In unseren Breiten kommen mittlerweile zwei Kirschfruchtfliegenarten vor, die Europäische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) und die Amerikanische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cingulata). Sie werden etwa vier Millimeter groß und sind schwarz-gelb gefärbt. Kirschfruchtfliegen legen ihre Eier in die heranreifenden Kirschen und zwar bevorzugt, wenn deren Farbe von grün zu gelb umschlägt. Insbesondere bei starkem Befall werden auch reifere Früchte nicht verschmäht. Die aus den Eiern schlüpfenden Maden fressen in den Kirschen, dadurch faulen diese und fallen häufig bereits frühzeitig zu Boden. Die Maden verpuppen sich im Boden und überwintern dort, um sich im nächsten Frühjahr zur nächsten Generation der Fruchtfliegen weiterzuentwickeln. Süßkirschen sind mit Abstand am häufigsten betroffen, Sauerkirschen verhältnismäßig selten. Wer den Kirschfruchtfliegen ganz ohne Aufwand ein Schnippchen schlagen will, baut frühreifende Süßkirschen an, zum Beispiel 'Burlat', 'Souvenir des Charmes', 'Celeste', 'Frühe Maikirsche' oder 'Kassins Frühe Herzkirsche'. Bei ihnen findet der Farbwechsel von grün zu gelb bereits statt, ehe die ersten Fruchtfliegen geschlüpft sind, daher bleiben sie meist verschont.
Ob sich überhaupt Kirschfruchtfliegen für Ihre Kirschbäume interessieren, können Sie mithilfe von Gelbtafeln feststellen, die in die Baumkronen gehängt werden, sobald die ersten Kirschen einen zarten Gelbton zeigen. Aufgrund ihrer Vorliebe für die Farbe Gelb lassen sich die Fruchtfliegen auf den Leimfallen nieder und bleiben kleben. Manche Hersteller versehen ihre Gelbtafeln zusätzlich mit einem speziellen Lockstoff, der die Fangwirkung noch verstärkt. Leider können die Gelbtafeln im Fall der Kirschfruchtfliegen einen Befall nur mäßig mindern. Chemische Pflanzenschutzmittel gegen die Fliegen sind im Hobbygarten nicht zugelassen.
Insbesondere bei kleineren Bäumen lassen sich Kirschfruchtfliegen mithilfe von Kulturschutznetzen recht gut in den Griff bekommen. Dabei haben Sie zwei Möglichkeiten. Zum einen können Sie die Baumkrone mit einem Netz mit einer Maschenweite von maximal 1,4 x 1,4 Millimetern umspannen, um die erwachsenen Fliegen von der Eiablage abzuhalten. Noch besser ist eine Maschenweite von maximal 0,8 x 0,8 Millimetern, da dann auch die kleinere Kirschessigfliege ferngehalten wird. In jedem Fall haben durch das Einnetzen auch Stare und andere Vögel mit Appetit auf Kirschen das Nachsehen. Achten Sie auf UV-lichtbeständiges Material, andernfalls halten die Netze oft nur drei Jahre. Wichtig: Netze bieten nur dann sicheren Schutz, wenn sie vollständig dicht abschließen, also sorgfältig im Boden verankert sind oder bei Obstbäumen unter der Baumkrone zusammengebunden werden. Für kleinkronige Gehölze sind im Handel vorgefertigte Netze mit seitlichem Reißverschluss erhältlich, die sich mithilfe einer Kordel leicht schließen und unterhalb der Krone zusammenbinden lassen. Sie kosten je nach Maschenweite zwischen 50 und 60 Euro pro Stück. Tipp: Da durch ein Netz auch blattlausvertilgende Nützlinge keinen Zugang zum Baum finden, können Sie vorher einige Marienkäfer einsammeln und in den Baum setzen.
Als Alternative zum Einnetzen des Gehölzes können Sie den Boden unterhalb des Kirschbaums mit einem Netz mit einer Maschenweite von 0,8 x 0,8 Millimetern bedecken – am besten bereits Ende Mai, da sich dann um diese Zeit mitunter schon die ersten Larven zu Boden fallen lassen, um sich in der Erde zu verpuppen. Durch die Bodenabdeckung sinkt der Befall im nächsten Jahr rapide. Nicht für jeden praktikabel, aber ebenfalls sehr effektiv: Hühnerhaltung. Für Hühner sind die im Boden eingegrabenen Puppen der Kirschfruchtfliegen eine echte Delikatesse. Daher scharren sie eifrig in der Erde, um möglichst viele herauszupicken. Voraussetzung für eine artgerechte Haltung sind natürlich ausreichend Platz und gute Fachkenntnisse.
In jedem Fall wichtig: Lassen Sie keine Kirschen im Baum hängen und sammeln Sie abgefallene Früchte möglichst rasch auf, um befallene Kirschen über den Kompost oder den Haus- oder Biomüll entsorgen zu können.