Erste touristische Reisen in die Antarktis erfolgten Ende der 1950er Jahre von Argentinien aus. 1958 besuchten zum ersten Mal zahlende Gäste gemeinsam mit Forschenden die südlichen Shetlandinseln. Der schwedisch-amerikanische Reiseunternehmer und Entdecker Lars-Eric Lindblad entwickelte 1966 das so genannte „Lindblad-Modell“, das auch heute noch angewendet wird: Er organisierte die ersten Kreuzfahrten in die Antarktis, bei denen die Besucher anstelle eines Animationsprogramms Informationen und Vorträge von Fachleuten geboten bekamen. Sein 1969 gebautes Schiff, die „Lindblad Explorer“ war eines der ersten Kreuzfahrtschiffe, die speziell für Fahrten in polare Gebiete gebaut wurde. Auch die typischen Anlandungen mit kleinen Schlauchboten gehen auf Lindblad zurück. Seit dieser Zeit finden regelmäßig touristische Unternehmungen in der Antarktis statt.
1991 wurde der Internationale Verband der Antarktis-Reiseveranstalter (International Association of Antarctica Tour Operators, IAATO) gegründet, um einen sicheren und umweltverträglichen Tourismus in der Antarktis zu fördern und zu gewährleisten. Die IAATO setzt sich heute aus mehr als 100 Mitgliedern zusammen, die sich freiwillig dazu bereit erklären, die Richtlinien dieser internationalen Vereinigung zum Schutz und zum Erhalt der Antarktis zu befolgen und zu unterstützen.
Die Möglichkeiten sind vielseitig und doch eingeschränkt
Der antarktische Tourismus findet im Südsommer (November bis März) überwiegend in den Gewässern der Antarktischen Halbinsel statt. Dieses Gebiet ist während der Sommermonate weitgehend eisfrei, so dass die Möglichkeit besteht, an bestimmten Stellen, die Besucherinnen und Besucher mit Schlauchbooten (Zodiacs) anzulanden. Die Anlandungen finden meistens an Orten statt, die gut erreichbar sind und den Besuchenden besondere Attraktionen wie Tiere, Pflanzen, heiße Quellen, Gletscher oder Relikte aus der Zeit der Walfänger bieten. Demzufolge sind diese Plätze stark frequentiert, was an vielen Stellen bereits sichtbare Spuren auf das jeweilige Ökosystem hinterlässt. Etwa 50 bis 60 Kreuzfahrtschiffe und Yachten besuchen regelmäßig die Antarktis. Derzeit fahren regelmäßig drei bis vier Kreuzfahrtschiffe und zwei Yachten unter deutscher Verantwortung, deren maximale Passagierkapazitäten zwischen 10 und 500 Personen liegen. Bei Antarktisfahrten werden die Maximalkapazitäten jedoch meist nicht ausgenutzt. Die wichtigsten Ausgangshäfen sind Ushuaia oder Buenos Aires in Argentinien, Punta Arenas in Chile und Port Stanley auf den Falkland Inseln, die zu Großbritannien gehören.
Seit Beginn des Antarktistourismus hat die Zahl der Touristinnen und Touristen, die an einem der ungefähr 200 Anlandungsplätze in der Antarktis an Land gingen, erheblich zugenommen. Lag sie in der Saison 1992/1993 bei etwa 6.700 Personen, waren es in der bis Saison 2019/2020 bereits nahezu 80.000, das heißt diese Zahl hat sich innerhalb von fünfzehn Jahren mehr als verzehnfacht. Durch die weltweite Wirtschaftskrise und das Inkrafttre¬ten der neuen IMO-Be¬schlüsse zum Transport und zur Bunkerung von Schweröl erlebte der Antarktistourismus einen kurzfristigen Rückgang in den Jahren 2008 bis 2011. Die Besucherzahlen sanken zu dieser Zeit auf ca. 26.500 Personen, die den Antarktischen Kontinent oder seine vorgelagerten Inseln besuchten. Innerhalb der folgenden Jahre stiegen die Besucherzahlen jedoch wieder merklich an. Bedingt durch die Corona-Pandemie kam es in der Saison 2020/2021 zu einem völligen Erliegen des Kreuzfahrttourismus. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Branche sich – wie auch nach den Einbrüchen nach 2008 – schnell wieder erholen wird und die Tourismuszahlen weiter ansteigen werden.
In jeder Saison kommen die meisten Antarktistouristen aus den Vereinigten Staaten, China und Australien, gefolgt von Großbritannien und Deutschland auf dem 5. Platz. Weitere Informationen und Zahlen zum Tourismus finden Sie auf der Internetseite der IAATO.