Umgang mit schädlichen Nacktschnecken

Spanische Wegschnecke auf einem Salatblatt.zum Vergrößern anklicken
Spanische Wegschnecke
Quelle: Gina Sanders / Fotolia.com

FAQ

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Inhaltsverzeichnis

 

So wird der Garten schneckenfest

 

Gewusst wie

Manche Nacktschnecken verfügen über einen erstaunlichen Appetit. Entsprechend groß ist der Ärger, wenn sie im Schutze der Nacht über Staudenrabatten oder liebevoll gepäppelte Gemüsepflanzen herfallen. Zum Glück gibt es gleich ein ganzes Bündel an wirkungsvollen vorbeugenden Maßnahmen, um den unliebsamen Gästen Einhalt zu gebieten. Eine chemische Schneckenbekämpfung, bei der stets auch nützliche Schneckenarten oder andere Tiere geschädigt werden, ist dadurch in den allermeisten Fällen überflüssig.

 

Schneckenfeinde fördern

Nur wenige der rund 400 in unseren Breiten anzutreffenden Landschneckenarten richten im Hobbygarten nennenswerten Schaden an. Für ihren Appetit berühmt-berüchtigt sind vor allem die – nicht zugewanderte, sondern bei uns heimische – Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) sowie zwei weitere heimische Arten: die Gartenwegschnecke (Arion distinctus/A. hortensis) und die Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum). Andere Arten hingegen müssten eigentlich gern gesehen sein: Die Große Glanzschnecke (Oxychilus draparnaudi) und der Wurmschnegel (Boettgerilla pallens) fressen bereits abgestorbenes Pflanzenmaterial und Schneckeneier, darunter auch die von schädlichen Nacktschnecken . Zudem stehen Nacktschnecken auf der Speisekarte beliebter Gartenbesucher wie dem Igel ganz oben – wie Schnecken überhaupt einen wichtigen Platz in der Nahrungskette vieler Tiere einnehmen. Wo sich Nützlinge wie Igel, Eidechsen, Kröten und Vögel wohlfühlen, steht ein schlagkräftiges Team zur Schneckenabwehr bereit. Optimale Bedingungen schaffen Sie mit einer naturnahen Gartengestaltung mit Totholz- und Blätterhaufen, gemischten Blüten- und Wildobsthecken, einer Trockenmauer oder einem kleinen Teich. In einer solchen Umgebung stellt sich ganz von alleine ein Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen ein. Wer es optisch aufgeräumter mag, kann den tierischen Helfern schon mit einem Igelhaus und dem Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel das Leben etwas erleichtern.

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Jungpflanzen einen Vorsprung vor den Schnecken verschaffen

Manche Nacktschnecken haben eine Schwäche für frisches Grün. Jungpflanzen sind besonders zart und daher auch besonders gefährdet. Schneckenkragen aus Kunststoff schützen beispielsweise Sonnenblumen solange vor den gefräßigen Weichtieren, bis ihre Blätter deutlich härter und damit aus Schneckensicht uninteressant geworden sind. Zu diesem Zweck können Sie auch Jungpflanzen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vorziehen.

 

Schwächen der Nacktschnecken ausnutzen

Ein wunder Punkt aller Schnecken: Sie sind auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen, um ans Ziel zu kommen – ein Grund, weshalb sie vorwiegend nachts oder bei feuchten Witterungsbedingungen unterwegs sind. Entsprechend empfiehlt es sich, Beete in schneckenreichen Gebieten möglichst sonnig anzulegen und Pflanzen möglichst nur punktuell und am besten morgens zu gießen – letzteres beugt gleichzeitig Pilzkrankheiten vor. Zusätzlich können Sie raue, austrocknend wirkende Materialien wie Sand oder Sägespäne um zu schützende Pflanzen streuen. Dadurch zwingen Sie die Weichtiere, besonders viel Schleim zu bilden, und erschweren ihnen somit das Vorankommen. Insbesondere nach einem Regenguss und bei anhaltend feuchter Witterung sollten die Begrenzungen kontrolliert und gegebenenfalls erneuert werden. Asche kann Schwermetalle enthalten und sollte daher nicht als Streugut eingesetzt werden. Selbst für schnelle Schnecken unerreichbar: Pflanzen in Hängeampeln. Auch in hohen oder erhöht platzierten Gefäßen sind wertvolle Pflanzenschätze in den meisten Fällen sicher.

 

Barrieren gegen Nacktschnecken errichten

Die zarten Blätter von Salat oder saftige Kohlpflanzen schützen Sie mit einem Schneckenzaun dauerhaft vor hungrigen Schneckenmündern. Der nach außen gebogene Rand hindert Schnecken daran, in Beete einzuwandern. Da überhängende Blätter den Weichtieren als Brücken dienen können, sollten Sie umstehende Pflanzen kurz halten. Einen doppelten Effekt können Schneckenkragen aus Kupfer und Zäune aus Kupferdraht haben: In wissenschaftlichen Versuchen mit der Schwarze Wegschnecke (Arion ater) stieg die Schleimproduktion stark an, sobald die Schnecken mit ihrer Unterseite das Metall berührten. Die Schnecken mieden den Kontakt mit dem Kupfer, vermutlich, um ein Austrocknen zu verhindern. Für die Schneckenarten, die im Garten die größten Schäden verursachen, ist eine Wirkung allerdings nicht explizit nachgewiesen. Es ist gut möglich, das besonders robuste Arten wie die Spanische Wegschnecke, die zudem ohnehin mehr Schleim produziert als vergleichbare Arten, Kupferbarrieren dennoch überwinden. Gut zu wissen: Kupfer  ist grundsätzlich kritisch, da hohe Konzentrationen des Schwermetalls in der Erde zahlreiche Bodenorganismen schädigen können, darunter auch Regenwurmarten. Außerdem wird es im Boden nicht abgebaut. Die geringen Bodeneinträge, die durch einen Schneckenzaun zu erwarten sind, können jedoch vernachlässigt werden. Alternativ können die Barrieren oder Pflanzgefäße einige Zentimeter über dem Boden etwa 10 cm breit mit Schnexagon eingestrichen werden - die Schnecken können an dem Anstrich nicht haften und so die Barriere nicht überwinden.

 

Bierfallen gegen schädliche Nacktschnecken aufstellen

Schneckenzäune halten Einwanderer aus anderen Gartenteilen erfolgreich fern. Mit Sicherheit werden jedoch schon vor dem Aufstellen des Zauns Schnecken im Beet siedeln, insbesondere unterirdisch lebende Arten. Bierfallen, die alle zwei Tage neu mit Bier befüllt werden, können dazu beitragen, die eingezäunte Fläche schneckenfrei zu bekommen: Der Geruch lockt die Schnecken in die halbvollen, in den Boden eingegrabenen Becher, wo sie ertrinken. Allerdings nicht nur sie, auch Nützlinge wie Spinnen und Laufkäfer können in den Fallen zu Tode kommen. Lassen Sie die Becher ein bis zwei Finger breit aus dem Boden herausschauen, um den unerwünschten "Beifang" zumindest zu reduzieren. Übrigens: Bierfallen sind tatsächlich nur innerhalb eines Schneckenzauns sinnvoll, da sie in offenen Beeten zusätzliche Schnecken aus der Umgebung anlocken.

Eine Bierfalle im Gemüsebeet
Fingerbreit herausschauende Bierfalle innerhalb von Schneckenzaun
Quelle: Mascha Schacht
 

Gegen Nacktschnecken widerstandsfähige Pflanzen wählen

Eine ganze Reihe attraktiver Kräuter, Blüten- und Gemüsepflanzen wird von Schnecken nicht oder nur selten angerührt. Der Grund hierfür können behaarte oder besonders feste, ledrige Blätter sein oder aber ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe mit abschreckender Wirkung. Zu diesen widerstandsfähigen Pflanzen zählen zum Beispiel Bart-Nelken, Ringelblumen und Fingerhut, Gemüse wie Tomaten, Kartoffeln und Lauch. Auch Kräuter wie Rosmarin, Salbei und Thymian werden von Schnecken in der Regel gemieden (siehe auch Bildergalerie oder Tabelle).

Zierpflanzen gegen Schneckenprobleme
Diese Zierpflanzen kennen keine Schneckenprobleme.
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016
 

Optimal versorgte Pflanzen widerstehen Schnecken besser

Optimal versorgte Pflanzen bilden besonders festes Gewebe aus und widerstehen tierischen Schaderregern und Krankheiten besser als schwächliche Pflanzen. Zudem verkraften sie Schäden und Blattverluste besser. Eine ausgewogene Düngung ist daher grundsätzlich anzuraten. Darüber hinaus können Pflanzenstärkungsmittel Pflanzen einen kleinen Vorteil verschaffen.

 

Nacktschnecken den Appetit verderben

Gegen Schnecken sind Produkte auf Basis von Lebermoosextrakt erhältlich. Da Moose relativ zart sind, müssten sie auf der Beliebtheitsskala von Schnecken eigentlich ganz weit oben stehen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. In Studien wurde mit einem Extrakt des Lebermooses (Porella obtusata) besprühter Salat von den Weichtieren weitgehend ignoriert. Entsprechende Produkte basieren auf dieser Beobachtung. Auch Präparate auf Knoblauchbasis sollen Schnecken auf Abstand halten, müssen aber ebenfalls regelmäßig ausgebracht werden, damit der Schutzschild keine Lücken bekommt.

 

Klares Nein zu Kaffeesud und Salz gegen Schnecken

Selbst zusammengebraute Pflanzenschutzmittel wie Kaffee- oder Chili-Sud dürfen im Privatgarten nicht ausgebracht werden! Das Pflanzenschutzgesetz verbietet ausdrücklich den Einsatz von Präparaten, die nicht offiziell als Pflanzenschutzmittel zugelassen, aber dazu geeignet sind, andere Organismen zu schädigen. Aus gutem Grund: Viele Hausmittel werden von Hobbygärtnerinnen und -gärtnern fälschlicherweise als harmlos eingestuft, haben es aber in sich. Kaffee- und Chilibrühe beispielsweise töten nicht nur Schnecken, sondern können auch Nützlinge in Mitleidenschaft ziehen – und nebenbei auch oft die behandelten Pflanzen. Beim Kochen größerer Chilimengen kann ein stark reizendes Gas entstehen und somit sogar für den Anwendenden selbst gefährlich werden. Pflanzenstärkungsmittel  wie Brennnesselauszüge oder Knoblauchsud dürfen hingegen für den Einsatz im Hobbygarten hergestellt werden. Das Ausbringen von Salz zur Schneckenbekämpfung ist ebenfalls durch das Pflanzenschutzgesetz verboten. Das ist auch aus gärtnerischer Sicht sinnvoll: Salz kann Pflanzenwurzeln schädigen, Verdichtungen und Verkrustungen im Boden verursachen und dazu führen, dass sich statt Gemüsepflanzen auf einmal salzliebende Pflanzenarten im Beet wohlfühlen. Wird es versehentlich auf Blätter geworfen, können zudem Verbrennungen die Folge sein.

 

Fruchtfolge und Mischkultur beachten

Besonders im Gemüsegarten werden die Schnecken mitunter von Jahr zu Jahr mehr. Kein Wunder: Wo besonders viel schmackhaftes Essen in Aussicht steht, lässt man sich gerne häuslich nieder. Um dem entgegenzuwirken, hilft es oft schon, wenn beispielsweise der Kohl nicht jedes Jahr am gleichen Platz angebaut wird und/oder von robusteren Pflanzen umgeben ist. Positiver Nebeneffekt: Wer auf Fruchtfolge und Mischkultur setzt, beugt auch dem Befall mit anderen Schadorganismen und Krankheiten vor und nutzt die im Boden gespeicherten Nährstoffe besser aus. Somit werden Ernteverluste nicht nur minimiert, sondern die Erträge häufig sogar erhöht.

 

Schneckenfraß durch Bodenbearbeitung vorbeugen

Einige Nacktschnecken verkriechen sich tagsüber und im Winter im Boden. Bei angekündigtem Nachtfrost können Sie es diesen Arten vor allem in Gemüsebeeten richtig ungemütlich machen: Graben Sie den Boden um und zerkleinern die Schollen gründlich. Die aufgeschreckten Schnecken kriechen an die Oberfläche, wo sie anschließend dem Frost ausgesetzt sind. Auch unmittelbar vor einer geplanten Aussaat oder Pflanzung macht eine gründliche Bodenbearbeitung mit anschließendem Anwalzen oder Andrücken der Erde so mancher Schnecke den Garaus. Der bessere Kontakt zwischen Saatgut beziehungsweise Wurzelballen und umgebender Erde lässt die Samen außerdem schneller keimen und die Pflanzen rascher wachsen – umso früher werden sie groß und weniger empfindlich. Entdecken sie bei der Bodenbearbeitung Eigelege, sollten Sie diese zerdrücken oder über den Bio- oder Restmüll entsorgen. Ausgebrachter Kompost sowie Mulchmaterial ist übrigens als Eiablageplatz sehr beliebt. Daher verzichtet man in Gebieten mit hoher Schneckendichte besser aufs Mulchen. Kompost sollte zügig in den Boden eingearbeitet und dieser anschließend angedrückt werden.

Ansammlung von Schneckeneiern
Schneckeneier in einer Mulde
Quelle: David W. | www.wikimedia.org | Schneckeneier in einer Mulde | https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0
 

Selbst auf Schneckenjagd gehen

Keine besonders angenehme Angelegenheit, aber unbestritten effektiv ist das Absammeln der schleimigen Gartenbesucher. Dabei können Sie es sich zunutze machen, dass die Schnecken in der Morgendämmerung auf die Suche nach einem geeigneten Versteck gehen. Im Beet ausgelegte Holzbretter, Steine oder große Pflanzenblätter werden gerne als solche angenommen und erleichtern das Auffinden der Weichtiere. Wer Schnecken absammeln möchte, muss sich jedoch über Folgendes im Klaren sein: Schnecken sollten nicht an anderen Orten ausgesetzt werden, da sie dort möglicherweise eingespielte Ökosysteme durcheinanderbringen. Sie lebend in die Mülltonne zu geben, ist ebenfalls nicht empfehlenswert: Im Sommer ersticken sie in der aufgeheizten Tonne langsam und qualvoll; ist es kühler, kriechen sie selbst durch millimetergroße Öffnungen wieder aus der Tonne heraus. Im Hobbygarten werden Schnecken daher meist zerschnitten, überbrüht oder über Nacht eingefroren und anschließend über die Bio- oder Restmülltonne entsorgt. Achtung, Schneckenkadaver besser nicht auf den Komposthaufen geben, dort würden sie neue Schnecken anlocken, die die toten Artgenossen verspeisen.

 

Gezielt Schneckenräuber einsetzen

Hühner, Indische Laufenten und Khaki-Campbell-Enten haben Schnecken zum Fressen gern. Bedenken Sie aber, dass die Tiere artgerecht gehalten werden müssen, wozu im Fall der Enten beispielsweise ein Teich gehört. Eine artgerechte Haltung ist nur in einem ausreichend großen Garten und mit ausreichender Sachkenntnis möglich. Selbst für Gartenneulinge einfach und unproblematisch anzuwenden sind hingegen parasitäre Nematoden der Art Phasmarhabditis hermaphrodita. Diese winzigen Fadenwürmer sind für Menschen und Haustiere vollkommen ungefährlich, jagen jedoch aktiv nach Schnecken, um sich in ihrem Inneren zu vermehren. Das mag etwas unheimlich klingen, ist aber sicher, unkompliziert und gegen einige Schneckenarten sehr effektiv, insbesondere gegen Ackerschnecken der Gattung Deroceras. Sehr gute Ergebnisse können Sie in Kombination mit einem Schneckenzaun erzielen. Die Nematoden sind über den Fachhandel und über das Internet erhältlich. Eine Packung für 100 Quadratmeter kostet zwischen 30 und 35 Euro. Nach Erhalt werden die Nematoden in Wasser eingerührt und mit der Gießkanne auf dem Beet ausgebracht – abends oder bei bedecktem Himmel, da Nematoden empfindlich auf UV-Licht reagieren. Der Boden sollte vor dem Gießen bereits leicht feucht sein und die Temperatur über 12 Grad Celsius liegen.

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Schneckenkorn tötet auch harmlose und geschützte Arten

Unter dem Begriff Schneckenkorn werden granulatförmige Fraßköder verschiedener Hersteller und mit unterschiedlicher Umweltverträglichkeit zusammengefasst. Diese Köder führen nach der Aufnahme zum Tod der Tiere. Die meisten zugelassenen Produkte dürfen nur gegen Nacktschnecken eingesetzt werden, da sich Gehäuseschnecken in der Regel von bereits abgestorbenem und verrottendem Pflanzenmaterial ernähren. In der Wirkung machen die Produkte aber keinen Unterschied zwischen "gut" und "böse". Sie töten nicht nur schädliche Nacktschnecken, sondern auch die weit häufigeren Schneckenarten, die keine Schäden im Hobbygarten verursachen – aber für ein funktionierendes Ökosystem unverzichtbar sind. Selbst unter Naturschutz stehende Arten wie die Weinbergschnecke sind dadurch gefährdet. Wer Gehäuseschnecken schonen möchte, sollte daher auf Schneckenkorn verzichten. Darüber hinaus löst Schneckenkorn oftmals nicht die eigentlichen Ursachen einer Schneckenplage – zum Beispiel, dass natürliche Feinde im Garten keine Versteckmöglichkeiten finden.

 

Schneckenkorn mit Eisen-III-Phosphat als Notfallhilfe

Wer als akute Notfallhilfe zu Schneckenkorn greifen möchte, sollte im Fachhandel nach Produkten mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat fragen. Dieser ist aus gärtnerischer Sicht am empfehlenswertesten wie auch im Hinblick auf die Umweltauswirkungen am wenigsten schädlich. Schnecken, die das Granulat aufgenommen haben, stellen das Fressen rasch ein. Sie flüchten in Erdspalten und andere feuchte Verstecke, da der Wirkstoff unter anderem ihren Flüssigkeitshaushalt stört und sie auszutrocknen drohen. Anschließend werden sie bewegungsunfähig und sterben in ihrem Versteck – was das Aufsammeln der Kadaver erspart. Der Wirkstoff Eisen-III-Phosphat kommt bereits natürlicherweise im Boden vor und ist auch in zahlreichen Lebensmitteln enthalten. Im Boden wird Eisen-III-Phosphat von Mikroorganismen in die beiden Pflanzennährstoffe Eisen und Phosphat zerlegt und dient somit als Dünger. Die Düngewirkung ist allerdings aufgrund der geringen Menge nicht relevant. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft ist der Wirkstoff unschädlich für Vögel und Gewässerorganismen. 500 g Schneckenkorn mit Eisen-III-Phosphat kosten etwa sechs Euro je Packung.

 

Metaldehyd in Fraßködern gegen Schnecken kann Vögel schädigen

Weitaus kritischer als Eisen-III-Phosphat muss der Wirkstoff Metaldehyd betrachtet werden. Fressen Vögel oder Säugetiere Schnecken, die zuvor Schneckenkorn mit diesem Wirkstoff aufgenommen haben, können auch sie sich dadurch vergiften. Zudem enthalten Fraßköder meist Mehl oder ähnliche Substanzen mit Nährwert. Dadurch steigt die Gefahr, dass Vögel und Kleinsäuger direkt von dem Granulat fressen – insbesondere, wenn das alternative Futterangebot im Garten gering ist. Auf diese Weise können vor allem kleine Vögel unter Umständen eine Dosis Metaldehyd aufnehmen, an der unter Versuchsbedingungen im Zulassungsverfahren die Hälfte aller Tiere stirbt. Aus gärtnerischer Sicht nachteilig ist darüber hinaus, dass Metaldehyd einen deutlich späteren Fraßstopp verursacht als Eisen-III-Phosphat. Zudem verenden die Schnecken meist direkt im Beet und müssen anschließend entsorgt werden.

Umwelt-Checkliste für chemischen Pflanzenschutz im Hobbygarten mit einem bärtigen Mann mit Brille und Hut, der die Rosen schneidet im Hintergrund
Umwelt-Checkliste für chemischen Pflanzenschutz im Hobbygarten
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016
 

Methiocarb ist seit Herbst 2014 als Wirkstoff gegen Schnecken verboten

Bis Herbst 2014 war noch ein weiterer Wirkstoff namens Methiocarb zur Anwendung gegen Schnecken zugelassen. Seit dem 19. September 2014 dürfen Produkte zur Schneckenbekämpfung mit diesem Wirkstoff jedoch nicht mehr verkauft oder angewendet werden, noch vorhandene Reste müssen als Sondermüll bei den örtlichen Sammelstellen abgegeben werden. Die Gründe: In Kleinnagern konnten so hohe Konzentrationen von Methiocarb nachgewiesen werden, dass sich daraus ein Risiko für Eulen und Greifvögel ableiten ließ. Seit zudem in toten Wacholderdrosseln und Rotkehlchen Rückstände von Methiocarb nachgewiesen wurden, ist der Wirkstoff auf EU-Ebene nicht mehr gegen Schnecken zugelassen. Dieses Beispiel zeigt ein grundsätzliches Problem beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf: Um Umweltauswirkungen möglichst gering zu halten, müssen Wirkstoffe zwar eine Vielzahl von Tests durchlaufen, ehe sie eine Zulassung erhalten. Doch können diese Tests stets nur nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft durchgeführt werden, und dieser entwickelt sich ständig weiter.

Gehäuseschnecke auf einem Blatt
Nahaufnahme einer Schnecke (Pune Maharashtra, Indien)
Quelle: Cj. Samson | www.wikimedia.org | Macro photography of Snail taken on the hills of Torna Pune Maharashtra | https://en.wikipedia.org/wiki/en:public_domain
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