Sind Fernlinienbusse umweltfreundlich?

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Seit Januar 2013 gibt es mehr Fernlinienbusse
Quelle: Petair / Fotolia.com

Der Fernlinienbusverkehr ist erheblich preisgünstiger als die Bahn. Ist er auch umweltfreundlicher?

Seit dem 1. Januar 2013 fahren deutlich mehr Busse auf Straßen und Autobahnen. Der Grund dafür ist die Liberalisierung des Fernlinienbusmarktes. Dieser unterlag davor erheblichen Einschränkungen. Nach alter Gesetzeslage konnte ein fahrplanmäßiger Fernlinienbusverkehr nur genehmigt werden, wenn keine parallele Eisenbahnverbindung vorhanden war.

Seit der Liberalisierung gibt es ein enormes Angebotswachstum. Bis 31. März 2014 stieg die Zahl der bedienten Strecken von 86 auf 247 – das entspricht einem Anstieg um 187 Prozent. Dabei nahm nicht nur die Anzahl der Linien zu, sondern auch deren Bedienungshäufigkeit. Nach einem weiteren Anstieg konsolidiert sich inzwischen der Markt und Anbieter fusionieren oder ziehen sich aus dem Wettbewerb zurück. Es wird erwartet, dass sich dadurch auch die extrem niedrigen Preise normalisieren und die wahren Kosten widerspiegeln werden. Denn das Preisniveau beim Fernlinienbus liegt derzeit erheblich unter dem Preisniveau des Schienenverkehrs. Ein Grund dafür ist auch, dass er – im Gegensatz zur Bahn – bisher von der Maut und Stationsentgelten an Busbahnhöfen befreit ist.

Das vergleichsweise preisgünstige neue Fernlinienbusangebot führt zu mehr Verkehr auf den Straßen. Es ist anzunehmen, dass Fahrten unternommen werden, die ohne dieses Angebot nicht stattgefunden hätten. Außerdem kann das günstige Preisniveau bei den Reisewilligen einen Wechsel von der Bahn zum Fernlinienbus fördern. Beide Entwicklungen können zu zusätzlichen Umweltbelastungen führen. Zudem nimmt der Fernlinienbus – wie andere Verkehrsträger auch – Fläche in Anspruch und trägt damit zur Versiegelung von Flächen bei. Mehr Fernlinienbusverkehr kann auch zu mehr Lärm führen.

Welche Emissionen von Treibhausgasen und Luftschadstoffen vom Fernlinienbusverkehr konkret ausgehen, ist nicht bekannt. Die Emissionswerte für den Reisebus, die in die Tabelle zum UBA-Verkehrsträgervergleich eingehen, sind nicht direkt auf den Fernlinienbus übertragbar. Dies liegt daran, dass die Auslastung – also die Anzahl der tatsächlich besetzen Sitzplätze – beim Fernlinienbus geringer ist und dem Umweltbundesamt bisher auch keine Daten zum Flottenbestand der Fernlinienbusanbieter vorliegen.

Bei Emissionen wie Feinstaub und Stickoxiden steht der Reisebus - und mit hoher Sicherheit auch der Fernbus - schlechter da als die Bahn. Da ist der Bus vier Mal gesundheitsschädlicher als die Bahn, dies gilt besonders in den Städten.

Mit Sicherheit kann man jedoch sagen, dass Bus und Bahn deutlich umweltfreundlichere Reisemittel sind als Auto und Flugzeug. Der gut besetzte Fernlinienbus ist also besser als der Pkw, in dem wenige Personen sitzen. Der Fernbus macht den Mobilitätsmarkt variantenreicher und bietet eine attraktive Beförderungsalternative. Die Fahrradmitnahme zum Beispiel ist bequem und problemlos möglich und kostenloses WLAN gehört zum Standard. Das bewegt auch die Bahn, ihr Angebot kundenfreundlicher und serviceorientierter auszurichten.

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