Wie kommt das Quecksilber in die Umwelt?
Quecksilber (chemisch Hg) ist ein natürlich vorkommender, nicht abbaubarer Stoff. Quecksilber ist in der gesamten Umwelt vorhanden. In der Atmosphäre reagiert es kaum mit anderen Stoffen. So verteilt es sich mehr oder weniger gleichmäßig über große Entfernungen. Quecksilber durchläuft in der Umwelt viele Stoffkreisläufe zwischen den Luft, Wasser und Boden, ehe es in tiefen Sedimentschichten eingeschlossen wird oder stabile mineralische Verbindungen eingeht und so schließlich nicht weiter verteilt werden kann.
Quecksilber gelangt über verschiedene Wege in die Umwelt. Zum einen sind dies natürliche Quellen wie Erosion, Vulkanausbrüche, Geysire oder wenn Biomasse verbrennt (z. B. Waldbrände, Steppenbrände), wodurch es aus gebundener Form wieder in die ungebundene Form übertritt. Zum anderen setzt der Mensch Quecksilber frei: Wir verbrennen fossile Brennstoffe für die Energieerzeugung (hauptsächlich Kohle), bauen Quecksilber ab und schürfen Gold bzw. bereiten es auf. Überall hier, aber auch durch andere Quellen, wie Zahnamalgam, wird Quecksilber in die Umwelt freigesetzt.
Einen Überblick über die Einträge von Quecksilber von Industriestandorten sowohl in die Luft als auch in Oberflächengewässer liefert das Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister (PRTR). In Deutschland melden die berichtspflichtigen Industriestandorte jährlich ihre Quecksilberemissionen an das PRTR. Grundlage hierfür ist die EU-Verordnung für die Errichtung eines Europäischen Schadstoffregisters (E-PRTR-Verordnung - EG-Verordnung Nr. 166/2006) und deren Umsetzung in deutsches Recht.
Die PRTR-Meldungen zu Quecksilber-Emissionen umfassen all die Standorte, die mehr als zehn Kilo Quecksilber pro Jahr in die Luft und / oder mehr als ein Kilo in das Wasser freisetzen. Die Emissionen aus Standorten, die unterhalb dieser Schadstoffschwellenwerte für Luft und Wasser liegen, müssen nicht an das PRTR gemeldet werden.
Tabelle 1 zeigt die Daten der PRTR-Meldungen für das Jahr 2013.
Aus den Branchen der „Papier- und Holzindustrie“, „Lebensmittelindustrie“, „Intensivtierhaltung und Aquakultur“ sowie „Sonstiger Industriezweige“ liegen keine PRTR-Meldungen zu Quecksilber-Emissionen vor.
Die in der PRTR-Berichterstattung für Deutschland betrachteten Betriebe haben für das Jahr 2013 insgesamt eine Freisetzung und Verbringung von über 7.500 kg Quecksilber gemeldet, davon 6.943 kg/a in die Luft, 422 kg/a in das Abwasser und 200 kg/a in die Gewässer, wobei 150 kg/a über Abwasserbehandlungsanlagen (Kommunale Kläranlagen) in die Gewässer gelangen.
Die Zahl der PRTR-Betriebe, die Quecksilber-Emissionen in die Luft meldeten, ging im Betrachtungszeitraum von 2007 bis 2013 kontinuierlich zurück. Auch die Quecksilber-Jahresfrachten reduzierten sich von 2007 bis 2013 um mehr als eine Tonne (Abbildung).
Der Energiesektor setzt am meisten Quecksilber in die Luft frei: 73 Prozent fallen dort an. Innerhalb des Energiesektors spielen Kraftwerke („Wärmekraftwerke und andere Verbrennungsanlagen mit einer FeuerungsWärmeLeistung von > 50 MW“) eine Rolle, sie setzen 5.000 kg/a frei.
Ins Wasser gelangt das Quecksilber aus Anlagen hauptsächlich aus der Branche der „Abwasser- und Abfallbehandlung“. Sie sind für 75 Prozent des gemeldeten Gesamteintrages verantwortlich. Hauptverursacher innerhalb dieser Branche sind die „Kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Leistung von >100.000 Einwohnergleichwerten“ mit einem Eintrag von 150 kg Quecksilber im Jahr 2013. Wir gehen aber davon aus, dass diese Zahl deutlich zu hoch ist, da sie überwiegend auf veralteten Emissionsfaktoren beruht, die aufgrund zu geringer Messempfindlichkeit geschätzt wurden und so zu hohe Werte ergeben. Neuere Untersuchungen mit empfindlicheren Analysenverfahren ergeben eine Abschätzung von deutlich weniger, nämlich etwa 17 kg Quecksilberemission aus allen Kläranlagen in Deutschland.
Das Quecksilber in den deutschen Oberflächengewässern stammt aus einer Reihe von Quellen und wird über unterschiedliche Pfade eingetragen. Die im PRTR gemeldeten Emissionen beschreiben nur einen kleinen Teil der Gesamteinträge in die Gewässer. Der weit überwiegende Anteil des Quecksilbers gelangt über andere Prozesse von Acker- und Siedlungsflächen in die Oberflächengewässer. Diese sowohl aus natürlichen als auch anthropogenen Quellen in die Luft abgegebenen Quecksilberemissionen lagern sich mit dem Niederschlag regional und überregional auf der Landoberfläche ab. Von dort gelangen sie über unterschiedliche Eintragspfade (z.B. Erosion, Straßenabläufe usw.) in die Oberflächengewässer.