Szenarien und Konzepte für die Klimaschutz- und Energiepolitik

Blick auf rauchende Schornsteine vor blauem Himmel mit wenigen Wolkenzum Vergrößern anklicken
Bis 2020 will die Bundesregierung die CO2-Emissionen um bis zu 40 Prozent gegenüber 1990 senken
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Was würde passieren, wenn…? Was muss getan werden, damit…? Die Politik braucht möglichst sichere Prognosen darüber, wie geplante Maßnahmen wirken. Umgekehrt können wir mit Szenarien untersuchen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, um ein geplantes politisches Ziel zu erreichen.

Szenarien und Konzepte

Energiekonzept 2050 der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat die Energiewende beschlossen. Schrittweise wird bis Ende 2022 vollständig auf die Stromerzeugung aus deutschen Kernkraftwerken verzichtet. Die Beschlüsse der Bundesregierung „Energiekonzept 2010″ und „Energiewende 2011″ sehen vor, den bereits begonnenen Umbau der Energieversorgung zu beschleunigen. Insbesondere der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sollen vorangetrieben werden. Dabei sind die Ziele des Klimaschutzes ebenso zu berücksichtigen wie die Sicherheit der Energieversorgung.

Was muss getan werden, damit Deutschland seine Ziele für die Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes erreicht?

Zusätzliche Klimaschutzinstrumente können in Deutschland knapp 42 Prozent der Treibhausgasemissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 einsparen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Politikszenarien VI – Treibhausgas-Emissionsszenarien bis zum Jahr 2030. Bis 2030 kann sogar fast eine 60-prozentige Minderung erreicht werden. Zugpferd wäre vor allem der Stromsektor. Hier kann zwischen 2009 und 2030 eine Einsparung von über 200 Millionen Tonnen CO2 erreicht werden. Ohne diese zusätzlichen Instrumente würden die Treibhausgasemissionen nur um 34 Prozent bis 2020 und um 44 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 sinken.

Energieziel 2050: 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen

Die UBA-Studie zeigt, dass eine Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien im Jahr 2050 realistisch ist. Dies ist mit der besten bereits heute am Markt verfügbaren Technik möglich. Das untersuchte Szenario „Regionenverbund″ belegt: Deutschland kann die Abhängigkeit von importierter Primärenergie deutlich reduzieren. Die Studie zeigt auch, wie die Stromversorgung umgestaltet, Netze und Speichersysteme ausgebaut und Stromeinsparmöglichkeiten ausgeschöpft werden können.

Modellierung einer autarken, dezentralen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

In dieser Studie wird ein Szenario untersucht, in dem im Jahr 2050 Gemeinden im ländlichen Raum und Stadtteile versuchen, ihren Strombedarf ausschließlich aus vor Ort vorhandenen regenerativen Quellen zu decken. Das bedeutet auch, dass keinerlei Anbindung dieser Siedlungen an ein externes Stromnetz besteht. Die Ergebnisse zeigen, dass das Konzept der lokalen Autarkie langfristig betrachtet in Einzelfällen, unter günstigen Bedingungen umgesetzt werden könnte. Es kann aber kein Ansatz für eine tragfähige regenerative Energieversorgung für ganz Deutschland sein, da häufig die lokalen Energiepotentiale nicht ausreichen. Die Erkenntnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit eines gut ausgebauten Stromnetzes, auch bei dezentraler Stromgewinnung.

Ein fast treibhausgasneutrales Deutschland ist möglich

Ein fast treibhausgasneutrales Deutschland mit einem klimaverträglichen jährlichen Pro-Kopf-Ausstoß von weniger als einer Tonne CO2- Äquivalenten im Jahr 2050 ist technisch möglich. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Treibhausgasneutrales Deutschland in 2050“.

95 Prozent weniger Treibhausgasemissionen sind möglich, wenn alle Sektoren einen Beitrag leisten. Neben dem Energiesektor (inklusive Verkehr) sind Industrie, Abfall- und Abwasserwirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft gefragt. Die Emissionen der Landwirtschaft und aus bestimmten Industrieprozessen lassen sich leider nicht vollständig vermeiden. Daher ist eine vollständig regenerative Energieversorgung das Kernstück des UBA-Szenarios – und zwar sowohl für die Strom-, als auch für die Wärme- und Kraftstoffversorgung.

Die Studie wurde am 10. und 11. Oktober 2013 auf der internationalen Konferenz „Elements of a greenhouse gas neutral society“ in Berlin vorgestellt. Mit internationalen Teilnehmern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, der Zivilgesellschaft und den Medien wurden Lösungsansätze für alle Sektoren, wie Energieversorgung, Verkehr und Industrie, diskutiert.

Klimaschutz durch Energieeffizienz

Bis 2020 will die Bundesregierung die CO2-Emissionen um bis zu 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Damit dies gelingt, sind rechtliche Instrumente für eine effizientere Energienutzung notwendig. Welche das sein könnten und wie sie ausgestaltet werden müssten, untersuchten Energierechtler der Universität Lüneburg im Auftrag des Umweltbundesamtes in der Studie Rechtliche Konzepte für eine effizientere Energienutzung (Stand 01/2008).

Konzeption des Umweltbundesamtes zur Klimapolitik – Notwendige Weichenstellungen

Das Umweltbundesamt stellt in dieser Veröffentlichung seine Konzeption für eine langfristige Klimaschutzpolitik vor. Sie orientiert sich an den beobachteten und zu erwartenden Klimaänderungen. Die Veröffentlichung zeigt die Auswirkungen der Klimaänderungen global und in Deutschland auf und benennt Anpassungsempfehlungen. Sie beschreibt zum Beispiel für die Bereiche Verkehr, Energieversorgung und Energienutzung die Maßnahmen und Instrumente, die notwendig sind, um Treibhausgase ausreichend zu mindern.

Führen die steigenden Energiepreise in den kommenden Jahren automatisch zu einem niedrigeren Energieverbrauch?

Die Studie Energiepreise und Klimaschutz - Wirkung hoher Energieträgerpreise auf die CO2-Emissionsminderung bis 2030 stellt die Auswirkungen von Veränderungen des Ölpreises auf Szenarien des Klimaschutzes bis zum Jahr 2030 dar. Die Ergebnisse der drei verschiedenen Szenarien (Referenz-, Hochpreis- und Preisschockszenario) zeigen, dass Klimaschutz auch in Zeiten hoher Energiepreise zumindest für den Bereich Stromerzeugung kein Selbstläufer ist.

Welche Rolle spielen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz für einen wirkungsvollen Klimaschutz?

Mehr erneuerbare Energien, Energieeffizienz und energiesparendes Verhalten sind der Schlüssel, den energiebedingten CO2-Ausstoß zu senken. Eine im Auftrag des UBA erstellte Studie zeigt globale Potenziale und Kosten auf. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Potenziale dieser drei Strategien in globalen Energieszenarien bisher nicht ausgeschöpft werden.

Umweltverträgliche Energienutzung

„Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können." (Brundtland Bericht, 1987)

Unsere Energieerzeugung und -nutzung ist gegenwärtig nicht umweltverträglich. Wir verbrauchen zu viel Strom, Brennstoffe und Kraftstoffe. Diese Endenergien stellen wir auf ineffiziente Weise bereit. Für die Energieversorgung setzen wir Primärenergieträger ein, die Umwelt und Klima zu stark belasten: Etwa 80 % aller Treibhausgasemissionen sind energiebedingt, d.h. sie entstehen bei der Umwandlung und Nutzung von Energie.

Die Nutzung von Energie muss drei Kriterien erfüllen, um dauerhaft umweltverträglich zu sein:

  1. In einem ersten Schritt muss der Verbrauch von Endenergien sinken, indem wir möglichst sparsam mit Strom, Brennstoffen und Kraftstoffen umgehen. Unseren derzeitigen energieabhängigen Lebenskomfort (z. B. eine warme und helle Wohnung oder die Herstellung eines Produktes) können wir mit deutlich geringerem Energieeinsatz erreichen als bisher.
  2. Zweitens müssen wir den verringerten Bedarf an Endenergie möglichst effizient aus Primärenergien decken. Heute geschieht dies überwiegend aus nichterneuerbaren Primärenergieträgern wie Kohle, Öl, Gas oder auch Uran. Unsere Energieversorgung sollte auf effizienteren Techniken basieren, zum Beispiel hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung.
  3. Wir sollten, drittens, möglichst viele erneuerbare Energien nutzen: idealerweise zu 100 Prozent, aber auf möglichst effiziente Weise. Denn auch die Nutzung der erneuerbaren Energien ist nicht frei von Belastungen für die Umwelt. Und je weniger Energie wir brauchen, umso mehr erhöht sich gleichzeitig der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch.

Um alle drei Kriterien einer umweltverträglichen Energienutzung umzusetzen und eine Energiewende einzuleiten, sind übergreifende Politikansätze  nötig. Solche Politikansätze sind kontinuierlich zu entwickeln und europäisch sowie international einzubringen.

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