Bioabfälle

Biologisch abbaubare Abfälle werden getrennt gesammelt und sinnvoll verwertet. Aus ihnen entstehen Komposte und Gärreste, die als organischer Dünger genutzt werden oder als Bestandteil in Blumenerde und Pflanzsubstraten Torf ersetzen. Die Bioabfallverwertung kann auch direkt zum Klimaschutz beitragen, wenn das bei der Vergärung entstehende Methan energetisch genutzt wird.

Inhaltsverzeichnis

 

Bioabfälle: vom Saulus zum Paulus

Biologisch abbaubare Abfälle waren bis vor wenigen Jahren auf Deponien der Hauptfaktor bei der Entstehung des klimarelevanten Gases Methan. Diese Umweltbelastung hat sich durch die getrennte Sammlung und Verwertung von Bioabfällen deutlich senken lassen. Die getrennte Erfassung von Bioabfällen ist auch Voraussetzung für eine Kreislaufführung von organischen Substanzen und Nährstoffen. Nur aus getrennt erfassten Bioabfällen lassen sich hochwertige Komposte und Gärreste herstellen, die für eine landwirtschaftliche oder gärtnerische Nutzung geeignet sind. Zu diesen Abfällen zählen Bioabfälle aus Haushalten und Gewerbe, Garten- und Parkabfälle sowie Speiseabfälle, Abfälle aus der Lebensmittelverarbeitung und Abfälle aus der Landwirtschaft (siehe Abb. „Zusammensetzung der an Bioabfallbehandlungsanlagen angelieferten Bioabfälle“). Zu beachten ist, dass ein Großteil der landwirtschaftlichen Rückstände wie etwa Gülle und Mist nicht hierzu zählen, da sie nicht als Abfall entsorgt werden.

2014 fielen 15,4 Mio. t Bioabfälle an. Davon waren 4,6 Mio. t Garten- und Parkabfälle, 4,1 Mio. t Biotonnenabfälle, 543.000 t gewerbliche Speiseabfälle, 2,5 Mio. t Abfälle und Schlämme aus Landwirtschaft und Nahrungsmittelherstellung, 1,2 Mio. t kommunaler Klärschlamm.
Zusammensetzung der an Bioabfallbehandlungsanlagen angelieferten Bioabfälle
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Sammlung von Bioabfall

In Deutschland begann im Jahr 1985 die getrennte Sammlung biogener Abfälle. Die gesammelten Abfälle werden zu speziellen Bioabfallbehandlungsanlagen transportiert, wo sie kompostiert oder vergoren werden. Kompostiert wird aerob, also in Gegenwart von Sauerstoff. Vergoren wird anaerob, also ohne Sauerstoff.

Von 1985 bis 2002 ist die Menge der behandelten Bioabfälle nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stark angestiegen (siehe Abb. „An Bioabfallbehandlungsanlagen angelieferte biologisch abbaubare Abfälle“). Danach wuchs die gesammelte Menge nur noch langsam weiter an. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland etwa 15,4 Millionen Tonnen (Mio. t) biogene Abfälle biologisch behandelt.

Aus diesen biogenen Abfällen wurden rund

  • 1,6 Mio. t Bioabfallkompost
  • 1,8 Mio. t Grünabfallkompost
  • 4,4 Mio. t Gärreste und
  • 0,3 Mio. t Klärschlammkomposte

erzeugt und an Nutzer abgegeben (Statistisches Bundesamt, 2016, Tabelle 7.3).

2014 wurden gut 15,4 Mio. t biogene Abfälle biologisch behandelt. Im Jahr 2002 waren es 12,2, im Jahr 1990 gut 1,5 Mio. t
An Bioabfallbehandlungsanlagen angelieferte biologisch abbaubare Abfälle
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Biogene Siedlungsabfälle

Im Jahr 2014 fielen etwa 9,8 Millionen Tonnen biogene Siedlungsabfälle an. Dazu zählen hauptsächlich Bio- und Grünabfälle aus Haushalten, der kommunalen Grünpflege und aus dem Gewerbe sowie Speiseabfälle. Etwa 1.000 Kompostierungs- und 100 reine Bioabfallvergärungsanlagen haben diese Abfälle verwertet (UBA, 2009; UBA, 2010). Ein Großteil der Bioabfälle wurde also kompostiert, wobei die enthaltene Energie nicht genutzt werden kann. Ziel ist es daher, den Anteil der Vergärung mit Biogasgewinnung in Zukunft zu erhöhen.

Die getrennte Sammlung des Bioabfalls aus Haushalten beeinflusst die Menge und die Zusammensetzung des Restmülls. Durch die Abtrennung sinkt die restliche Abfallmenge um bis zu einem Drittel. Gleichzeitig enthält der Restabfall weniger nasse Bestandteile, was etwa die maschinelle Sortierung des Abfalls erleichtert. 

 

Verwertung der Gärreste und des Komposts

Landwirte sind die Nutznießer der Verwertung biogener Abfälle. Nach Aussage der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) nutzen sie fast alle Gärreste als Dünger. Sie verwendeten im Jahr 2014 zudem 61 Prozent allen Komposts. Durch den Einsatz von Gärresten und Kompost ersetzen Landwirte vor allem Kunstdünger. Eine ausführliche Beschreibung der Eigenschaften von Komposten und Gärresten sowie der Vorteile und Schwierigkeiten bei deren Anwendung in der Landwirtschaft findet sich in dem Positionspapier „Bioabfallkomposte und -gärreste in der Landwirtschaft“. Durch den Einsatz von Kompost im Gartenbau und in Privatgärten wird weniger Torf benötigt (siehe Abb. „Absatzbereiche für Komposte 2014“).

2014 wurden etwa 3,35 Mio. t Kompost erzeugt. Davon wurden 60,6 % in der Landwirtschaft eingesetzt, 16,6 % wurden Blumenerde oder Pflanzsubstraten zugemischt und 7,6 % gingen in Landschaftsbau und Rekultivierung.
Absatzbereiche für Komposte 2014
Quelle: Daten für RAL-gütegesicherte Komposte der Bundesgütegemeinschaft Kompost Diagramm als PDF
 

Schadstoffobergrenzen für Kompost und Gärreste

Der Gesetzgeber regelt seit 1998 in der Bioabfallverordnung (BioAbfV),unter welchen Bedingungen Kompost und Gärreste in der Land- und Forstwirtschaft sowie auf gartenbaulich genutzten Böden genutzt werden dürfen. Daneben gelten für die Verwertung von Kompost und Gärresten die Anforderungen der Düngemittelverordnung. Beide Verordnungen enthalten Grenzwerte für die höchstens zulässigen Schwermetallgehalte bei der Verwertung von Bioabfällen: In der Bioabfallverordnung gibt es zwei Kategorien von Grenzwerten (siehe Tab. „Grenzwerte für Schwermetalle in Bioabfällen“):

  • Von Kompost, der die Grenzwerte in der Spalte A der Verordnung einhält, dürfen innerhalb von drei Jahren bis zu 20 t Trockenmasse auf einen Hektar ausgebracht werden. Dieser Grenzwert entspricht den Richtwerten des RAL-Gütezeichens Kompost (RAL-GZ 251) und im Wesentlichen den Anforderungen der Düngemittelverordnung. Diese enthält zusätzlich einen Grenzwert für Arsen in Höhe von 40 mg/kg.
  • Von Kompost, der die strengeren Grenzwerte der Spalte B einhält, dürfen innerhalb von drei Jahren bis zu 30 t Trockenmasse je Hektar aufgebracht werden.

Neben den Schwermetallgrenzwerten werden in der Bioabfallverordnung auch Anforderungen an den maximalen Gehalt an Störstoffen sowie an die Hygiene der erzeugten Komposte und Gärreste gestellt. Alle Regelungen gelten auch für Gemische, die unter Verwendung von Bioabfällen hergestellt wurden.

Die Bioabfallverordnung hat offensichtlich einen positiven Einfluss auf die Qualität der erzeugten Produkte. Gärreste und Kompost wiesen in den Jahren 1999 bis 2002 höhere durchschnittliche Nährstoffgehalte auf sowie weniger Blei, Quecksilber und Cadmium als noch Anfang der 90er Jahre (siehe Tab. „Entwicklung der Kompostqualität“). Das zeigt eine vom Umweltbundesamt initiierte Untersuchung bei den in der BGK zusammengeschlossenen Anlagen (Reinhold, 2004).

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Verwertung im Detail

Wie Bioabfall am sinnvollsten zu verwerten ist, hängt von dessen Zusammensetzung ab. Bei der Verwertung biogener Abfällen lässt sich unterscheiden:

  • Nasse Bio- und Speiseabfälle sind für eine Vergärung mit Biogasnutzung und anschließender stofflicher Verwertung der Gärreste geeignet.
  • Holzhaltige Bestandteile des Grünabfalls lassen sich am besten energetisch nutzen und können etwa als Brennstoff in Biomasseheizkraftwerken eingesetzt werden.
  • Für lignin- und zellulosereiches Pflanzenmaterial sind die Kompostierung und die Herstellung von Qualitätskompost die beste Verwendung. Hier wird der Energieinhalt der Bioabfälle nicht genutzt (siehe Schaubild „Verwertungswege des Bioabfalls“).

Sowohl die stoffliche Verwertung von Komposten und Gärresten auf Böden als auch deren energetische Verwertung liefern einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz. Eine Kombination von zwei Nutzungsformen wie zum Beispiel die Biogaserzeugung aus Bioabfällen mit anschließender Nutzung der Gärreste als Dünger wird auch als Kaskadennutzung oder Mehrfachnutzung bezeichnet. Dies wird derzeit verstärkt angestrebt.

Das Schaubild zeigt die möglichen Verwertungswege für Bioabfälle. Bei der Verbrennung kann Strom und Wärme gewonnen werden, bei der Vergärung wird Biogas erzeugt.
Schaubild: Verwertungswege des Bioabfalls
Quelle: Umweltbundesamt Schaubild als PDF
 

Bioabfall und Klimaschutz

Eine hochwertige Bioabfallbehandlung kann zum Klimaschutz beitragen. Entscheidend ist, wie emissionsarm der Betrieb der Behandlungsanlagen ist und wie effizient der Energieinhalt der Biomasse genutzt wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre zeigten, dass weniger von der technischen Ausstattung als von der Art und Weise, wie Anlagen betrieben werden, abhängt, wie viel der Klimagase Methan, Lachgas und Ammoniak frei werden (UBA, 2015). Bei manchen Betreibern von Bioabfallbehandlungsanlagen muss das Bewusstsein für klimarelevante Emissionen aus ihren Anlagen noch geweckt werden. Methanhaltiges Biogas kann als erneuerbarer Energieträger zwar einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Gelangt dieses Methan jedoch unverbrannt in die Atmosphäre, wirkt es als Treibhausgas 25mal stärker als Kohlendioxid. Methan kann unter ungünstigen Bedingungen sowohl bei der Kompostierung entstehen als auch aus Vergärungsanlagen entweichen.