Software kann intakte Geräte schneller unbrauchbar machen
Immer mehr Haushalts- und Unterhaltungsgeräte sind mit dem Internet verbunden und werden durch Software gesteuert. Damit erhalten diese Geräte zusätzliche Funktionen, die die Hausarbeit unterstützen oder den Komfort erhöhen. So kann etwa Licht und Heizung ferngesteuert werden, der Fernseher neben dem linearen Programm auch Streaming anbieten und der Staubsauger selbständig die Wohnung reinigen. All diese Geräte haben eins gemeinsam, sie werden von Software gesteuert. Die Software hat großen Einfluss darauf, wie komfortabel und auch wie lange vernetzte Produkte genutzt werden können.
Wenn Software maßgeblich dazu beiträgt, dass eigentlich technisch intakte Geräte nicht mehr nutzbar sind, spricht die Wissenschaft von Software-Obsoleszenz. Das Kernproblem dabei ist, dass softwareabhängige Produkte permanenten Änderungen unterworfen sind, wie Fehlerbeseitigung oder Sicherheits- und Funktionsupdates. Ein weiteres Obsoleszenzrisiko besteht darin, dass Hersteller von vernetzten Produkten nicht in jedem Fall alle notwendigen Funktionalitäten des Produktes zur Verfügung stellen. Insbesondere dann nicht, wenn die Funktionsfähigkeit von einem Cloud-Service abhängt, beispielsweise eine Überwachungskamera, die die Videos auf einen Cloudspeicher überträgt. Ein Obsoleszenzrisiko besteht auch, wenn das vernetzte Produkte von einem anderen Produkt gesteuert wird, beispielsweise, wenn das Heizungsthermostat ausschließlich über ein Smartphone gesteuert wird. Die hierfür erforderliche Verbindung mit dem Internet oder anderen Geräten liegen nicht im Einflussbereich des Herstellers oder Inverkehrbringers der Produkte, sondern werden von unterschiedlichen Akteuren kontrolliert, wie Plattformbetreiber (wie App-Store) und anderen Dritten in der Softwarelieferkette wie Bereitsteller von Firmware für Chipsets oder Betriebssysteme. Diese Akteure*innen haben eine sehr marktbeherrschende Stellung.
Mangelnde Interoperabilität (funktionelles Zusammenwirken unterschiedlicher Systeme) und Kompatibilität, insbesondere zwischen verschiedenen Produktgenerationen und Standards, bilden ein besonders hohes Risiko für softwarebedingte Obsoleszenz von Hardware. Das bedeutet für Nutzer*innen, dass Nutzungskomfort und -dauer des erworbenen Produkts unabhängig des eigenen Einflusses beschränkt werden können.