Maßnahmen in der Seefischerei
Nachhaltige Fischereiwirtschaft: Eine nachhaltige Ausrichtung der Seefischerei sowie die Umsetzung von Schutzmaßnahmen können vom Klimawandel betroffene Meeresökosysteme entlasten und deren ?Resilienz? erhöhen. Zukünftige Klimaveränderungen sollten daher bereits heute bei den Fangquoten und Zielfischarten berücksichtigt werden. Maßnahmen wie die Einführung von Fischschonzeiten (z. B. in Jahren, in denen Fischbestände unter extremen Wassertemperaturen leiden), die Einrichtung zusätzlicher Meeresschutzgebiete, kleinere Fangflotten und selektivere Fangmethoden sind erforderlich, damit sich Fischbestände wieder erholen können. Vorgegebene Maschengrößen bei Fischnetzen tragen dazu bei, dass Jungtiere und Arten, die gar nicht gefangen werden sollen, vor der unbeabsichtigten Entnahme aus dem Gewässer geschützt werden. Regeln in der EU-Fischereipolitik bezüglich Beifang oder Fischereiüberwachung unterstützen diese Entwicklung. Beifänge kommerziell genutzter Fischarten dürfen seit 2019 nicht mehr zurück ins Meer geworfen werden, wobei für bestimmte Arten Ausnahmeregelungen möglich sind. Durch die Förderung der Modernisierung kleinerer Fischereifahrzeuge sollen Störungen im marinen Lebensraum verringert werden. Eine effektivere Überwachung der Fischerei sowie die Schaffung abschreckender Strafmaßnahmen bei Verstößen sind vorgesehen.
Schutz und Pflege von Lebensräumen: Der Schutz der Lebensräume in Nord- und Ostsee ist ein wichtiges Ziel, um die Reproduktionsfähigkeit aller dort natürlich vorkommenden Arten zu erhalten. Damit kann einhergehen, dass die Reproduktionsfähigkeit der kommerziell genutzten Fischpopulationen verbessert und die Pufferfähigkeit gegen mögliche Klimaänderungen erhöht werden. Genetisch vielfältige Populationen und artenreiche Ökosysteme haben ein größeres Potenzial, sich dem Klimawandel anzupassen. Gesunde Bestände mit großer Population können zudem besser auf Populationsverschiebungen und Veränderungen der Ökosystemstrukturen reagieren. Mit der Umsetzung der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) sowie der Nationalen Strategie zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz der Meere (Nationale Meeresstrategie) hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, einen guten Zustand der Meeresumwelt in Nord- und Ostsee zu bewahren oder zu erzielen.
Monitoring und Forschung: Die Veränderung des marinen Fischfangpotentials in höheren Breiten schafft zunächst auch neue Chancen für die Fischerei. Um daran teilzuhaben, müsste das Fischereimanagement derartige Möglichkeiten rechtzeitig in die Bestandsbewirtschaftung einbeziehen und die Kapazitätsanpassung der Flotte angehen. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fischerei lassen sich noch nicht quantitativ prognostizieren. Hierzu bedarf es noch eines erheblichen Forschungsaufwands, auch um konkrete Handlungsoptionen abzuleiten. Teil dessen ist eine genaue Beobachtung (Monitoring) räumlicher und zeitlicher Verschiebungen von Fischbeständen und Änderungen der Artengemeinschaften. Eine regelmäßige Aufbereitung der für die nationale Fangstatistik relevanten Fischarten (z.B. Dorsch, Hering, Sprotte, Scholle, Lachs, Meerforelle) erlaubt, Bestandsparameter wie Häufigkeit (Abundanz), Biomasse und Altersstruktur sowie die Verbreitungsmuster der Fische zu bestimmen. Im Rahmen des „German Small-scale Bottom Trawl Survey“ (GSBTS) werden in festgelegten Gebieten der Nordsee jährlich standardisierte Fänge durchgeführt. Sie dienen dem Ziel, die natürliche Variabilität der Fangraten diverser Fischarten abzuschätzen und mittel- bis langfristige Veränderungen in den Fischgemeinschaften zu erfassen. Ein Echtzeit-?Monitoring? der Fänge könnte die Einrichtung von Schongebieten und -zeiten unterstützen. Saisonale und gebietsbezogene Einschränkungen für die Fischerei könnten so gut begründet werden. Die Fischereiforschung steht vor der Herausforderung, dass ihre Bestandsprognosen durch den Faktor Klimawandel um eine weitere komplexe Komponente erweitert werden. Die Forschung muss daher intensiviert werden und sich verstärkt den Anpassungserfordernissen der Fischerei zuwenden.
Erstellung nachhaltiger Bewirtschaftungspläne und Kontrolle: Auf Basis einer guten Datengrundlage ist es möglich, nachhaltige Bewirtschaftungs- und Wiederauffüllpläne für Fischbestände zu entwickeln, die deren klimabedingte Veränderungsprozesse und Anfälligkeiten adäquat berücksichtigen. Die Managementpläne sollten hierfür angepasste Fangquoten und Schonzeiten umfassen und auch Nichtzielarten berücksichtigen. Zusätzlich gilt es, klimabedingte Ausfälle einzubeziehen und in den Bewirtschaftungsplänen festzulegen, wann bei Bestandsrückgängen einzugreifen ist. Die Pläne sind kontinuierlich zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Behördliche Kontrollen auf nationaler und europäischer Ebene sind notwendig, um die Einhaltung der Fischereivorschriften zu gewährleisten, sowohl auf See als auch im Hafen. Zusätzlich ist es wichtig, die internationale Überwachung des Fischfangs und die Vergabe von Quoten für die Fischerei weiterzuentwickeln.
Anpassung der Seefischerei an neue Fischarten: Sollten sich neue Fischarten, wie beispielsweise die Sardelle mit dem fortschreitenden Anstieg der Wassertemperaturen weiter in deutschen Seegewässern etablieren, wäre eine Anpassung der deutschen Fischereiflotte an diese und andere einwandernde Arten sinnvoll. Das Um- beziehungsweise Aufrüsten der deutschen Flotte für den Sardellen-Fang ist je nach Fahrzeugart und Fangmethode unterschiedlich aufwändig. Für Fischereifahrzeuge, die schon jetzt pelagische Arten wie Hering oder Makrele fischen, würde das Umstellen auf Sardellen ohne großen Aufwand geschehen können. Eventuell müssen die Netze an die kleineren Arten angepasst werden. Für die Verwendung von Schiffen, die bisher Grundfischarten oder Garnelen gefangen haben, wäre die Umrüstung mit größerem Aufwand und höheren Kosten verbunden. Die übliche Flexibilität von Fischern bei der Suche nach neuen Fanggründen und anderen Arten kann ebenfalls als Anpassungsstrategie betrachtet werden.