Großfeuerungsanlagen in Deutschland
In Deutschland gibt es circa 600 Großfeuerungsanlagen. Ein großer Teil davon befindet sich in den Kraftwerken der öffentlichen Versorgung und der Industrie. Daneben gibt es Großfeuerungsanlagen zur Wärmeversorgung von Industrie, Gewerbe und Haushalten. Der enorme Bedarf an Strom und Wärme in Deutschland erfordert noch immer den Einsatz großer Mengen fossiler und biogener Energieträger.
Aufgabe des UBA ist es, Strategien und Maßnahmen zur Senkung der damit verbundenen Umwelt- und Klimabelastungen auszuarbeiten und diese im Zuge der fachlichen Beratung an die Politik heranzutragen. Sie umfassen thematisch die Emissionen in die Luft und Maßnahmen zu deren Minderung, den Wasserverbrauch und die Abwasserreinigung, die in den Großfeuerungsanlagen anfallenden Abfälle und Nebenprodukte sowie umweltverträgliche Verfahren zu deren Verwertung. In allen genannten Bereichen betrachtet das UBA auch den sparsamen Energie- und Brennstoffeinsatz.
Der Begriff der Großfeuerungsanlagen umfasst alle Feuerungsanlagen mit einer Feuerungswärmeleistung von 50 Megawatt oder mehr, in denen Brennstoffe fossiler Herkunft – vor allem Braun- und Steinkohle sowie Erdgas – oder Brennstoffe biogener Herkunft wie Holz eingesetzt werden.
Die Großfeuerungsanlagen dienen überwiegend der Stromerzeugung in Wärmekraftwerken. Dort übertragen sie die Brennstoffenergie auf einen Gasturbinenprozess oder auf einen Dampfkraftprozess zum Antrieb von Turbinen: Diese wandeln das Gas oder den Dampf in elektrische Energie um. Erfolgt die Auslegung des Gasturbinen- oder Dampfkraftprozesses so, dass die Anlage neben Strom auch nutzbare Wärme bereitstellen kann, spricht man von einer Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Daneben gibt es Großfeuerungsanlagen zur reinen Wärmebereitstellung. Dies können Heizwerke zur Bereitstellung von Dampf, Heißwasser oder Warmwasser sein, aber auch Anlagen zur Wärmeübertragung an andere Stoffe, wie zum Beispiel Thermalöl oder Unterfeuerungen in Raffinerien.
Die hohe Umweltrelevanz der Großfeuerungsanlagen resultiert aus den mit ihrem Betrieb verbundenen gewaltigen Stoff- und Energieströmen. So haben die deutschen Steinkohle-, Braunkohle- und Erdgaskraftwerke im Jahre 2021 255 Terawattstunden elektrische Energie (brutto) bereitgestellt. Das sind rund 44% der gesamten Bruttostromerzeugung (Vergleichszahlen für 1990: 348 Terawattstunden, 63,3%). Der hierfür notwendige Brennstoffeinsatz in den Kraftwerken betrug 17,7 Millionen Tonnen Steinkohle (in Tonnen Steinkohleeinheiten), 108,9 Millionen Tonnen Braunkohle und 146 Milliarden Kilowattstunden Erdgas. Entsprechend dem Aschegehalt der festen Brennstoffe fallen bei ihrem Einsatz in Großfeuerungsanlagen große Mengen Flug- und Kesselasche, Schmelzkammergranulat und weitere Rückstände an (in Steinkohle-Großfeuerungsanlagen insgesamt ca. 2,6 Mio. t, in Braunkohle-GFA ca. 8,3 Mio. t, Angaben jeweils für 2019).
Wärmekraftwerke sind überdies die größten Wasserverbraucher. Alle zusammen – also einschließlich der Kernkraftwerke – benötigten im Jahre 2019 circa 8,8 Milliarden Kubikmeter Wasser. Der größte Teil des entnommenen Wassers wird für die Kühlung verwendet. Hinzu kommen weitere Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, wie etwa Einsatzstoffe für die Abgasreinigung. Darunter fallen alleine jährlich circa drei Millionen Tonnen Kalkstein für die Rauchgasentschwefelungseinrichtungen der Stein- und Braunkohlekraftwerke. Die Menge des von diesen Anlagen erzeugten Gipses belief sich im Jahre 2021 auf 5,1 Millionen Tonnen.