Das bisher gültige Verfahren wurde Anfang der 1990er Jahre etabliert. Die seitdem veränderte Bauweise von Gebäuden hat zu einer Reduzierung der Luftwechselrate geführt, sodass – um die Einhaltung des Innenraumrichtwertes von 0,1 ppm (120 µg/m³) für Formaldehyd weiterhin zu gewährleisten – das Messverfahren angepasst werden musste. Das neue Verfahren ist die DIN EN 16516 „Bauprodukte: Bewertung der Freisetzung gefährlicher Stoffe – Bestimmung der Emissionen in die Innenraumluft“. Diese europäisch harmonisierte Prüfnorm DIN EN 16516 sieht einen höheren Wert für Beladung und einen niedrigeren Wert für Luftwechsel als die DIN EN 717-1 (bisherige Referenznorm) vor. Die mit der DIN EN 16516 geforderten Werte für Beladung und Luftwechsel orientieren sich daran, was in Gebäuden heute aus technischer und hygienischer Sicht anerkannte Regeln der Technik sind. Die DIN EN 717-1 hat als Prüfnorm den Anspruch, exakte Messergebnisse zu bekommen, aber es ist nicht der Anspruch, damit die Verwendung zu beschreiben.
Hinzu kommt, dass alle ab 2005 erteilten Mandate unter dem EU-Bauproduktenrecht, die Formaldehyd betreffen, einen Verweis auf M/366 bzw. EN 16516 enthalten. Keines dieser Mandate enthält einen Verweis auf die EN 717-1. Die Sicht des europäischen Gesetzgebers auf die Frage der zukünftigen Prüfnorm erscheint also eindeutig.
Die Beibehaltung der DIN EN 717-1 als zusätzliche Methode (mit Umrechnungsfaktor 2) ermöglicht es Prüfinstituten und Industrie, auch zukünftig die gewohnte Prüfnorm anwenden zu können.