Indikator: Luftqualität in Ballungsräumen

Ein Diagramm stellt für drei Luftschadstoffe dar, wie stark zwischen 2000 und 2016 im städtischen Hintergrund von Ballungsräumen im Durchschnitt WHO-Empfehlungen überschritten werden. Die Entwicklung der verschiedenen Schadstoffe ist unterschiedlich. zum Vergrößern anklicken
Abstand der durchschnittlichen Schadstoffkonzentrationen zu WHO-Empfehlungen...
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Die Grundbelastung in deutschen Ballungsräumen überschreitet die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO für drei wichtige Luftschadstoffe.
  • In der Nähe von Schadstoffquellen können die Belastungen sogar noch deutlich höher sein.
  • Bei Stickstoffdioxid und Feinstaub hat sich die Situation seit dem Jahr 2000 deutlich verbessert.
  • Die Belastung durch Ozon und Feinstaub ist stark von der Witterung abhängig. Die Werte schwanken deshalb stark.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Stickstoffdioxid (NO2), Feinstaub (PM2,5) und Ozon (O3) sind besonders relevant für die menschliche Gesundheit. Alle drei Schadstoffe belasten die Atemorgane. Feinstaub wird auch für viele vorzeitige Todesfälle verantwortlich gemacht (siehe Indikator „Gesundheitsrisiken durch Feinstaub“). Auch Ökosysteme werden durch Ozon geschädigt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat für Feinstaub und Ozon sogenannte Luftgüteleitwerte (WHO 2006) definiert. Für NO2 wurde in einem Forschungsbericht eine neue sogenannte Wirkungsschwelle vorgeschlagen (WHO 2013). Jenseits dieser Werte steigen die Gesundheitsrisiken deutlich. Diese Werte sind strenger als die Grenzwerte, welche die Luftqualitätsrichtlinie der EU festlegt.

Prekär ist die Luftqualität vor allem in Ballungsräumen, in denen ein Drittel der deutschen Bevölkerung lebt: Industrie, Verkehr und Wohngebiete liegen hier nah beieinander. Einbezogen werden die Messstationen, die die Belastung im „städtischen Hintergrund“ messen, also die Grundbelastung der Stadt. An verkehrsreichen Standorten in Städten kann die Belastung jedoch deutlich höher sein. Der Indikator stellt den mittleren Abstand aller Messstationen im städtischen Hintergrund von den Richtwerten der WHO dar. Auch bei negativen Indikatorwerten können einzelne Messstationen immer noch über den Zielwerten liegen.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Seit dem Jahr 2000 ist die Belastung durch Stickstoffdioxid und Feinstaub deutlich zurückgegangen. Setzt sich der Trend fort, können in absehbarer Zeit bei beiden Schadstoffen die WHO-Empfehlungen im Durchschnitt aller Messstationen des städtischen Hintergrundes unterschritten werden. Die Ozonbelastung ist stark schwankend. Dies liegt vor allem am Einfluss durch die Witterung: In heißen Sommern wie 2003 oder 2015 steigt die Ozon-Konzentration stark an. Deshalb kann für die letzten Jahre keine Aussage über den Trend der Entwicklung gemacht werden.

Die EU schrieb ihre Luftqualitäts-Ziele 2008 in der Luftqualitäts-Richtlinie fest (EU-RL 2008/50/EG). Aus Sicht des Umweltbundesamtes sollten die in der Richtlinie festgeschriebenen Grenzwerte langfristig auf die WHO-Empfehlungen bzw. -Wirkungsschwelle gesenkt werden. Doch auch die weniger ambitionierten Ziele der EU-Richtlinie verfehlt Deutschland noch zu großen Teilen (UBA 2016). Bis die Luft in den Ballungsräumen wirklich ausreichend „sauber“ ist, ist also noch ein weiter Weg zu gehen.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Der Indikator basiert auf Messdaten der Luftqualitätsmessnetze der Bundesländer. Betrachtet werden alle Messstellen eines Ballungsraums zur Messung der Belastung im städtischen oder vorstädtischen Hintergrund. Für diese Messstellen wird die Über- oder Unterschreitung der WHO-Empfehlungen für die drei Schadstoffe NO2, PM2,5 und O3 berechnet. Für jeden Ballungsraum wird der mittlere Abstand der Werte aller Messstationen zur WHO-Empfehlung errechnet. Die mittleren Abstände werden dann über alle Ballungsräume gemittelt und mit dem Wert der WHO-Empfehlung normiert.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Daten-Artikel „Luftbelastung in Ballungsräumen“.