Maßnahmen zur Anpassung an Hitze und Trockenstress
Im Zuge des Klimawandels kommt dem Wasserhaushalt eine Schlüsselfunktion bei der Anpassung von Wäldern an zunehmende Trockenperioden und Hitzeereignisse zu. Um Temperaturextreme abzupuffern, ist bei allen waldbaulichen Maßnahmen daher besonderes Augenmerk auf den Erhalt bzw. die Verbesserung des Waldinnenklimas (u. a. hohe Luftfeuchtigkeit, geringe Lichtintensität, geringe Windgeschwindigkeiten) und des Bodenwasserangebots zu legen.
Eine Bewässerung als akute technologische Maßnahme (z. B. mit Beregnungsanlagen) zur Einschränkung des Trockenstresses wie auf landwirtschaftlichen Flächen ist wenig praktikabel, lohnt sich ökonomisch nicht (hohe Investitionskosten) und ist unter ökologischen Gesichtspunkten kaum zu rechtfertigen (hoher Wasserverbrauch). In bestimmten Wäldern (z. B. Auenwälder) lässt sich der Wasserhaushalt von Böden durch Wiedervernässung stabilisieren. Auch eine Wiederanhebung des Grundwassers im Fall eines abgesenkten Grundwasserspiegels im Wald kann sinnvoll sein. Als Antwort auf Trocken- und Hitzestress sind daher in erste Linie waldbauliche bzw. ökosystemare Anpassungsmaßnahmen vorzunehmen. Diese können am Waldumbau, der Baumartenzusammensetzung, an den Waldverjüngungsmethoden und der Wahl der Herkunft und genetischen Vielfalt innerhalb der Baumarten angesetzt werden.
Beim Waldumbau geht es in erster Linie um die Umwandlung von den in Deutschland stark verbreiteten Fichten- oder Kiefernmonokulturen zu artenreichen, mehrschichtigen und naturnahen Mischwäldern mit einer breiteren strukturellen und genetischen Vielfalt. Damit wird das Ziel verfolgt, die Resilienz forstwirtschaftlich genutzter Wälder und damit deren Anpassungsfähigkeit an Trocken- und Hitzestress zu erhöhen und gleichzeitig die Nutzungs-, Schutz- und Erholungsfunktionen sowie die biologische Vielfalt des Waldes langfristig zu sichern. Ein derartiger Waldumbau wird durch EU, Bund und Länder finanziell unterstützt. So wurden bis 2017 jährlich durchschnittlich 22.000 Hektar Wald umgebaut.
Die Naturverjüngung, bei der einzelne Bäume aus dem Bestand entfernt werden, um Keimlingen umstehender Bäume Lichtungen zu schaffen, stellt die günstigste und natürlichste Form der Walderneuerung dar. Aufgrund ihrer hohen genetischen Diversität bringt sie gegenüber künstlichen Verjüngungsverfahren die besseren Voraussetzungen für die Etablierung angepasster Baumindividuen mit. Oft kommt es dadurch aber nicht zu einem Wechsel der Baumarten, sodass der Bestand weiterhin trockenheits- und hitzeanfällig ist.
Im Unterschied hierzu ermöglichen die Aufforstung, ein von Menschenhand durch Saat oder Pflanzung angelegter Nachwuchsbestand, den Einsatz und Anbau trocken- und hitzetoleranter Baumarten. Die Anpassungsfähigkeit bei den verschiedenen Baumarten ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Die in Deutschland weit verbreitete Fichte, die generell eher kühle und feuchte Standorte bevorzugt, ist wenig trockenheits- und hitzetolerant. Da sie häufig außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets angebaut wird, wird ihrer Anpassungsfähigkeit klimawandelbedingt künftig weiter sinken. Für trockene bis sehr trockene Böden gelten Schwarzkiefer, Waldkiefer, Traubeneiche, Spitzahorn, Feldahorn und Winterlinde als sehr gut geeignet. Gut geeignet sind Lärche, Stieleiche, Bergahorn, Sommerlinde und Walnuss. Vornehmlich mit einem gezielten Anbau wärmetoleranter Arten durch eine „künstliche“ Verjüngung wird der Wald resilienter.
Auch Maßnahmen zur Erhöhung der Strukturvielfalt helfen die natürliche Anpassungskapazität von Wäldern gegenüber Hitze- und Trockenstress zu steigern. Damit ist sowohl die Mischung von Baumarten als auch von Altersklassen gemeint. Tiefer wurzelnde Arten, wie zum Beispiel Eiche, können mehr Wasser als sie selbst beanspruchen aus tiefer liegenden Bodenschichten über ihr Wurzelsystem in obere Bodenschichten transportieren. Flacher wurzelnde Arten wie zum Beispiel Buche profitieren hier von der "Nachbarschaft" mit der Eiche.
Im Zuge des Klimawandels kommt es nicht nur auf die Wahl der richtigen Baumart, sondern auch auf die Wahl der richtigen Herkunft an. Als "Herkunft" wird eine in einem begrenzten Teil des Verbreitungsgebietes der Art vorkommende Population bezeichnet. Sie ist gekennzeichnet durch eine bestimmte Ausstattung an Genen (Erbanlagen), die sie befähigt, unter bestimmten Umweltbedingungen zu überleben (Angepasstheit). Sie besitzt aber auch die Fähigkeit, sich auf neue Bedingungen einzustellen (Anpassungsfähigkeit), wenn ihre genetische Diversität ausreichend hoch ist. Große und genetisch variable Baumpopulationen werden mit Sicherheit die größten Chancen zum Überleben haben. Generell zeichnen sich daher genetisch eher variable Baumarten, wie die Tanne oder die Douglasie, durch eine geringere Sensitivität gegenüber Umweltveränderungen aus als tendenziell genetisch weniger variable Baumarten wie die Fichte.
Um Wälder an zunehmende Trocken- und Hitzeperioden anzupassen, wird in der Wald- und Forstwirtschaft neben bisher seltenen einheimischen auch auf eingeführte trocken- und hitzetolerante Baumarten zurückgegriffen (z. B. Roteiche, Douglasie, Japan-Lärche). Deren Verwendung wird aus naturschutzfachlicher Sicht kritisch gesehen, da diese Baumarten in der Regel weniger heimischen Arten Habitat bieten und einige von ihnen als invasiv eingestuft werden (z. B. Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), Rotesche (Fraxinus pennsylvanica). Bei der Pflanzung der Douglasie (Pseudotsuga menziesii) besteht zwar ein potenzielles Invasivitätsrisiko, dies wird jedoch als gering und durch die Waldbewirtschaftung als kontrollierbar eingeschätzt. In waldbaulichen Anpassungsstrategien sollten gebietsfremde Baumarten nur im Ausnahmefall und sehr restriktiv nach einer vorab durchgeführten umfassenden ökologischen Risikobewertung eingesetzt werden. In Schutzgebieten (z. B. Naturschutz- und FFH-Gebieten) sollte auf die Einbringung gebietsfremder Baumarten generell verzichtet werden. Zudem sollten sie durch ein explizites Monitoring in verschiedenen Inventuren (z. B. Bundeswaldinventur, Biotopkartierungen) beobachtet werden. Für bereits in der Vergangenheit eingeführte und als invasiv eingestufte Baumarten sind Bewirtschaftungsplanungen zu entwickeln, die geeignet sind, diese Arten zurückzudrängen bzw. eine weitere Verbreitung und negative Auswirkungen auf die Ökosysteme zu kontrollieren und zu reduzieren.
Indikatoren aus dem Monitoring zur DAS: Förderung des Waldumbaus | Erhaltung forstgenetischer Ressourcen | Humusvorrat in Waldböden | Rohholzverwendung | Holzbauquote | Forstliche Information zum Thema Anpassung