Synthetische Hormone wie z.B. 17α Ethinylöstradiol (EE2), ein Wirkstoff der Anti-Baby-Pille, aber auch das natürliche oder naturidentische Hormon Östradiol (E2) werden gezielt benutzt um den Hormonhaushalt beim Menschen zu regulieren. Beide Stoffe wie auch deren gemeinsames Abbauprodukt Östron (E1) finden sich daher auch in der Umwelt. Sie sind dafür bekannt, dass sie bereits im sehr niedrigen ng/l-Bereich die Reproduktion von Fischen nachhaltig beeinflussen. Da das Hormonsystem bei allen Wirbeltieren sehr ähnlich strukturiert ist, sind auch Fische sehr sensitiv gegenüber Hormonen und hormonaktiven Substanzen. Zudem ist bei Fischen die genetische Festlegung des Geschlechts im Gegensatz zu Vögeln und Säugetieren deutlich geringer ausgebildet. Dies ist der Grund, weshalb die Anti-Baby-Pille auch bei Fischen wirkt und zudem noch das Geschlechtsverhältnis der Fische beeinflusst.
In der ersten EU-Watch-List (EU COM 2015/495) wurden die Analytik und die Nachweisgrenzen für Östron (E1) und 17-beta-Östradiol (E2) von 0,4 ng/l und für 17-alpha-Ethinylöstradiol (EE2) von 0,035 ng/l vorgegeben. Die Analytik für 17-alpha-Ethinylöstradiol (EE2) war an drei der 24 Messstellen nicht sensibel genug, um die Nachweisgrenzen einzuhalten. Die PNEC der EU Kommission liegen für Östron (E1) bei 3,6 ng/l, für 17-beta-Östradiol (E2) bei 0,4 ng/l und für 17-alpha-Ethinylöstradiol (EE2) bei 0,035 ng/l. In den nachfolgenden Diagrammen sind die Jahresmittelwerte der Messungen 2016 dargestellt. An allen Messstellen, an denen der Jahresmittelwert für 17-alpha-Ethinylöstradiol (EE2) über der Bestimmungsgrenze liegt, wird die PNEC überschritten. Die PNEC für Östron (E1) und 17-beta-Östradiol (E2) werden an der Mündung der Emscher (NW03) überschritten.