Zufußgehen ist ein Grundbedürfnis des Menschen – es bedeutet Freiheit, Unabhängigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Gehen ist die natürlichste und ursprünglichste Art sich fortzubewegen. Jeder Mensch ist daher Fußgängerin oder Fußgänger, sofern seine körperliche Beweglichkeit nicht eingeschränkt ist. Gehende können sich nahezu auf allen Flächen und auch auf engem Raum bewegen. Bei einer fahrzeugorientierten Stadt- und Verkehrsplanung wird der Fußverkehr daher leicht als Restgröße betrachtet und durch die Platzansprüche des motorisierten Verkehrs, des ruhenden Verkehrs (parkende Fahrzeuge), des Radverkehrs durch Schilder und Sondernutzungen auf Gehwegen bedrängt.
Beim Gehen nimmt man seine Umgebung besonders intensiv wahr. Städtebauliche Gegebenheiten, die Attraktivität und Vielfalt der Erdgeschossbereiche sowie die Umweltbedingungen wie Geräusche und Gerüche sind für zu Fuß Gehende in besonders entscheidend. Wo Menschen sich durch abweisende Architektur, fensterlose, eintönige Erdgeschossfassaden, fehlendes Grün, Lärm und Abgase nicht wohl fühlen, vermeiden sie das Entlanggehen und den Aufenthalt. Ist ein Stadtraum durch diese Defizite geprägt, schwindet das Leben aus den Straßen. Fußverkehrsförderung muss daher an der Belebung des öffentlichen Raums ansetzen durch kurze Wege, attraktive Architektur mit vertikalen Strukturen, Anregungen auf Augenhöhe, Pflanzen, Sicherheit, einladende Aufenthaltsgelegenheiten sowie Reduzierung von Lärm und Luftschadstoffen. Zu Fuß Gehende sind im Straßenverkehr besonders verletzlich, zudem sind gerade Kinder und Ältere viel zu Fuß unterwegs. Es ist deshalb wichtig, dass die Infrastruktur und die Verkehrsführung für zu Fuß Gehende sicher gestaltet wird.
Die Anzahl der Wege und die Streckenlänge, die wir zu Fuß zurücklegen, werden häufig unterschätzt. Bei Erhebungen bleiben Fußwege, die mit Verkehrsmitteln kombiniert werden, meist unberücksichtigt. Eine realistische Erfassung von Fußverkehrsdaten ist deshalb eine wichtige Grundlage, um ein Bewusstsein für die tatsächliche Bedeutung des Fußverkehrs zu schaffen und für seine Berücksichtigung in der Verkehrsplanung und Stadtentwicklung zu sorgen.
83 % der befragten Menschen in Deutschland gehen gern zu Fuß. Sie gehen im Vergleich zum Jahr 2002 zwar weniger Wege, aber längere Strecken am Tag. Dies geht aus "Mobilität in Deutschland - Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr" von 2019 hervor. Viele Wege sind für das Zufußgehen gut geeignet, zum Beispiel sind 11 % der Wege kürzer als ein Kilometer (MiD 2017). Lücken im Fußwegenetz, städtebauliche Defizite, Luftverschmutzung, Lärm und Unfallgefahren verhindern jedoch oft, dass dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann.
Das Umweltbundesamt lässt Möglichkeiten der Stärkung des Fußverkehrs erforschen, in Modellvorhaben erproben und unterstützt Verbände bei der Fußverkehrsförderung. Hierzu zählen das Projekt "Aktive Mobilität: Mehr Lebensqualität in Ballungsräumen" und Modellprojekte der Straßenraumgestaltung.