In naturnah gestalteten Gärten mit einer großen Artenvielfalt an Pflanzen und vielen Versteckmöglichkeiten für Nützlinge stellt sich in der Regel rasch ein Gleichgewicht zwischen "Schädlingen" wie der Blattlaus und "Nützlingen" wie dem Marienkäfer ein, sodass die Pflanzen keinen übermäßigen Schaden nehmen. In die naturferne Umgebung eines Gewächshauses verirren sich hingegen meist nur wenige Nützlinge – obwohl sie hier mitunter das reinste Buffet vorfinden würden. Was Sie tun können: Inzwischen hat sich eine Reihe von Firmen auf die Vermehrung von Nützlingen spezialisiert, die ein schlagkräftiges Team gegen viele Schadinsekten bilden - und im Gegensatz zu vielen Pflanzenschutzmitteln auch versteckt sitzende Schädlinge bekämpfen. Gegen Blattläuse können Sie beispielsweise folgende Nützlinge einsetzen:
Larven der Florfliege (Chrysoperla carnea) gehen schon ab 12 Grad Celsius auf Beutefang und vertragen auch trockene Luft recht gut. Praktischerweise vertilgen sie nahezu alle im Gewächshaus anzutreffenden Schädlinge, neben diversen Blattlaus- und Wolllausarten beispielsweise auch Thripse und Spinnmilben. Allerdings verlassen die erwachsenen Tiere meist das Gewächshaus, weshalb regelmäßig wieder neue Larven eingesetzt werden müssen. Das geschieht am einfachsten über Pappkärtchen, an denen die Florfliegeneier kleben, oder über handliche Pappwaben, in denen sofort einsatzbereite Larven sitzen. Die Kärtchen oder Waben werden an die mit Schädlingen befallenen Pflanzen gehängt, sodass die Larven bequem ihren "Arbeitsplatz" einnehmen können. Fünf Kärtchen mit je 120 Florfliegeneiern sind ausreichend für 20 Quadratmeter Gewächshausfläche und kosten etwa 10 Euro, zehn Kärtchen gibt es für rund 15 Euro.
Raubwanzen der Arten Macrolophus caliginosus und Macrolophus pygmaeus und ihre hungrigen Larven fühlen sich auf den behaarten Stängel- und Blattoberflächen von Tomaten und Auberginen am wohlsten. Praktischerweise machen sie neben Blattläusen auch Weißen Fliegen, Thripsen und Spinnmilben den Garaus.
Schlupfwespen (Aphidius colemani, A. ervi) nutzen Blattläuse als lebende Speisekammer für ihren Nachwuchs: Die Weibchen legen ihre Eier in die Blattläuse, in deren Inneren die nach ein bis zwei Tagen schlüpfenden Larven fressen und sich verpuppen. Nach rund 15 Tagen schlüpfen die erwachsenen Schlupfwespen. Jedes einzelne Weibchen kann wiederum bis zu 200 Blattläuse anstechen. Schlupfwespen sind bereits ab 15 Grad Celsius aktiv. Im Handel werden in der Regel Röhrchen mit einer Mischung aus erwachsenen Schlupfwespen und Schlupfwespenpuppen angeboten, die in die Gemüse- oder Obstpflanzen gehängt werden. Bei Gehölzen kann es empfehlenswert sein, die Stämme zusätzlich mit Leimringen zu versehen, um Ameisen fernzuhalten. Ameisen schätzen die zuckerhaltigen Ausscheidungen der Blattläuse und würden sie daher gegen die Schlupfwespen verteidigen. Eine Packung mit 500 Puppen sowie mitunter einigen bereits geschlüpften Tieren ist für rund 20 Euro zu bekommen und ausreichend für eine Fläche von 250 Quadratmetern.
Marienkäfer und ihre Larven sind bekannte Blattlausfresser. Eine Larve vertilgt während ihrer ein- bis zweimonatigen Entwicklungszeit bis zu 400 Blattläuse, ein ausgewachsener Käfer im Lauf seines meist einjährigen Lebens bis zu 5.000 Blattläuse. Zur gezielten Blattlausbekämpfung wird gerne der Zweipunkt-Marienkäfer eingesetzt (Adalia bipunctata; 30 Larven kosten rund 10 Euro und reichen für etwa 10 Quadratmeter, 60 Larven sind für 15 Euro zu haben) aber auch der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata; 150 Eier reichen für zehn Quadratmeter und kosten etwa 12 Euro). Gegen Wollläuse können Sie mithilfe des Australischen Marienkäfers (Cryptolaemus montrouzieri) vorgehen (25 Larven reichen für etwa 25 Quadratmeter und sind ab 12 Euro erhältlich). Die Käfer und ihre Larven werden meist in Tütchen geliefert und über den Pflanzen ausgeklopft beziehungsweise in den Pflanzen aufgehängt. Sind sie für den Einsatz im Freiland bestimmt, sollten sie an einem trockenen und windstillen Tag freigesetzt werden.
Die Larven der räuberischen Gallmückenart Aphidoletes aphidimzya sind – möglichst sofort bei Befallsbeginn eingesetzt – ebenfalls effektive Blattlausvertilger und vermehren sich fleißig, solange sie ausreichend Beute finden. Sie können im Freiland und im Gewächshaus eingesetzt werden, benötigen allerdings eine hohe Luftfeuchte und sind nur aktiv, wenn sie mehr als 14 Stunden Licht pro Tag erhalten. Aufgrund dessen ist der Einsatz im Gewächshaus oft erfolgversprechender – hier herrscht meist ohnehin eine höhere Luftfeuchte und es kann gegebenenfalls Zusatzlicht gegeben werden. Der Packungsinhalt, bestehend aus Puppen und mitunter bereits geschlüpften Tieren, wird an mehreren schattigen, vor Gießwasser geschützten Stellen auf die leicht feuchte Erde geschüttet. 200 Puppen reichen für zehn Quadratmeter und kosten etwa 10 Euro.
Schwebfliegen (Episyrphus balteatus) werden aufgrund ihres gelb-schwarzen Streifenmusters oft mit Wespen verwechselt, sind aber deutlich kleiner und an ihrer zackigen Flugweise mit dem scheinbaren Stillstand in der Luft erkennbar. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Blütennektar und betätigen sich dabei als Bestäuber. Die Larven hingegen verleiben sich innerhalb von ein bis zwei Wochen je bis zu 1.000 Blattläuse und andere potenzielle Schädlinge wie Blutläuse und Spinnmilben ein und sind daher bei Gartenfans sehr beliebt. Sie gehören im Frühling zu den ersten aktiven Blattlausvertilgern, da sie die Futtersuche bereits ab 15 Grad Celsius aufnehmen. Für die gezielte Ansiedelung im Kleingewächshaus sind die zuvor beschriebenen Nützlinge besser geeignet als Schwebfliegen. Die Schwebfliegen finden aber mitunter von selbst ihren Weg ins Gewächshaus, wenn dieses zum Lüften offensteht, und gehören im Freiland zu den effektivsten Blattlausvertilgern – ein guter Grund, um auf chemische Pflanzenschutzmittel zu verzichten, denn darauf reagieren die faszinierenden Tiere überaus empfindlich.