind, können Wildkräuter leicht Fuß fassen. Die gute Nachricht: Sobald die Kulturpflanzen eine geschlossene Fläche bilden, fällt es anderen Arten schwer, sich anzusiedeln. Es geht daher meist schlicht darum, den Kulturpflanzen den nötigen Wachstumsvorsprung zu sichern.

 

Regelmäßiges Jäten verschafft den Kulturpflanzen Zeit zum Wachsen

Manche empfinden es schon fast als meditative Tätigkeit, andere schimpfen darüber. In jedem Fall jedoch gehört die mechanische Wildkrautbeseitigung für die meisten Menschen zum Gärtnern dazu. Und sofern man es regelmäßig betreibt, ist das Zupfen oder Hacken weniger anstrengend als gedacht. Entscheidend sind vor allem die ersten Wochen nach der Aussaat oder Pflanzung: Wer jetzt am Ball bleibt, verhindert, dass sich unerwünschte Arten ausbreiten, und spart sich langfristig viel Arbeit. Damit der Körpereinsatz auch von Erfolg gekrönt ist, sollte man allerdings wissen, dass Unkraut nicht gleich Unkraut ist:

  • Samenunkräuter werden durch regelmäßiges Hacken zerstört oder geschwächt. Sie müssen vor allem am Blühen gehindert werden, da sie teils zig-Tausende Samen pro Pflanze produzieren können.
  • Wurzelunkräuter hingegen würden sich durch Hacken noch mehr ausbreiten, da aus jedem Teilstück eine neue Pflanze heranwächst. Sie müssen möglichst komplett aus der Erde gezogen werden, etwa mit einem Unkrautstecher oder einer Grabegabel.
  • Der oft besonders lästige und hartnäckige Giersch lässt sich mit den gebogenen Zinken einer Gierschgabel gut aus dem Boden holen. Schwere Lehmböden sollten am besten leicht feucht sein, damit die Wurzelstränge nicht zu fest sitzen.
  • Löwenzahn und Gänseblümchen vermehren sich sowohl über die zahlreichen Samen als auch über die Wurzeln, falls Stücke im Boden zurückbleiben. Mit modernen Unkrautstechern lassen sich die Wurzeln bequem sogar im Stehen entfernen.
  • Am besten entfernen Sie beim Jäten zunächst die meist gut erkennbaren Wurzelunkräuter und hacken das Beet anschließend einmal gründlich durch.
Häufig vorkommende Wurzel- und Samenunkräuter mit einer Anleitung zum korrekten Unkrautjäten
Clever Unkraut jäten
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016
 

Durch Mulchen offenen Boden vermeiden

Sobald Gartenpflanzen eine geschlossene Fläche bilden, können sich unerwünschte Arten nur schwer ansiedeln. Bis dahin kann neben dem Jäten auch eine 15 cm starke Mulchschicht helfen, einen unerwünschten Aufwuchs von Wildkräutern zu unterdrücken. Für Gemüsebeete kann auch temporär verlegte Mulchfolie mit Pflanzschlitzen eingesetzt werden. Positiver Nebeneffekt: In beiden Fällen sinkt die Verdunstung und es muss weniger gegossen werden. Aus Umweltsicht ist eine Kunststoffmulchfolie nur eingeschränkt empfehlenswert, da sie nicht abbaubar ist. Es gibt aber auch kompostierbare Beetabdeckungen, beispielsweise aus Maisstärke oder Papier. Häufig verwendete lose organische Mulchmaterialien (also solche, die sich nach einiger Zeit zersetzen) sind beispielsweise Rindenmulch, Rindenhumus, Stroh und Gras. Da Rindenmulch und Stroh Stickstoff binden, sollten Sie vor dem Ausbringen 50 g Hornspäne je Quadratmeter auf dem Beet verteilen. Beim Rindenhumus ist dies in der Regel nicht notwendig, allerdings unterdrückt er Wildkräuter etwas weniger zuverlässig. Gras wirkt als zusätzliche Stickstoffquelle, das sollte man bedenken, um nicht versehentlich Kulturpflanzen zu überdüngen. Wichtig: Gras sollte stets erst antrocknen, ehe es auf dem Beet verteilt wird, da es sonst Schnecken anzieht und zudem zu einer dicken luftdichten Schicht verkleben kann. Wer im Garten Probleme mit Mäusen hat, sollte auf Stroh besser verzichten, da es den Nagern als Versteckt dienen kann. Für Bereiche unter Bäumen und Sträuchern sowie für naturnah gestaltete Staudenbeete bietet sich gut zersetztes Fallaub an. Immer beliebter werden anorganische Materialien wie Kies , Schotter  und Splitt  (Körnung: 2-32 mm). Sie passen optisch eher zu puristisch gestalteten Gärten sowie zu Pflanzungen mit mediterranen oder Präriestauden. Ihre Vorteile: Sie haben keinen nennenswerten Einfluss auf den Stickstoffgehalt des Bodens und müssen seltener erneuert werden. Die Bodenbearbeitung wird durch eine solche Schicht allerdings stark erschwert, daher sollte der Boden sehr gründlich vorbereitet werden. Kiesgärten sind aus Umweltsicht allerdings nur sinnvoll, wenn sie naturnah konzipiert werden. "Steinwüsten", die lediglich ein paar Ziergräsern beheimaten – oder gar mit wasserundurchlässiger Folie unterlegt sind, die das Bodenleben dauerhaft stark beeinträchtigt – liegen im ökologischen Wert nicht viel höher als versiegelte Flächen.

 

Herbizide bekämpfen nicht nur Unkräuter

In Stauden- und Sommerblumenbeeten ist der Einsatz von Herbiziden wenig sinnvoll. Denn auch wenn umgangssprachlich von "Unkraut"-Vernichtungsmittel die Rede ist: Herbizide unterscheiden nicht zwischen Unkräutern und Kulturpflanzen, allenfalls zwischen ein- und zweikeimblättrigen Pflanzenarten. Die Wahrscheinlichkeit, liebevoll gepäppelte Zierpflanzen zu schädigen oder abzutöten, ist entsprechend groß. Im Gemüsebeet stehen die Pflanzen zwar weniger dicht, doch sie landen am Ende auf dem eigenen Teller. Werden die Mittel vorschriftsgemäß angewendet, besteht beim Verzehr des Ernteguts zwar keine Gefahr für die Gesundheit; für viele Menschen liegt der Reiz des Gemüseanbaus aber gerade darin, komplett unbehandeltes Gemüse ernten zu können.

Welche Umweltauswirkungen viele Herbizide haben können und welche Wirkstoffe als Notfallmaßnahme in Frage kommen, erfahren Sie im Abschnitt Herbizide im Garten.

 

Unkraut auf befestigten oder versiegelten Flächen beseitigen

Am wenigsten Ärger hat man mit Wildkräutern, die sich gar nicht erst ansiedeln. Vorbeugend kann bei der Neuanlage oder Renovierung von Pflasterflächen zum Beispiel unkrauthemmender Pflastersand verwendet werden. Er bildet eine besonders dichte Oberfläche, in dem Pflanzen kaum Fuß fassen können. Auch Zement- oder Kunstharzfugen machen es Wildkräutern schwer. Kiesflächen wiederum sollten im Unterbau stets ein Unkrautvlies enthalten.

 

Kleinere Flächen unkrautfrei halten – so klappt's

Da ein Garten ein offenes System ist, wird nach einiger Zeit dennoch an der einen oder anderen Stelle genügend feine Erde angeweht worden sein, um Wildkräutern ein Zuhause zu bieten. Wer umgehend reagiert und das Pflänzchen herauszieht, wird auch künftig wenig Ärger haben. Anstrengend wird es erst, wenn bereits mehrere Quadratmeter besiedelt worden sind. Noch junge, weiche Unkräuter lassen sich schon mit einem einfachen Straßenbesen beseitigen. Eine sehr effektive und preisgünstige Methode, um Wildkräuter zu entfernen, sind auch Fugenkratzer und Fugenbürsten mit Borsten aus Stahl. Beide können je nach Modell auch im Stehen eingesetzt werden und halten viele Jahre lang. Kochendes Wasser erfüllt vor allem bei jungen Samenunkräutern ebenfalls schnell und zuverlässig seinen Zweck, bei größeren Pflanzen und Wurzelunkräutern muss die Behandlung gegebenenfalls mehrfach erfolgen. Die abgetöteten Pflanzen können am nächsten Tag einfach abgekehrt oder herausgezogen werden. Selbst Abflammgeräte sind schon für relativ kleines Geld zu bekommen und töten die Wildkräuter schon nach kurzer Zeit – die Pflanzen müssen nicht komplett verkohlt sein. Die Gaskartuschen halten allerdings meist nicht lange, sodass die Unterhaltskosten erheblich von der Nutzungsintensität abhängen. Deutlich teurer in der Anschaffung sind gute Hochdruckreiniger, mit denen sich sogar veralgte Terrassenplatten meist mit gutem Ergebnis behandeln lassen.

Der Fugenkratzer im Einsatz auf einem Doppel T-Verbundpflasterweg
Fugenkratzer
Quelle: Mascha Schacht
 

Größere Flächen unkrautfrei halten – diese Helfer erleichtern die Arbeit

Bei großen Flächen lohnen sich motorisierte Wildkrautbürsten, die das unerwünschte Grün mittels rotierender Borstenwalze einfach wegschrubben. Es gibt sie als Handgeräte und, für sehr große Flächen, als Aufsitzfahrzeuge. Infrarot-, Dampf- oder Heißschaumgeräte rücken dem Unkraut durch starke Hitzeentwicklung zu Leibe. Da sie in der Anschaffung ziemlich teuer sind, werden sie meist nur von Hausmeisterdiensten und Kommunen verwendet.

 

Fugen und Kiesflächen mit Herbiziden "freispritzen" ist verboten

Ob Garagenauffahrt oder Bürgersteig, Terrasse oder befestigter Gartenweg: Herbizide sind auf befestigten oder versiegelten Flächen grundsätzlich verboten und nur in Ausnahmefällen für professionelle Anwender genehmigungsfähig! Zwar dürfen Herbizide wie alle Pflanzenschutzmittel eigentlich nur nach eingehender Beratung verkauft werden, zu der auch Hinweise auf rechtliche Rahmenbedingungen zählen, tatsächlich finden anstelle von Beratungen jedoch häufig eher Verkaufsgespräche statt. Im Internet beschränkt sich die "Beratung" im Allgemeinen auf kurze Informationstexte oder den Verweis auf das Sicherheitsdatenblatt des Produktherstellers.

Diese mangelhafte Informationspraxis ist nicht nur im Hinblick auf den Umweltschutz problematisch, sondern auch mit Nachteilen für den Käufer verbunden.

Zum einen steigt ohne Beratung das Risiko von Fehlanwendungen und dadurch auch von Gefahren für die Gesundheit, denn die relative Unbedenklichkeit, die Pflanzenschutzmitteln durch ihre Zulassung bestätigt wird, bezieht sich stets auf die vorgeschriebene Anwendung.

Zum anderen schützt Unwissenheit vor Strafe nicht, und die kann bei unsachgemäßer und unerlaubter Anwendung von Herbiziden bis zu 50.000 Euro betragen!

Dass Verstöße derart hart geahndet werden, hat einen guten Grund: Es geht um den Wasserschutz und damit um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanzen. Von versiegelten Flächen werden die ausgebrachten Flüssigkeiten nämlich besonders leicht abgewaschen. Sie können dann entweder auf eine benachbarte Grünfläche oder in Oberflächengewässer gelangen, von wo sie direkt ins Grundwasser sickern können. Oder sie erreichen über den nächstgelegenen Gully das Abwassersystem. Bei der Trinkwasseraufbereitung ist eine Reinigung von Pflanzenschutzmittelrückständen kompliziert und teuer – die Kosten tragen letztlich die Wasserverbraucher. Mitunter ist eine vollständige Reinigung sogar unmöglich: Verschiedene, viele Jahre in der Landwirtschaft eingesetzte Herbizidwirkstoffe wurden schlussendlich verboten, weil sie deutschlandweit ins Grundwasser einsickerten. Das 1991 verbotene Atrazin beispielsweise ist vielerorts bis heute im Grund- und Trinkwasser nachweisbar. Diese Informationen sollten auch weitergegeben werden, wenn beispielsweise ordnungsliebende Nachbarn einen wildkrautfreien Bürgersteig fordern und für diesen Zweck gleich ein Spritzmittel empfehlen.

Welche weiteren Umweltauswirkungen viele Herbizide haben können und welche Wirkstoffe als Notfallmaßnahme für Wildkräuter im Beet in Frage kommen, erfahren Sie im Abschnitt Herbizide im Garten.

Unkrautspritze im Einsatz auf einem Bürgersteig
Person mit Unkrautspritze behandelt Pflanze auf Bürgersteig
Quelle: juefraphoto / Fotolia.com
 

Unkraut richtig entsorgen

Wurzelunkräuter und die Samen einiger Samenunkräuter sind ausgesprochen widerstandsfähig. Entsorgen Sie gejätetes Unkraut daher nicht auf Ihrem Kompost, sondern über den Biomüll. In professionell betriebenen Kompostierungsanlagen sinkt der Unkrautanteil drastisch. Sie können den kostengünstig erhältlichen Kompost vom städtischen Kompostwerk daher bedenkenlos verwenden.

 

Herbizide im Garten können viele Probleme verursachen

Sie scheinen auf den ersten Blick eine vielversprechende Lösung zu sein: Unkompliziert anzuwenden, schnell wirksam und effektiv. Doch nicht umsonst ist der Herbizideinsatz beispielsweise in vielen der rund eine Million Kleingärten des Bundesverbands deutscher Gartenfreunde per Gartenordnung verboten: Der von der Werbung erweckte Schein trügt. Herbizide unterscheiden nicht zwischen "guten" und "bösen" Pflanzen. Daher muss extrem sorgfältig, oft sogar mit einem Spritzschutz gearbeitet werden, sonst können Zierpflanzen eingehen und Löcher im Rasen entstehen. Da sind die Wildkräuter mit Hacke oder Löwenzahnstecher schneller entfernt. Selbst plakativ als "nützlingsfreundlich" gekennzeichnete Präparate schonen oft nur wenige Sympathieträger wie die Biene. Andere Nützlinge können durchaus geschädigt werden, zum Beispiel die als Blattlausvertilger geschätzte Schwebfliege. Dies verrät aber erst ein Blick ins Kleingedruckte. Ein Risiko besteht zudem für zahlreiche Arten, die erst gar nicht geprüft wurden, da sich die Standardtests auf eine Reihe ausgewählter Organismen beschränken. Auch Hinweise wie "mit Wirkstoffen aus der Natur" sollen beim Verbraucher ein gutes Gefühl wecken, sagen aber wenig über die gesamte Umweltverträglichkeit aus – natürliche Wirkstoffe werden hierbei oftmals unterschätzt!

Die Bewertung zugelassener Herbizide bezieht sich auf die sachgemäße Anwendung. Das bedeutet unter anderem, dass eine festgelegte, vom Hersteller angegebene Konzentration eingehalten werden muss, und das Mittel nur in bestimmten zeitlichen Abständen ausgebracht werden darf. Deshalb darf auch niemals nach dem Motto "Viel hilft viel" einfach munter drauflosgespritzt werden. In der Praxis sind allerdings immer wieder – beabsichtigte und unbeabsichtigte – Fehlanwendungen festzustellen. Hinzu kommt: Die Wirkstoffmengen, die in einem einzigen Garten freigesetzt werden, mögen auf den ersten Blick gering scheinen. Doch da ein Garten ein offenes System ist, summieren sich die Einträge aus einer Million Kleingärten und rund 20 Millionen Hausgärten. Ob und ab welcher Konzentration sich verschiedene Wirkstoffe dann möglicherweise gegenseitig in ihrer Giftigkeit verstärken, das lässt sich aufgrund der Vielzahl möglicher Kombinationen auch im Rahmen der streng geregelten rechtlichen Zulassungsverfahren nur sehr begrenzt vorhersagen und regulieren.

Herbizide werden aus gutem Grund nur auf begrenzte Zeit zugelassen. Prinzipiell werden Zulassungen für Herbizide – wie für alle Pestizide – nur nach eingehender Prüfung und Abwägen der Risiken erteilt. Danach sind sie in der Regel zehn Jahre lang gültig, ohne erneut überprüft zu werden. Die Bewertungskonzepte werden hingegen ständig weiterentwickelt. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die eine oder andere Zulassung nach dem künftigen Stand von Wissenschaft und Technik nicht mehr erteilt würde.

Viele Wirkstoffe bauen sich zudem nur sehr langsam ab, sodass nachfolgend angebaute Pflanzen sie aufnehmen können. Nicht nur wer einen Gartenteich besitzt, muss sich außerdem darüber im Klaren sein, dass viele Produkte bei unsachgemäßer Ausbringung Wasserpflanzen, Fische oder andere Gewässerorganismen schädigen oder töten können. Durch plötzlich aufkommenden Wind, der den Sprühnebel verweht, Verdunstung, Abschwemmungen in Hanglagen oder schlicht durch Versickern können Herbizide selbst bei sachgemäßer Anwendung einen deutlich größeren Wirkungskreis erlangen als beabsichtigt. Besonders brisant sind die genannten Punkte, da in der Natur nie nur einzelne Pflanzen- oder Tierarten von einer Pflanzenschutzmaßnahme betroffen sind, sondern sich alles in Kreisläufen vollzieht. Direkten Kontakt mit der Spritzbrühe – und damit je nach Mittel mit sogenannten persistenten, also schwer abbaubaren, Wirkstoffen – haben in erster Linie Pflanzen und Insekten. Diese jedoch stehen erst am Anfang unterschiedlichster Nahrungsketten. Behandelte Pflanzen können, im Ganzen oder in Teilen, zum Beispiel von Mäusen oder Schnecken gefressen werden. Die Mäuse wiederum werden möglicherweise von Katzen erbeutet, die Schnecken von Igeln, Singvögeln oder im Freiland gehaltenen Hühnern. Auch Insekten, die überall im Garten präsent sind, bekommen beim Besprühen von Pflanzen zwangsläufig eine Portion ab – und damit auch alle Tiere, die sich von diesen Insekten ernähren, und wiederum anderen Tierarten als Beute dienen. Je weiter oben ein Tier in der Nahrungskette steht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mit der Zeit größere Mengen verschiedener Wirkstoffe aufnimmt.

Verschiedene Potenzielle Umweltwirkungen chemischer Pflanzenschutzmittel
Potenzielle Umweltwirkungen chemischer Pflanzenschutzmittel
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016
 

Problematik von Herbizidanwendungen am Beispiel Glyphosat

Glyphosat ist der bekannteste Wirkstoff einiger Totalherbizide – also von Herbiziden, die gegen alle Pflanzen wirken, egal ob ein- oder zweikeimblättrig, ob in den Garten eingewandert oder bewusst gepflanzt. Glyphosat steht im Zentrum einer langjährigen Diskussion. Der reine Wirkstoff ist weniger toxisch als einige andere für den Haus- und Kleingartenbereich zugelassene Wirkstoffe. Aber: Wie die meisten Herbizide enthalten auch glyphosathaltige Produkte keinen reinen Wirkstoff. Vielmehr handelt es sich meist um Gemische eines oder mehrerer Wirkstoffe mit sogenannten Formulierungsstoffen. Formulierungsstoffe sollen die Eigenschaften des Produkts verbessern, indem das Herbizid beispielsweise besser an Blättern haftet oder schneller in die Pflanze eindringt. Eben durch die Mischung mit anderen Substanzen können Produkte mit einem an sich vergleichsweise wenig bedenklichen Wirkstoff deutlich negativere Umwelt- und/oder Gesundheitseigenschaften erhalten. Zwar werden nur Mittel zugelassen, deren Umweltrisiken vertretbar sind, aber dies heißt nicht, dass es keine Risiken gibt. Daher sind chemiefreie Alternativen oder Mittel mit besonders geringem Risiko zu bevorzugen. Glyphosat beziehungsweise seine Abbauprodukte bauen sich sehr langsam ab und können sich dadurch im Boden und in Gewässern anreichern. Da glyphosathaltige Mittel und andere Totalherbizide im Hobbygartenbereich verbotenerweise vor allem zur Wildkrautbekämpfung auf befestigten oder versiegelten Flächen verwendet werden, gelangen verhältnismäßig große Mengen in den Wasserkreislauf.

 

Als Notfallmaßnahme geeignete Herbizide

Wie in den vorherigen Abschnitten beschrieben, gibt es viele erfolgversprechende Möglichkeiten,  Wildkrautaufwuchs vorzubeugen oder mit mechanischen Mitteln beizukommen. Sollte es im Einzelfall dennoch unerlässlich scheinen, zu chemischen Produkten zu greifen, sollten Sie nach möglichst umweltverträglichen Produkten suchen. Als verhältnismäßig umweltverträglich bieten sich zum Beispiel Produkte an, die allein folgende Wirkstoffe enthalten:

  • Essigsäure
  • Pelargonsäure

Diese natürlichen Wirkstoffe haben eine breite Wirkung und entfalten diese innerhalb eines halben Tages. Sie sind jedoch in Bezug auf ihre Umwelteigenschaften deutlich empfehlenswerter als die meisten anderen Herbizide – beispielsweise wesentlich weniger giftig für Fischnährtiere. Optimal sind Produkte, in denen der jeweilige Wirkstoff als Monoformulierung vorliegt, also keine weiteren Wirkstoffe außer einem der genannten zugesetzt sind. Es gilt jedoch auch für diese Wirkstoffe:

Der Einsatz von Herbiziden auf befestigten oder versiegelten Flächen ist grundsätzlich verboten! Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen bis zu 50.000 Euro geahndet. Grundsätzlich verboten – sowohl auf gärtnerischen wie auf befestigten oder versiegelten Flächen – ist auch die Anwendung von Hausmitteln wie Essig und Salz. Das Pflanzenschutzgesetz untersagt ausdrücklich den Einsatz von Präparaten, die nicht offiziell als Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, aber dazu geeignet sind, andere Organismen zu schädigen. Dies ist keine Schikane des Gesetzgebers, sondern liegt darin begründet, dass Hausmittel meist gefährlicher sind und mehr umweltschädliche Nebenwirkungen haben, als von den Anwendern vermutet.

Umwelt-Checkliste für chemischen Pflanzenschutz im Hobbygarten mit einem bärtigen Mann mit Brille und Hut, der die Rosen schneidet im Hintergrund
Umwelt-Checkliste für chemischen Pflanzenschutz im Hobbygarten
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016