Nach Prognosen des Bundesverkehrsministeriums für das Jahr 2030 werden die Fahrleistungen der Lkw-Flotte auf deutschen Straßen in den kommenden Jahren stark wachsen. Bereits in der Vergangenheit waren die Fahrleistungen und auch die Klimagasemissionen deutlich gestiegen. Daher waren Regelungen zur Minderung der Treibhaugasemissionen von schweren Nutzfahrzeugen überfällig.
Mit dem Beschluss der Verordnung (EU) 2019/1242 vom 20. Juni 2019 führte die EU erstmals CO2-Flottenzielwerte für SNF ein. Diese sahen vor, dass – basierend auf den Werten einer Vergleichsflotte 2019/20 – die durchschnittlichen spezifischen CO2-Emissionen pro Kilometer ab 2025 um mindestens 15 % niedriger sein müssen. Ab 2030 galt zunächst als Richtwert eine Verringerung um mindestens 30 % im Vergleich zu 2019/20.
Es wurden die vier bedeutendsten SNF-Klassen der Fahrzeugklassen N2 und N3 mit Zielwerten belegt. Um die CO2-Emissionen pro Kilometer zu ermitteln, werden Zugfahrzeuge bzw. Sattelzugmaschinen mit einem Standard-Anhänger bzw. -Trailer von den Herstellern getestet. Ab 2025 müssen Hersteller über die Einhaltung spezifischer ihnen auferlegter Flottenzielwerte berichten. Dabei gelten Anrechnungsfaktoren für Fahrzeuge mit geringen oder Nullemissionen (LEV und ZEV). Bei Nichteinhaltung der Flottenzielwerte müssen die Fahrzeughersteller Geldstrafen zahlen.
Die Überarbeitung der Verordnung (EU) 2019/1242 erfolgte 2024 mit der Verordnung (EU) 2024/1610 und resultierte in der Festlegung neuer Flottenzielwerte ab 2030 sowie einer erweiterten Definition von SNF. Der Anwendungsbereich umfasst nun auch Busse (Fahrzeugklasse M) und Anhänger (Fahrzeugklasse O). Darüber hinaus werden die Emissionsziele ab 2030 verschärft bzw. neu eingeführt: auf -45 % (2030), -65 % (2035) und -90 % (2040) für SNF. Zudem lässt die Definition von emissionsfreien Fahrzeugen (Zero-Emission Heavy-Duty Vehicles) nun die Verwendung von synthetischen Kraftstoffen (z. B. Wasserstoff nun auch im Verbrennungsmotor) zu. Neu hergestellte Stadtbusse müssen schon ab dem Jahr 2030 zu 90 % emissionsfreie Busse (ZEV) sein.
Das den Berechnungen der Flottenzielwerte zugrunde liegende Rechentool VECTO (Vehicle Energy Consumption Calculation Tool) wird kontinuierlich an den Stand der Technik wie zum Beispiel die Einführung neuer CO2-mindernder Technologien angepasst.