Im Zentrum von Anpassungsbemühungen im Bereich Gesundheit stehen auf Bundesebene die Vernetzung von Akteursgruppen, geeignete politische Rahmensetzungen, die Unterstützung der Kommunen, das Monitoring sowie die Forschung und ein Wissenschaft-Praxis-Transfer. Zudem engagiert sich der Bund stark für Information und Aufklärung, um die Bürger*innen und insbesondere die vulnerablen Gruppen wie Ältere oder Vorerkrankte zu einem adäquaten Selbstschutz zu motivieren und zu befähigen.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert seit 2021 über das Internetportal klima-mensch-gesundheit.de zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit. Auf der Website finden Bürger*innen auch qualitätsgeprüfte Verhaltens- und Handlungsempfehlungen zu Hitze- und UV-Schutz. Das UBA informiert, unter anderem zusammen mit dem DWD, insbesondere zu den Themen Hitze11 sowie Luft- und Wasserverunreinigungen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert zu UV-Strahlung, deren Wirkung und Beeinflussung durch den Klimawandel sowie zu möglichen Schutzmaßnahmen. Von zunehmender Bedeutung sind Apps und gezielt versandte Newsletter, die über Risiken informieren (siehe Indikator GE-R-1) und zusätzlich individuell zugeschnittene Handlungsempfehlungen geben (siehe Indikator GE-R-3). Die intensive Öffentlichkeitsarbeit zeigt bereits Wirkung. So ist das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Hitze die Gesundheit und das Wohlbefinden beeinträchtigen kann, gestiegen (siehe Indikator GE-R-2).
Monitoring und die systematische, kontinuierliche Beobachtung des Krankheitsgeschehens (Surveillance) sind wesentlich, um aktuelle und künftige Gesundheitsrisiken besser einschätzen zu können. Der DWD leistet mit seinem Schwerpunkt Klimamonitoring und Wetterbeobachtung sowie Klimaprojektionen wichtige Beiträge. Das BfS koordiniert die Überwachung der UV-Strahlung, das UBA erhebt Daten zur Luftqualität und führt diese mit Länderdaten zusammen. Zudem untersucht das UBA die Auswirkungen des Klimawandels auch auf Zecken, Nagetiere und Stechmücken und die durch diese übertragbaren Krankheitserreger. Das UBA stellt dabei ein Modell zur bundesweiten Hantavirusprognose zur Verfügung und erarbeitet außerdem Maßnahmen zum nachhaltigem Management von Vektoren. Das Robert Koch-Institut (RKI) monitort seit 2023 im Sommer wöchentlich die hitzebezogene Übersterblichkeit, ist verantwortlich für die Umsetzung des Meldewesens nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) und entwickelt die Surveillance nichtübertragbarer Krankheiten und gesundheitsbezogene Risikoprofile weiter. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist im Monitoring von Vektororganismen aktiv und betreibt zusammen mit dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) den Mückenatlas (siehe Indikator GE-R-4).
Das RKI gibt im 2023 veröffentlichten Sachstandsbericht „Klimawandel und Gesundheit“ einen umfassenden wissenschaftlichen Überblick über die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels und die Möglichkeiten, diesen entgegenzutreten. Dabei sind Beiträge einer großen Zahl von (behördlichen) Institutionen, Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammengeflossen.12
Neben Information und Aufklärung bedarf es aber auch der Unterstützung von Gesundheitseinrichtungen. Hierfür hat das BMUV 2020 das Förderprogramm „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ aufgelegt. Es unterstützt soziale Einrichtungen dabei, sich gegen die Folgen des Klimawandels wie Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen. Die Laufzeit war zunächst bis 2023 begrenzt, die Förderung ist nun aber aufgrund der enormen Resonanz über 2023 hinaus bis 2026 verlängert worden. Ein Überblick über weitere Fördermöglichkeiten für Gesundheitseinrichtungen im Bereich Klimaanpassung, Klimaschutz und Ressourceneffizienz wurde im Auftrag des BMG für Deutschland erstellt13.
Großer Handlungsbedarf wird auf allen Ebenen, vom Bund bis zu den Kommunen, gesehen. Eine hohe Priorität besteht für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen, um Hitze- und UV-bedingten Auswirkungen sowie Erkrankungen vorzubeugen und Todesfälle zu reduzieren. Die vom BMUV geleitete Bund/Länder Ad-hoc Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ hat unter der Federführung des UBA im Jahr 2017 Handlungsempfehlungen für die Ausarbeitung kommunaler Hitzeaktionspläne entwickelt. Das BMUV hat im März 2022 ein Sofortprogramm zur Klimaanpassung für Kommunen auf den Weg gebracht, mit dem auch die Entwicklung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen gefördert wird. Auf Wunsch der Länder und der kommunalen Spitzenverbände startet das im Auftrag des BMUV gegründete Zentrum für KlimaAnpassung (ZKA) zudem ein Beratungsprogramm zu Hitzeaktionsplänen. Mit dem HitzeService-Portal (hitzeservice.de) wurde im Auftrag des BMG eine Plattform geschaffen, die Kommunen zur Planung und Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen konkret informiert und unterstützt.
9 - BMG – Bundesministerium für Gesundheit (Hg.) 2022: Klimapakt Gesundheit – gemeinsam für Klimaanpassung und Klimaschutz im Gesundheitswesen eintreten. Gemeinsame Erklärung des Bundesministeriums für Gesundheit, der Spitzenorganisationen im Gesundheitswesen sowie der Länder und kommunalen Spitzenverbände. Berlin, 7 S. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/G/Gesundheit/Erklaerung_Klimapakt_Gesundheit_A4_barrierefrei.pdf
10 - Rickerts V. 2019: Climate change and systemic fungal infections. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 62(5): 646–651. doi: 10.1007/s00103-019-02931-z
11 - Mücke H.-G., Matzarakis A. 2019: Klimawandel und Gesundheit: Tipps für sommerliche Hitze und Hitzewellen. Dessau-Roßlau, 10 S. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/klimawandel-gesundheit-tipps-fuer-sommerliche-hitze
12 - Adrian G., Dietrich M., Esser B., Hensel A., Isermeyer F., Messner D., Mettenleiter T.C., Paulini I., Riewenherm S., Schaade L., Tiesler R., Wieler L.H. 2023: Auswirkungen des Klimawandels auf Infektionskrankheiten und antimikrobielle Resistenzen – Teil 1 des Sachstandsberichts Klimawandel und Gesundheit 2023. Journal of Health Monitoring S3/2023. doi: 10.25646/11390
13 - Überblick über Fördermöglichkeiten zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung: https://www.pd-g.de/aktuell-im-fokus/nachhaltigkeit-im-gesundheitswesen