Regulatorik
Zurzeit sind noch alle auf dem Markt befindlichen biozidhaltigen Antifouling-Produkte behördlich ungeprüft. Sie sind aufgrund von Übergangsregeln bis zur Entscheidung über deren Zulassung lediglich verkehrsfähig. In Deutschland müssen jedoch verkehrsfähige Biozid-Produkte bei der Bundesstelle für Chemikalien (BfC) gemeldet werden. Es findet dabei jedoch keine Prüfung der Produkte auf Wirksamkeit, Umweltauswirkungen oder Ähnliches statt. Diese erfolgt erst im Rahmen des Zulassungsverfahrens, welches für die ersten Antifouling-Produkte bereits begonnen hat.
Gemeldete Biozid-Produkte sind anhand einer Registriernummer (zum Beispiel N-12345) erkenntlich. Informationen über die in Deutschland gemeldeten Antifouling-Produkte, deren Hersteller, enthaltene Wirkstoffe, Verkehrsfähigkeit und Fristen finden Sie in der Datenbank der gemeldeten Biozid-Produkte auf der Internetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).
Zukünftig werden alle in Deutschland zugelassenen biozidhaltigen Antifouling-Produkte nach Abschluss des Produktzulassungsverfahrens in einer Datenbank auf der Internetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlicht werden.
Bisher sind von der BAuA nur die zugelassenen Wirkstoffe für Antifouling-Produkte veröffentlicht worden:
https://www.reach-clp-biozid-helpdesk.de/DE/Biozide/Wirkstoffe/Genehmigte-Wirkstoffe/Genehmigte-Wirkstoffe-0.html#PT21
Ob und welchen Biozid-Wirkstoff Ihr Antifouling-Produkt enthält, erfahren Sie zum Beispiel hier:
- auf dem Aufdruck auf der Dose (zum Beispiel „Wirkstoff: xxx“)
- im Sicherheitsdatenblatt des Produkts (zum Beispiel unter „Aktive Stoffe“)
- auf der Internetseite oder bei der Kundenhotline des Herstellers
- in der Datenbank der gemeldeten Biozid-Produkte der BAuA:
https://www.ebiomeld.de/DE/Offen/offen_node
Welche Produkte sind wofür geeignet
Bisher liegt es noch im Wesentlichen bei den Herstellern und Vertreibern, wofür sie ihre Produkte ausloben. Es gibt bisher, und es wird in Zukunft solche oder ähnliche Empfehlungen geben:
- Für harte Bewuchsverhältnisse im Salzwasser geeignet
- Für mäßig starke Bewuchsverhältnisse im Brackwasser wie auch in der Ostsee und in Flussmündungen geeignet
- Für schwachen Bewuchs im Süßwasser erlaubt und geeignet
Die Empfehlung „für alle Gewässer von Salz- bis Süßwasser geeignet“ bedeutet, dass diese Antifouling-Produkte, die im Salzwasser wirksam sind auch im Brack- und Süßwasser effektiv sind. Dennoch gilt, dass die Freisetzungsrate im Salzwasser höher ist und bei Befahren eines Brackwassers oder Süßwasserreviers absinkt, wenn das Produkt nicht für alle Bereiche formuliert wurde. Generell kann davon ausgegangen werden, dass Produkte für hohen Bewuchsdruck eine höhere Konzentration von Haupt- und Kobioziden aufweisen und auch eine höhere Leaching-Rate besitzen, und damit zu höheren Einträgen von schädlichen Bioziden in die Umwelt führen. Zudem ist darauf zu achten, dass nicht alle Biozide/Wirkstoffe auch für das Süßwasser genehmigt sind.
Grundsätzlich ist die Leaching-Rate, also die Freisetzung der in der Matrix enthaltenen Biozide, von der Erosion oder Polierung des Bindemittels abhängig. Da fast alle erodierenden oder polierenden Sportbootantifouling-Beschichtungen Kolophonium enthalten, wird dessen Löslichkeit im Wasser durch einen Zusatz von Zinkoxid reguliert. Die Löslichkeit des Kolophoniums ist wiederum stark von der Alkalinität, dem pH-Wert und der Salinität abhängig. Diese Beziehung ist besonders für Biozidprodukte in der Ostsee relevant, da die Salinität von West nach Ost abnimmt und ebenso die Leaching-Rate [4]. Gleichermaßen sinkt die Leaching-Rate bei steigender Alkalinität bzw. steigendem pH-Wert. Dies ist häufig der Grund, weshalb hochgefüllte Kupferprodukte z. B. in eutrophierten Flussmündungen wie der Trave oder der Warnow versagen. Die Salinität nimmt ab, der pH steigt, aber der Bewuchsdruck bleibt hoch. Absterbende Planktonblüten wie in Flussmündungen an der Ostsee oder in eutrophierten Meeresgebieten im Spätsommer erhöhen den pH-Wert und verringern die Leaching-Rate und somit die Wirksamkeit der Beschichtung. Daher ist eine Konzentrationsbegrenzung von Bioziden in Antifouling-Produkten nur begrenzt sinnvoll, wesentlich entscheidender ist die Leaching-Rate in den für den Einsatz empfohlenen Gewässern. In dem EU-Projekt CHANGE wurden für die Ostsee mehrere Vorschläge zur Begrenzung der Kupfer Leaching-Raten formuliert. Auf Grund von Messungen an exponierten Testplatten und Leaching-Raten-Bestimmungen mit Hilfe der Röntgenspektralanalyse wurden als kritische – als noch wirksame – Leaching-Raten empfohlen:
► 4,9 – 10,8 μg/cm2 Kupfer /Tag für die westliche Ostsee mit vorherrschender Salinität von 14 ‰
► 3,3 - 5,0 μg/cm2 Kupfer /Tag für die östliche Ostsee mit vorherrschender Salinität von 5 ‰
Anders sind Hartantifouling Produkte auf der Basis von Teflonverbindungen und inkorporierten Kupferverbindungen zu beurteilen. Bei diesem Produkttyp, der in vielen Süßwasser- und Brackwasser-Regionen in Deutschland sehr hohe Marktanteile besitzt, erodiert die Teflonmatrix nur geringfügig und die Leaching-Rate z. B. des Kupfers hängt von der Strecke ab, die das Kupfer im Bindemittel in Richtung Oberfläche zurücklegen muss. Daher sinkt die Leaching-Rate bei diesem Produkt-Typ mit der Zeit ab, unabhängig von Salinität und pH-Wert. Ähnliches gilt für Epoxidharze, die Kupferverbindungen in hohen Konzentrationen enthalten.
Erst in jüngster Zeit ist auch der Aspekt des Mikroplastikeintrags durch erodierende und selbstpolierende Antifouling-Produkte stärker beachtet worden [5]. Da sich im Einsatz alle Bestandteile der Beschichtung auflösen, werden somit die gesamten Bindemittel und Additive in das Wasser eingetragen. Bisher wurde ungeprüft davon ausgegangen, dass sich diese Polymere im Wasser vollständig abbauen. Dieses ist aber nicht der Fall, wie in mehreren Publikationen gezeigt werden konnte. Auch aus diesem Grunde sind Beschichtungen, die sich nicht auflösen, egal ob biozidhaltig oder biozidfrei, den klassischen Antifouling-Produkten vorzuziehen. Einige Hersteller haben angekündigt, biozidfreie, erodierende Beschichtungen auf den Markt zu bringen, die vollständig abgebaut werden können. Bei einem Kauf sollten hierzu Nachweise angefragt werden.