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Problem Flächenausweisung

Das Problem der überhöhten Flächenausweisung und ineffizienten Flächennutzung können die Städte und Gemeinden nicht alleine lösen. Die Kommunen stecken in einem harten Standortwettbewerb und sind Teil eines föderalen Systems, welches sie nicht alleine verändern können. Die im Folgenden dargestellten Punkte zeigen auf, dass hinter den Fehlentwicklungen falsche Anreize stecken. Dagegen helfen nur grundlegende Reformen, die an zwei Stellen ansetzen müssen: an den ökonomischen Rahmenbedingungen und an der Transparenz und Aufteilung der Kosten neuer Ansiedlungen. Das Instrument des Flächenhandels setzt genau an diesen beiden Punkten an.

Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche

* Die Flächenerhebung beruht auf der Auswertung der Liegenschaftskataster der Länder. Aufgrund von Umstellungsarbeiten in den Katastern (Umschlüsselung der Nutzungsarten im Zuge der Digitalisierung) ist die Darstellung der Flächenzunahme ab 2004 verzerrt. Neben den regulären Ergebnissen des Jahres 2023 und deren gleitendem Vierjahresdurchschnitt (2020 bis 2023) wurden die Ergebnisse der Jahre 2020 bis 2022 und deren gleitende Vierjahresdurchschnitte außerplanmäßig revidiert. Mehr dazu unter: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_286_412.html.
** Ziele 2030: "unter 30 Hektar pro Tag" in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, Neuauflage 2016"; "20 Hektar pro Tag" im Integrierten Umweltprogramm 2030.
*** Ab 2016 entfällt aufgrund der Umstellung von automatisierten Liegenschaftsbuch (ALB) auf das automatisierte Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS) die Unterscheidung zwischen "Gebäude- und Freifläche" sowie "Betriebsfläche ohne Abbauland". Dadurch ist derzeit der Zeitvergleich beeinträchtigt und die Berechnung von Veränderungen wird erschwert. Die nach der Umstellung ermittelte Siedlungs- und Verkehrsfläche enthält weitgehend dieselben Nutzungsarten wie zuvor. Weitere Informationen unter www.bmu.de/WS2220#c10929.

Quelle:

Werte aus Statistisches Bundesamt 2025, Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche (gleitender Vierjahresdurchschnitt) und Anstieg der Unterarten der Siedlungs- und Verkehrsfläche (Jahreswerte)

Downloads:

Die Kernprobleme der Flächennutzung – Warum wir handeln müssen ?

Das Ausweisungsdilemma – Warum das Ausweisen von Flächen alternativlos erscheint

Versetzen Sie sich in die Lage einer Bürgermeisterin oder eines Bürgermeisters. Ihre Nachbargemeinde weist seit Jahren immer wieder attraktive neue Wohnquartiere aus, in denen sich neue Familien gerne niederlassen. Was werden Sie tun? Natürlich werden Sie dem Treiben nicht tatenlos zusehen und ebenfalls versuchen mit neuen Baugebieten neue Bewohner anzuziehen. Schließlich sichert das zusätzliche Steuereinnahmen. Womöglich trifft aber auch folgende Situation zu: Ihre Nachbargemeinde verhält sich auf dem Baulandmarkt überaus passiv und hat seit Jahren keine neuen Flächen für neue Häuser mehr geplant. Wie reagieren sie? Sie werden wahrscheinlich trotzdem Neubaugebiete ausweisen, um sich den Zuzug neuer Bewohner zu sichern.
Die Städte und Gemeinden stecken also in einem Dilemma ähnlich wie die Verbrecher im berühmten Gefangenendilemma, die verhaftet wurden und darüber entscheiden müssen, ob sie gestehen oder nicht. Die grundlegende Erkenntnis der aus diesem Fall abgeleiteten Theorie besagt, dass Teilnehmer in einem solchen Dilemma zwar für sich persönlich die beste Entscheidung treffen, die Entscheidungen in der Summe aber zu einem gesamtwirtschaftlich suboptimalen Ergebnis führt. Für alle Kommunen zusammengenommen wäre es insgesamt besser nicht auszuweisen. Allerdings ist es aus Sicht der einzelnen Kommunen sinnvoll ein neues Baugebiet auszuweisen unabhängig von der Entscheidung der anderen Städte und Gemeinden.
Das Dilemma stellt so lange kein Problem dar, wie die Wirtschaft in einer Region wächst und die Einwohnerzahl unterm Strich zunimmt. Das Streben, Einwohner und Unternehmen zu halten und weitere anzuziehen ist dann ein durchaus gesunder Wettbewerb. Kritisch wird die Situation, wenn die Bevölkerung schrumpft. Dann finden neu ausgewiesene Baugebiete keine Abnehmer, während gleichzeitig in den Ortskernen Gebäude leer stehen und Grundstücke brach liegen.
In schrumpfenden Regionen herrscht demgemäß vielerorts ein ruinöser Wettbewerb um Einwohner und Unternehmen. Die Kommunen sehen sich gezwungen attraktives Bauland anzubieten. Da die meisten auf die gleiche Strategie setzen, finden sich kaum Interessenten, so dass viele ihre Baulandpreise gegenüber ihren Mitbewerbern senken müssen. Die Folge: Überkapazitäten und Dumpingpreise. Die Städte und Gemeinden zahlen am Ende drauf, statt fiskalische Erträge zu erzielen.

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Kurzlink: www.umweltbundesamt.de/n61730de