Genuss pur: Steinobst aus eigenem Anbau

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Kirschblüte mit Schwebfliege

In naturnahen Gärten unterstützen zahlreiche Nützlinge Obstfans auf dem Weg zum Ernteerfolg. Schwebfliegen beispielsweise sind als Blattlausvertilger bekannt.

Quelle: wideworld / Fotolia.com

FAQ

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Inhaltsverzeichnis

 

Steinobst: Mit wenig Aufwand zum Ernteerfolg

  • Resistente und wenig anfällige Sorten sind das beste Mittel gegen Pilzkrankheiten.
  • Engmaschige Kulturschutznetze helfen gegen Kirschfruchtfliege und Kirschessigfliege.
  • Regelmäßige Kontrollen sind wichtig für eine erfolgreiche Bekämpfung.
  • Gegen viele Schädlinge und Krankheiten helfen nicht-chemische Maßnahmen zuverlässig.
 

Gewusst wie

Kirschen glänzen nicht nur wie frisch lackiert, ihnen haftet auch eine gewisse Extravaganz an. Sie werden nämlich tatsächlich noch überwiegend zur regionalen Erntezeit genossen – und wenn sie dann noch aus eigenem Anbau stammen, ist es wirklich ein ganz besonderer Genuss. Auch Pflaumen erfreuen sich unter Gartenfans großer Beliebtheit und insbesondere die wärmeliebenden Steinobstarten wie Pfirsiche, Nektarinen und Aprikosen werden oft liebevoll umsorgt, auf dass sie auch in kühleren Gegenden wachsen, blühen und fruchten mögen. Umso entschlossener verteidigen manche Gärtnerinnen und Gärtner ihre Obstgehölze gegen jegliche Tiere oder Krankheiten, die die erhoffte Ernte zunichtemachen oder auch nur im Geringsten schmälern könnten. Verständlich auf der einen Seite, doch oft sind die in der ersten Aufregung ergriffenen Maßnahmen drastischer als notwendig. Meist lassen sich unerwünschte tierische Besucher und Krankheiten nämlich mit geringem Aufwand schon im Vorfeld abblocken oder mit umweltfreundlichen Maßnahmen effektiv bekämpfen, beispielsweise durch widerstandsfähige Sorten oder Kulturschutznetze. Gerade beim Thema Pilzkrankheiten sollte aber auch eines bedacht werden: In klimatisch weniger begünstigten Regionen werden selbst robuste Sorten wärmeliebender Obstgehölze mit Problemen zu kämpfen haben. Hier gilt es daher abzuwägen, ob ein Anbau solcher Obstarten sinnvoll ist. Denn bei näherer Betrachtung sind Äpfel vielleicht gewöhnlicher als Kirschen oder Pfirsiche; ein gesundes Obstgehölz und ungespritzte Früchte bereiten aber sicherlich mehr Freude als Kirschen oder Pfirsiche von Bäumen, die regelmäßig chemisch behandelt werden müssen.

 

Tierische Schaderreger an Steinobstbäumen

Die wichtigsten Schädlinge an Süß- und Sauerkirschen sind Kirschfruchtfliegen und seit 2011 in zunehmendem Maße die Kirschessigfliege. Letztere befällt auch andere Steinobstarten, darüber hinaus vor allem Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren und Erdbeeren. Süß- und Sauerkirschen sowie Pflaumen können zudem von der Schlangenminiermotte und vom Kleinen Frostspanner befallen werden. An Pflaumen gehören der Pflaumenwickler  und die Pflaumensägewespe zu den häufigsten Schädlingen, zudem können Gallmilben auftreten.

Wie an Kernobst, so ist auch an allen Steinobstarten ein Befall mit Blatt-, Schild- und Blutläusen, und Obstbaumspinnmilben möglich. An den Gehölzwurzeln können sich zudem Wühlmäuse zu schaffen machen.

 

Netze oder Hühner helfen gegen Kirschfruchtfliegen

In unseren Breiten kommen mittlerweile zwei Kirschfruchtfliegenarten vor, die Europäische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) und die Amerikanische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cingulata). Sie werden etwa vier Millimeter groß und sind schwarz-gelb gefärbt. Kirschfruchtfliegen legen ihre Eier in die heranreifenden Kirschen und zwar bevorzugt, wenn deren Farbe von grün zu gelb umschlägt. Insbesondere bei starkem Befall werden auch reifere Früchte nicht verschmäht. Die aus den Eiern schlüpfenden Maden fressen in den Kirschen, dadurch faulen diese und fallen häufig bereits frühzeitig zu Boden. Die Maden verpuppen sich im Boden und überwintern dort, um sich im nächsten Frühjahr zur nächsten Generation der Fruchtfliegen weiterzuentwickeln. Süßkirschen sind mit Abstand am häufigsten betroffen, Sauerkirschen verhältnismäßig selten. Wer den Kirschfruchtfliegen ganz ohne Aufwand ein Schnippchen schlagen will, baut frühreifende Süßkirschen an, zum Beispiel 'Burlat', 'Souvenir des Charmes', 'Celeste', 'Frühe Maikirsche' oder 'Kassins Frühe Herzkirsche'. Bei ihnen findet der Farbwechsel von grün zu gelb bereits statt, ehe die ersten Fruchtfliegen geschlüpft sind, daher bleiben sie meist verschont.

Ob sich überhaupt Kirschfruchtfliegen für Ihre Kirschbäume interessieren, können Sie mithilfe von Gelbtafeln feststellen, die in die Baumkronen gehängt werden, sobald die ersten Kirschen einen zarten Gelbton zeigen. Aufgrund ihrer Vorliebe für die Farbe Gelb lassen sich die Fruchtfliegen auf den Leimfallen nieder und bleiben kleben. Manche Hersteller versehen ihre Gelbtafeln zusätzlich mit einem speziellen Lockstoff, der die Fangwirkung noch verstärkt. Leider können die Gelbtafeln im Fall der Kirschfruchtfliegen einen Befall nur mäßig mindern. Chemische Pflanzenschutzmittel gegen die Fliegen sind im Hobbygarten nicht zugelassen.

Insbesondere bei kleineren Bäumen lassen sich Kirschfruchtfliegen mithilfe von Kulturschutznetzen recht gut in den Griff bekommen. Dabei haben Sie zwei Möglichkeiten. Zum einen können Sie die Baumkrone mit einem Netz mit einer Maschenweite von maximal 1,4 x 1,4 Millimetern umspannen, um die erwachsenen Fliegen von der Eiablage abzuhalten. Noch besser ist eine Maschenweite von maximal 0,8 x 0,8 Millimetern, da dann auch die kleinere Kirschessigfliege ferngehalten wird. In jedem Fall haben durch das Einnetzen auch Stare und andere Vögel mit Appetit auf Kirschen das Nachsehen. Achten Sie auf UV-lichtbeständiges Material, andernfalls halten die Netze oft nur drei Jahre. Wichtig: Netze bieten nur dann sicheren Schutz, wenn sie vollständig dicht abschließen, also sorgfältig im Boden verankert sind oder bei Obstbäumen unter der Baumkrone zusammengebunden werden. Für kleinkronige Gehölze sind im Handel vorgefertigte Netze mit seitlichem Reißverschluss erhältlich, die sich mithilfe einer Kordel leicht schließen und unterhalb der Krone zusammenbinden lassen. Sie kosten je nach Maschenweite zwischen 50 und 60 Euro pro Stück. Tipp: Da durch ein Netz auch blattlausvertilgende Nützlinge keinen Zugang zum Baum finden, können Sie vorher einige Marienkäfer einsammeln und in den Baum setzen.

Als Alternative zum Einnetzen des Gehölzes können Sie den Boden unterhalb des Kirschbaums mit einem Netz mit einer Maschenweite von 0,8 x 0,8 Millimetern bedecken – am besten bereits Ende Mai, da sich dann um diese Zeit mitunter schon die ersten Larven zu Boden fallen lassen, um sich in der Erde zu verpuppen. Durch die Bodenabdeckung sinkt der Befall im nächsten Jahr rapide. Nicht für jeden praktikabel, aber ebenfalls sehr effektiv: Hühnerhaltung. Für Hühner sind die im Boden eingegrabenen Puppen der Kirschfruchtfliegen eine echte Delikatesse. Daher scharren sie eifrig in der Erde, um möglichst viele herauszupicken. Voraussetzung für eine artgerechte Haltung sind natürlich ausreichend Platz und gute Fachkenntnisse.

In jedem Fall wichtig: Lassen Sie keine Kirschen im Baum hängen und sammeln Sie abgefallene Früchte möglichst rasch auf, um befallene Kirschen über den Kompost oder den Haus- oder Biomüll entsorgen zu können.

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Die Kirschessigfliege ist nur durch Netze sicher zu bannen

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ist nahe verwandt mit der Essigfliege (Drosophila melanogaster), die besonders im Herbst oft massenhaft in der Küche anzutreffen ist – angelockt schon von kleinsten Mengen Obst, Saft und gärendem Pflanzenmaterial. Im Gegensatz zur Essigfliege haben Männchen der Kirschessigfliege auf ihren Flügeln einen gut sichtbaren schwarzen Punkt. Die Kirschessigfliege ist erst seit 2011 in Deutschland anzutreffen, breitet sich jedoch in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz rasch aus, sodass sie schon bald auch in klimatisch weniger begünstigen Gebieten anzutreffen sein dürfte. Kirschessigfliegen sind etwa drei Millimeter groß und damit etwas kleiner als die Kirschfruchtfliegen, befallen aber im Gegensatz zu dieser nicht nur Kirschen, sondern auch andere Steinobstarten, darüber hinaus vor allem auch Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren und Erdbeeren.

Die Kirschessigfliege legt ihre Eier in die heranreifenden und vollreifen Früchte. Die schlüpfenden Maden sind äußerlich kaum von den Maden der Kirschfruchtfliege zu unterscheiden. Wie diese fressen sie im Fruchtinneren, woraufhin die Früchte weich und braun werden und nach einiger Zeit zu faulen beginnen. Die Kirschessigfliege richtet aber den weitaus größeren Schaden an, da sie sich unglaublich schnell vermehrt: Bei einer Entwicklungszeit von gerade einmal acht bis vierzehn Tagen sind zehn bis dreizehn Generationen pro Saison möglich – und dabei legt jedes Fliegenweibchen um die 300 Eier. Im Hobbygarten sind keine Pflanzenschutzmittel gegen die Kirschessigfliege zugelassen. Insektizide würden aber aufgrund der schnellen Populationsentwicklung ohnehin nur wenig bringen. Zugleich hätte ein entsprechend notwendiger häufiger Insektizideinsatz zur Folge, dass die Kirschessigfliegen schnell Resistenzen gegen die Wirkstoffe bilden, diese also nicht mehr wirken würden.

Das einzige wirkungsvolle Mittel, um die Kirschessigfliege von Steinobst und Beerenobst fernzuhalten, sind wie auch im Fall der Kirschfruchtfliegen Kulturschutznetze mit einer Maschenweite von maximal 0,8 x 0,8 Millimeter. Bei Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren ist das Einnetzen etwas aufwändiger, da die Früchte hier meist in mehreren Durchgängen reifen. Wer auf ein Netz verzichten möchte, um sich das mehrfache Öffnen und Schließen zu sparen, sollte in jedem Fall regelmäßig alle reifen Früchte pflücken – auch die, die aufgrund eines Krankheits- oder Schädlingsbefalls nicht für den Verzehr in Frage kommen. Da Kirschessigfliegen keinen Wind und keine Sonne mögen, empfiehlt es sich außerdem bei allen gefährdeten Obstarten für einen vollsonnigen Stand und einen fachgerechten Schnitt zu sorgen.

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Gallmilben verursachen auffällige, aber tolerierbare Schadsymptome

Gehölze, an denen Gallmilben (Eriophyidae) saugen, sind oft schon aus einiger Entfernung zu erkennen: Auf den Blättern bilden sich auffällige, oft rot gefärbte Blasen oder Ausstülpungen, sogenannte Gallen. Betrachtet man die Blattunterseiten aus der Nähe, ist im Bereich der Gallen meist ein grauer bis bräunlicher filziger Belag zu sehen, unter dem sich die Gallmilben verstecken. An Stein- und Kernobst auftretende Gallmilbenarten richten im Hobbygarten in der Regel keinen nennenswerten Schaden an – ganz im Gegensatz zur Brombeergallmilbe und der Johannisbeergallmilbe. Eine Bekämpfung ist daher an Steinobst und Kernobst nicht notwendig, zumal viele Nützlinge von Gallmilben profitieren, zum Beispiel Raubmilben und Florfliegenlarven: Für sie stellen die Gallmilben eine willkommene Erweiterung der Nahrungspalette dar, die dazu beiträgt, hohe Nützlingspopulationen aufrechtzuerhalten. Auch an Ziergehölzen auftretende Gallmilben schwächen die Bäume und Sträucher in der Regel nicht wesentlich und sollten toleriert werden. Sollte es aufgrund eines massiven Befalls tatsächlich einmal zu verstärktem Blattfall kommen, können Sie die Gallmilben mit verhältnismäßig umweltschonenden Produkten auf Basis von Rapsöl oder Kali-Seife bekämpfen.

 

Pilzliche und bakterielle Schaderreger an Steinobst

Die Schrotschusskrankheit und die Sprühfleckenkrankheit können an alle Steinobstarten auftreten. Pflaumen sind vom Scharka-Virus betroffen, von der Narrentaschenkrankheit sowie vom Pflaumenrost. Monilia-Erreger sind vor allem bei Kirschen und Pflaumen ein wichtiges Thema, sie befallen jedoch grundsätzlich alle Steinobstarten sowie Apfel- und Birnbäume. Symptome der Pfirsichkräuselkrankheit sind vorwiegend bei Pfirsichen und Nektarinen zu beobachten, seltener auch an Aprikosen. Kümmern Steinobstgehölze, kann auch Bodenmüdigkeit die Ursache dafür sein.

Eine der effektivsten Pflanzenschutzmaßnahmen besteht in der Wahl resistenter oder toleranter Obstsorten – also Sorten, die entweder gar nicht von einem Erreger befallen werden oder aber einem Befall ohne nennenswerte Ertragseinbußen überstehen. Leider gibt es keine Obstsorte, die gegen alle potenziell auftretenden Krankheiten zugleich resistent ist. Bei der Sortenwahl orientieren Sie sich daher am besten an den Krankheiten, die den größten Schaden anrichten: Bei Kirschen ist eine hohe Widerstandskraft gegen Monilia besonders wichtig, bei Pflaumen gegen Scharka und Monilia, und Pfirsiche und Nektarine sollten möglichst unempfindlich gegenüber der Pfirsichkräuselkrankheit sein.

 

Die Schrotschusskrankheit erkennen auch Gartenlaien

Die Schrotschusskrankheit ist selbst für Laien leicht zu diagnostizieren, denn befallene Blätter sehen tatsächlich aus, als seien sie von Schrotkugeln durchlöchert worden. Alle Steinobstarten, vor allem Süß- und Sauerkirschen, aber auch Zierkirschen und Kirschlorbeer können ab dem Blattaustrieb bis etwa Juli leuchtend rote Blattflecken bekommen. Im – leider nur wenig erfolgreichen – Versuch den Pilz Wilsonomyces carpophilus an der weiteren Ausbreitung zu hindern, stoßen die befallenen Bäume das erkrankte Gewebe ab: Die Blattflecken trocknen bis auf einen roten Rand ein und das trockene Material fällt aus dem Blatt heraus. Stark befallene Blätter werden gelb und fallen ganz ab. Auf Früchten können sich zunächst schwarze, eingesunkene Flecken bilden. Später verkrüppeln die Früchte, vertrocknen oder reißen auf und verfaulen, um anschließend abzufallen. Erkrankte Triebe bekommen ebenfalls schwarze, eingesunkene Flecken und oft tritt ein klares bis bernsteinfarbenes Sekret von gummiartiger Konsistenz aus. Bei starkem Befall können die Triebe absterben. Ab Juli finden in der Regel keine Neuinfektionen von Pflanzenteilen mehr statt, da diese bis dahin robust genug sind, um dem Pilz zu widerstehen.

Die Schrotschusskrankheit kann insbesondere in kühlen, niederschlagsreichen Jahren und in Gegenden mit häufiger Nebelbildung zu Ertragseinbußen führen. Da im Hobbygarten keine Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung zugelassen sind, sind vorbeugende Maßnahmen umso wichtiger. Dazu zählt vor allem ein regelmäßiger fachgerechter Schnitt, der dafür sorgt, dass Wind und Sonne gut ins Kroneninnere gelangen und Feuchtigkeit entsprechend schnell abtrocknet. Wer nur einige wenige Bäume im Garten hat, sollte insbesondere die unteren Triebe regelmäßig kontrollieren und befallene Blätter abpflücken. Zudem sollten Sie Falllaub und abgefallene Früchte umgehend entfernen und über den Kompost oder den Haus- und Biomüll entsorgen. Erkrankte Triebe sollten Sie bis ins gesunde Holz zurückschneiden. Entfernen Sie auch etwaige vertrocknete, im Baum hängengebliebene Früchte, denn auf diesen sogenannten Fruchtmumien können Wilsonomyces carpophilus und andere Schaderreger überwintern und den Baum im nächsten Jahr erneut infizieren.

Tipp: Achten Sie bereits beim Pflanzenkauf auf widerstandsfähige Sorten, die erst gar nicht von der Schrotschusskrankheit befallen werden, oder einen Befall ohne nennenswerte Schäden verkraften. Beim Pfirsich sind die Sorten 'Roter Ellerstädter' und 'Revita' empfehlenswert, die beide auch der Kräuselkrankheit recht gut widerstehen. Bei Pflaumen schlagen Sie mit den Sorten 'Hanita' und 'Katinka' zwei Fliegen mit einer Klappe, da beide auch sehr widerstandsfähig gegenüber der Scharkakrankheit sind. Bei Süßkirschen haben sich die Sorten 'Abels Späte’, 'Königskirsche Typ Gatterstedt'‚ 'Büttners Rote Knorpel’ und 'Hausmüllers Mitteldicke' als wenig anfällig für die Schrotschusskrankheit herausgestellt, allerdings ist bei Kirschen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Monilia prinzipiell wichtiger.

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Die Sprühfleckenkrankheit schwächt vor allem Kirschbäume

Die Sprühfleckenkrankheit betrifft vor allem Süß- und Sauerkirschen, sie kann aber prinzipiell alle Steinobstarten befallen. Das hat sie mit der Schrotschusskrankheit gemeinsam, mit der die Sprühfleckenkrankheit im Anfangsstadium oft verwechselt wird. Die Sprühfleckenkrankheit äußert sich ebenfalls in rötlichen Blattflecken, allerdings sind es hier eher kleine, burgunderrote Pünktchen, die sich mitunter zu größeren Flecken vereinigen. Im Gegensatz zur Schrotschusskrankheit trocknen die Flecken zudem nicht ein, stattdessen werden die Blätter kurz nach der Infektion gelb und fallen ab. Das ist auch das eigentliche Problem, denn durch den oft starken Blattverlust kann der Baum nur noch reduziert Photosynthese betreiben und ist entsprechend schlecht versorgt. In der Folge setzt er weniger Früchte an oder wirft sie in übermäßiger Zahl ab, bildet weniger Blütenknospen für das Folgejahr und wird frostanfälliger und empfindlicher für Schaderreger

Wie bei der Schrotschusskrankheit sind auch für die Sprühfleckenkrankheit im Hobbygarten keine Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung zugelassen. Ergreifen Sie daher dieselben vorbeugenden Maßnahmen wie bei der Schrotschusskrankheit.

Tipp: Die Sauerkirschsorten 'Karneol' und 'Morina' sind nicht nur weitgehend resistent gegen die Sprühfleckenkrankheit, sondern auch gegen Monilia-Pilze.

Kirschblatt mit Schadsymptomen der Sprühfleckenkrankheit
Sprühfleckenkrankheit Blumeriella jaapii an Süßkirsche
Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Sprühfleckenkrankheit Blumeriella jaapii an Süßkirsche | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/
 

Gegen das Scharka-Virus helfen nur widerstandsfähige Sorten

Das Scharka-Virus tritt vorwiegend an Pflaumen auf, kann aber auch Aprikosen, Pfirsiche, und Nektarinen befallen. Infizierte Blätter zeigen unregelmäßige Aufhellungen, die bisweilen deutlich zu erkennende Ringe bilden. Befallene Früchte sind an manchen Stellen pockenartig eingesunken (weshalb mitunter auch vom Pflaumen-Pocken-Virus gesprochen wird) oder verformt, oft fallen sie auch vorzeitig vom Baum. Bei Pflaumen ist zudem das Fruchtfleisch an einigen Stellen rötlich verfärbt. Relative Gewissheit bringt schließlich ein Biss in eine reife Frucht: Ist das Fruchtfleisch nahezu geschmacklos und im Fall von Pflaumen gummiartig zäh, im Fall von Aprikosen, Pfirsichen und Nektarinen trocken und mehlig? Das deutet stark auf eine Scharka-Erkrankung hin.

Vermuten Sie, dass eines Ihrer Obstgehölze am Scharka-Virus leidet, müssen Sie das dem in Ihrem Bundesland zuständigen Pflanzenschutzdienst mitteilen, denn diese Krankheit ist meldepflichtig. Die zuständige Behörde wird nach Ihrer Meldung als Erstes feststellen, ob tatsächlich eine Scharka-Erkrankung vorliegt. Ist das der Fall, kann es sein, dass der Baum samt Wurzelwerk gerodet werden muss. Das ist im Hobbygarten jedoch nur dann der Fall, wenn sich der Garten in einem Obstanbaugebiet befindet. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass ganze Obstanlagen mit dem Scharka-Virus verseucht werden.

Wie alle Viruserkrankungen kann auch das Scharka-Virus im Hobbygarten nicht direkt bekämpft werden. Umso wichtiger sind widerstandsfähige Sorten. Die Pflaumen 'Jojo' und 'Jofela', die Aprikosen 'Goldrich', 'Harlayne', 'Orangered' und 'Kuresia' sowie die 'Mirabelle von Nancy' sind resistent gegen das Scharka-Virus. Als sehr widerstandsfähig haben sich bislang die Pflaumen 'Hanita', 'Haroma', 'Haganta', 'Katinka', 'Presenta' und 'Toptaste' erwiesen, sowie die Aprikosen 'Mino', 'Hilde' und 'Klarina'.Selbst wenn sie vom Scharka-Virus infiziert werden sollten, hat dies keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtqualität. Hochanfällige Sorte wie die 'Hauszwetsche' hingegen tragen nach einer Infektion nur noch ungenießbare Früchte, daher ist es in jedem Fall empfehlenswert, derartige Gehölze im Krankheitsfall zu roden und durch robustere Sorten zu ersetzen.

Pflaumenblatt mit ringförmigen Scharka-Aufhellungen
Typische Blattsymptome durch das Scharka-Virus (PPV = plum pox virus)
Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Typische Blattsymptome durch das Scharka-Virus (PPV = plum pox virus) | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/
 

Konsequente Hygiene und robuste Sorten beugen der Narren- oder Taschenkrankheit vor

Die Narren- oder Taschenkrankheit betrifft vor allem Pflaumen . Früchte, die von dem Pilz Taphrina pruni befallen wurden, nehmen eine längliche, hakenartig verkrümmte Form an, die entfernt an eine Narrenkappe oder eine Handtasche erinnert. Die deformierten Früchte sind zunächst von gelb-grüner Färbung, werden dann von einem samtigen grau-braunen Pilzrasen überzogen und trocknen schließlich ein – sie werden zu sogenannten Fruchtmumien. Oftmals bleiben die trockenen Früchte am Baum hängen und tragen somit zur raschen Neuinfektion im nächsten Frühjahr bei.

Der Pilz dringt über die Blüten ein und verhindert eine Befruchtung, weshalb die sich entwickelnden Früchte neben der auffälligen Verformung auch keinen Stein aufweisen. Kühles, regnerisches Wetter begünstigt einen Befall. Da eine chemische Bekämpfung im Hobbygarten nicht möglich ist, sind vorbeugende Maßnahmen besonders wichtig. Dazu gehört zum einen die Sortenwahl. Resistente Sorten sind derzeit nicht bekannt, jedoch sollten hochanfällige Sorten bewusst gemieden werden. Hochanfällig sind insbesondere die Sorten 'Auerbacher, 'Frühzwetsche', 'Hauszwetsche' und 'Ortenauer Zwetsche' sowie bei den Pflaumen die Sorte 'President'.

Zusätzlich sollten Sie die Kronen der Obstgehölze regelmäßig auslichten – also zu dicht stehende und ins Kroneninnere wachsende Äste entfernen – damit der Wind gut hindurchstreichen kann und Feuchtigkeit rasch verdunstet. Dadurch machen Sie es der Narren- oder Taschenkrankheit und anderen Pilzen schwerer, sich anzusiedeln. Entfernen Sie zudem befallene Früchte und lassen Sie im Herbst keine Fruchtmumien an den Ästen hängen. Sind diese im oberen Bereich hoher Gehölze nur schwer erreichbar, hilft ein Obstpflücker mit Teleskoparm, oder Sie versuchen, die Mumien mit einem scharfen Wasserstrahl vom Baum zu spritzen.

Deformierte Pflaumen am Ast
Narrentaschenkrankheit an Mirabellen
Quelle: Uwe Harzer | www.greencommons.de | Narrentaschenkrankheit an Mirabellen | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/
 

Monilia-Pilze sind für Spitzendürre und Fruchtfäulen verantwortlich

Der Erreger Monilia laxa und der weniger relevante Erreger Monilia fructigena sorgen im Hobbygarten immer wieder für Ärger. Sie befallen vor allem Pflaumen - und Kirschbäume sowie Apfel- und Birnbäume und rufen zwei unterschiedliche Schadbilder hervor: Spitzendürre und Fruchtfäulen.

Vor allem bei Sauerkirschen, seltener auch bei Süßkirschen, verursacht Monilia laxa die sogenannte Spitzendürre. Besonders wenn zur Blütezeit eine feucht-warme Witterung herrscht, dringt der Pilz über die Blüten in die Pflanze ein und kann im Extremfall den ganzen Baum zum Absterben bringen. Zunächst vertrocknen schlagartig die Blütenbüschel im befallenen Bereich. Anschließend sterben die betroffenen Triebe von der Spitze beginnend ab, was auch für Laien deutlich sichtbar ist. Am Übergang zum gesunden Holz tritt häufig ein harzähnliches, klares bis bernsteinfarbenes Sekret von gummiartiger Konsistenz aus. Gelegentlich werden auch Apfel- und Birnbäume von der Spitzendürre befallen. Um eine Verwechslung mit der meldepflichtigen Bakterienerkrankung Feuerbrand zu vermeiden, können Sie ein Stück eines erkrankten Triebs mit einem feuchten Tuch in eine saubere Kunststofftüte legen. Ist der Trieb mit Monilia laxa befallen, hat sich nach spätestens zwei Tagen ein weißer Pilzrasen gebildet. Bleibt dieser aus, handelt es sich möglicherweise um Feuerbrand und Sie sollten sich an den in Ihrem Bundesland zuständigen Pflanzenschutzdienst wenden.

Bei allen genannten Obstarten können die beiden Monilia-Pilze zudem zu Fruchtfäulen führen. Dabei zeigen sich auf der Oberfläche zunächst bräunliche Faulstellen, auf denen sich rasch erste weißgraue bis gelbliche Sporenpolster bilden – häufig in auffälliger Ringform. Die infizierten Früchte fallen ab oder schrumpeln zu sogenannten Fruchtmumien zusammen und bleiben am Baum hängen.

Am einfachsten zu bekämpfen ist der Pilzbefall, der gar nicht erst entsteht. Daher sollten Sie widerstandsfähige Sorten pflanzen beziehungsweise hochanfällige Sorten bei wiederholtem Befall durch widerstandsfähigere ersetzen. Geradezu auf einen Monilia-Befall abonniert ist die Sauerkirschsorte 'Schattenmorelle'. Kaum befallen werden hingegen die Sorten 'Achat', 'Jade', 'Karneol', 'Kordia', 'Korund', 'Morina' und 'Schwäbische Weinweichsel'. Bei Äpfeln sind die Sorten 'Berlepsch', 'Cox Orange', 'James Grieve' und 'Goldrenette von Blenheim' besonders anfällig. Festfleischige Sorten mit spätem Erntetermin sind deutlich widerstandsfähiger. Die Sorte 'Rewena' beispielsweise ist nicht nur sehr selten von Monilia betroffen, sondern auch resistent gegen Feuerbrand sowie widerstandsfähig gegen Schorf. Die Sorte 'Red Topaz' lassen Monilia-Pilze ebenfalls kalt und sie ist zudem resistent gegen Schorf und wenig anfällig für Mehltau und Obstbaumkrebs.

Grundsätzlich gilt für alle Stein- und Kernobstgehölze: Sie stehen am besten an einem sonnigen, aber luftigen Standort, wo der Wind durch die Krone streichen kann und Feuchtigkeit rasch abtrocknet. Damit die Durchlüftung gut funktioniert, sollten Sie die Bäume regelmäßig auslichten, also zu dicht und ins Kroneninnere wachsende Äste entfernen. Enten Sie Ihre Obstbäume zudem immer vollständig ab. Auch unbrauchbare Früchte sollten unbedingt aufgelesen und Fruchtmumien gepflückt und entsorgt werden, denn sie bieten Pilzsporen einen wunderbaren Nährboden, auf dem sie überwintern und sich im nächsten Jahr ausbreiten können.

Wenn Sie robuste Obstsorten pflanzen und die vorbeugenden Maßnahmen konsequent umsetzen, werden Sie mit Monilia-Pilzen höchstwahrscheinlich keine Probleme bekommen und eine chemische Bekämpfung ist absolut überflüssig – für Äpfel und Birnen sind im Hobbybereich ohnehin keine Pflanzenschutzmittel gegen Monilia zugelassen. Sollten dennoch einmal Triebe befallen werden, schneiden Sie diese mindestens 20 Zentimeter tief ins gesunde Holz zurück. Wo dieses beginnt, erkennen Sie oftmals an der dort austretenden harzartigen Flüssigkeit, in jedem Fall aber an der Holzfarbe: befallenes Holz ist dunkel verfärbt. Die Sporen von Monilia-Pilzen sind sehr widerstandsfähig und nicht jeder Kompost erreicht die erforderlichen hohen Temperaturen, um sie zuverlässig abzutöten. Schnittabfälle und Fruchtmumien sollten Sie daher nicht kompostieren, sondern über den Haus- oder Biomüll entsorgen.

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Robuste Sorten sind der beste Schutz vor der Pfirsichkräuselkrankheit

An Pfirsichen, aber auch an Nektarinen kräuseln sich die Blätter oft bereits kurz nach dem Austrieb stark und zeigen blasenartige Verkrüppelungen, anschließend vertrocknen sie und fallen ab. Der Auslöser der Pfirsichkräuselkrankheit ist ein Pilz namens Taphrina deformans, der die Blätter bei Temperaturen über 10 Grad Celsius und feuchter Witterung noch in den Knospen infizieren kann. Besonders hoch ist die Infektionsgefahr beim sogenannten Knospenschwellen, wenn also die Knospen ganz allmählich größer werden, um sich anschließend zu öffnen. Infizierte Gehölze treiben im Juni ein zweites Mal aus und diese Blätter bleiben in der Regel auch gesund, denn bei Temperaturen über 16 Grad Celsius ist der Pilz nicht mehr infektiös. Allerdings verausgaben sich die Gehölze durch den zweiten Austrieb sehr, weshalb sie schlechter tragen und auch weniger Knospen für das Folgejahr ansetzen.

Keinen vollständigen, aber immer noch den sichersten Schutz vor der Pfirsichkräuselkrankheit bieten widerstandsfähige Pfirsichsorten. Dazu zählen beispielsweise die Sorten 'Amsden', 'Benedicte', 'Fidelia', 'Früher Alexander', 'Manon', 'Rekord von Alfter', 'Revita', 'Roter Ellerstädter' und 'Roter Weinbergpfirsich'. Rot- und weißfleischige Sorten sind zudem grundsätzlich weniger anfällig als gelbfleischige Pfirsiche. Pflanzenstärkungsmittel wie Ackerschachtelhalmbrühe oder ein Brennnesselauszug können dazu beitragen, die Widerstandskraft der Gehölze weiter zu verbessern. Um gleichzeitig die Bedingungen für den Schadpilz zu verschlechtern, sollten Sie für Pfirsiche einen warmen, aber nicht allzu windgeschützten Standort wählen und den Baum regelmäßig auslichten – also zu dicht stehende und ins Kroneninnere wachsende Äste entfernen. Dadurch kann der Wind durch die Krone streichen und Tau oder Regentropfen verdunsten rasch – ein Vorteil, denn das erschwert dem Pilz die Infektion. Wo ein Pfirsich ohnehin im Kübel wächst, sollten Sie ihn unter einen Dachvorsprung stellen, auf diese Weise kann er vor Regen geschützt werden, bis die Temperaturen dauerhaft über 16 Grad liegen.

Ist ein Pfirsich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen an der Kräuselkrankheit erkrankt, sollten Sie befallene Blätter und Triebspitzen umgehend entfernen und über den Haus- oder Biomüll entsorgen. Eine chemische Bekämpfung des Pilzes ist nur vorbeugend möglich und für Nicht-Profis eine eher unsichere Angelegenheit: Für einen sicheren Schutz muss der Zeitpunkt des Knospenschwellens exakt getroffen werden. Und das möglicherweise sogar zwei- oder dreimal, denn wenn die Knospenentwicklung aufgrund zwischenzeitlicher Kälteperioden ins Stocken gerät, muss erneut gespritzt werden, sobald die Temperaturen wieder über zehn Grad Celsius steigen. Deshalb und vor dem Hintergrund möglicher Fehlanwendungen sowie der damit verbundenen negativen Auswirkungen für Umwelt und Gesundheit sind robuste Sorten und vorbeugende nicht-chemische Maßnahmen weitaus empfehlenswerter.

Blasig aufgetrieben Pfirsichblätter
Blasig aufgetrieben Pfirsichblätter
Quelle: Lianem / Fotolia
 

Chemische Pflanzenschutzmittel sind bei Steinobst nur selten sinnvoll

Auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten viele Gartenfans insbesondere bei Steinobst, Kernobst, Beerenobst und Gemüse ganz bewusst. Zum einen, da es eine Vielzahl effektiver Alternativen gibt und sich etwaige Schäden oft in einem gut tolerierbaren Rahmen bewegen. Zum anderen, da sie Obst und Gemüse oft gerade deshalb selbst anbauen, weil sie ungespritzte Früchte ernten möchten.

Insbesondere beim Steinobst ist eine erfolgreiche chemische Bekämpfung von Krankheitserregern für Freizeitgärtner zudem weniger einfach, als es auf den ersten Blick erscheint: Damit die Schad- oder Krankheitserreger wirksam eingedämmt werden können, müssen die Spritzungen genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Dazu ist es in der Regel notwendig, die Warnmeldungen regionaler Pflanzenschutzdienste zu verfolgen. Zudem sind meist mehrere Spritzungen innerhalb weniger Wochen notwendig. Und es müssen sämtliche Pflanzenteile benetzt werden, was umso schwieriger ist, je größer die Bäume sind.

Zudem besteht bei chemischen Pflanzenschutzmitteln stets das Risiko von Fehlanwendungen: Die vertretbaren Auswirkungen für Umwelt und Gesundheit, die den zugelassenen Mitteln im Rahmen des gesetzlichen Zulassungsverfahrens bescheinigt wurden, werden nämlich nur dann sicher eingehalten, wenn man die Produkte ordnungsgemäß handhabt. Wenn ein Mittel jedoch zum Beispiel häufiger, in höherer Konzentration, zu einem anderen Zeitpunkt oder an anderen Pflanzen angewendet wird als im Beipackzettel vorgeschrieben, sind unvertretbare Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. In diesen Fällen können beispielsweise deutlich mehr Nützlinge durch die ausgebrachten Mittel geschädigt oder getötet werden. Einige Wirkstoffe können sich auch im Boden anreichern oder sich in der Nahrungskette ansammeln, wenn kontaminierte Insekten oder Pflanzenteile von Vögeln, Igeln oder anderen Tieren gefressen werden. Durch plötzlich aufkommenden Wind, der den Sprühnebel verweht, Verdunstung , Abschwemmungen in Hanglagen oder schlicht durch Versickern kann sogar eines der wichtigsten Güter überhaupt betroffen sein: das Grundwasser. Dies ist besonders kritisch, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland etwa 20 Millionen Hausgärten und eine Million Kleingärten gibt.

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Als Notfallmaßnahme geeignete Pflanzenschutzmittel für Steinobst

Fällt nach sorgfältigem Abwägen der Vor- und Nachteile dennoch die Entscheidung für eine chemische Bekämpfung, sollten Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe wählen. Sich vom Pflanzensaft ernährende Insekten wie Blatt-, Schild- und Blutläuse, Gallmilben  und Obstbaumspinnmilben können Sie mit Produkten auf Basis von Rapsöl oder Kali-Seife bekämpfen. Gegen den Großen und den Kleinen Frostspanner helfen Bacillus thuringiensis-Präparate effektiv und nützlingsschonend, wenn es trotz aller vorbeugenden Maßnahmen zu einem starken Befall kommen sollte.

Umwelt-Checkliste für chemischen Pflanzenschutz im Hobbygarten mit einem bärtigen Mann mit Brille und Hut, der die Rosen schneidet im Hintergrund
Umwelt-Checkliste für chemischen Pflanzenschutz im Hobbygarten
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016