Viele Interessen am Fluss
Es kann zu einer großen Herausforderung werden, dass alle Beteiligten eine Renaturierungsmaßnahme akzeptieren. Denn die aus ökologischer Sicht notwendigen Verbesserungen können in Konkurrenz mit anderen Nutzungen, Interessen und Zielen stehen:
- Die Wasserwirtschaft ist u. a. für die Entwässerung und einen geregelten Abfluss zuständig – insbesondere bei Hochwasser. Renaturierungen dürfen die hydraulische Leistungsfähigkeit der Flüsse und Bäche nicht einschränken.
Mehr dazu: Hochwasser durch Renaturierung entschärfen - Land- und Forstwirtschaft nutzen Flächen entlang von Gewässern und streben Erträge an.
Mehr dazu: Renaturierung im Einklang mit der Land- und Forstwirtschaft - Wasserkraftwerke sollen Strom produzieren und brauchen für ihre volle Auslastung eine Mindestmenge an Wasser und Fallhöhe.
- Personen mit Flächeneigentum wollen den Wert ihrer Grundstücke am Gewässer erhalten und Hochwasserschäden an Gebäuden und Land vermeiden
Mehr dazu: Flächenbereitstellung für Gewässerrenaturierungen - Der Denkmalschutz ist um den Erhalt historischer Bauwerke (z. B. Wehre, Mühlen) an und in Gewässern bemüht.
- Angel- und Fischereivereine wünschen sich optimale Lebensbedingungen für die Fische.
Mehr dazu: Lokale Fischexpertise für Gewässerentwicklung einbinden - Der Naturschutz setzt sich für den Erhalt von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen ein. Dynamische Veränderungen des Gewässerbettes können zum Verlust dieser Lebensräume führen.
Mehr dazu: Konfliktpotenzial zwischen Naturschutz und Gewässerentwicklung reduzieren - Die Bevölkerung nutzt Fließgewässer als Ort der Erholung und des Naturerlebens. Diese Ansprüche stehen manchmal im Widerspruch zu anderen Zielen der Renaturierung (z. B. Naturschutz).
Mehr dazu: Erholung und Tourismus am renaturierten Fluss
Aufgrund dieser vielfältigen Ansprüche an Fließgewässer ist es für den Erfolg von Renaturierungsmaßnahmen wichtig, alle Beteiligten einzubinden, um Nutzungskonflikte zu lösen und Akzeptanz für die Maßnahmen schaffen zu können. Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Ressorts und Interessen hat dabei nicht nur die Lösung von Nutzungskonflikten zum Ziel, sondern kann auch Synergieeffekte für die Umsetzung von EU-Richtlinien (z. B. Hochwasserrisikomanagementrichtlinie, Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) hervorbringen. Dies reduziert den Verwaltungsaufwand, bündelt Ressourcen und spart Kosten.
An Gewässern treffen viele Interessen zusammen. Für Renaturierungsprojekte müssen neue Kompromisse gefunden und Nutzungskonflikte gelöst werden. Frühzeitige, offene und regelmäßige Kommunikation zwischen allen Beteiligten erhöht die Zufriedenheit mit dem Renaturierungsergebnis.