KLIMWALD – Erfolgreiche Klimaanpassung im Kommunalwald in Nordhessen

  • Gruppe von Personen befindet sich auf Exkursion im Wald auf einem Wirtschaftsweg an einer Böschung. Die Sonne scheint durch die jungen, schlanken hohen Bäume
    Veranschaulichen und von Erfahrung lernen: Jäger und Förster bei der gemeinsamen KLIMWALD-Exkursion zu erfolgreichem Jagdmanagement.
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- Nominiert für den Blauen Kompass 2018 -

Klimaanpassung im Wald ist erforderlich. Denn der Klimawandel droht die Anpassungsfähigkeit des Ökosystems Wald zu überfordern und damit die für die Gesellschaft wesentlichen Waldfunktionen zu beeinträchtigen.

Die waldbaulichen Möglichkeiten zur Vorbereitung der Wälder auf die Klimaveränderung sind prinzipiell bekannt. Aber ihrer Umsetzung stehen zwei Herausforderungen entgegen:

1. Waldbau: Allgemein gehaltene Handlungsempfehlungen zur Klimaanpassung im Wald müssen vor Ort in Strategien und konkretes Handeln überführt werden. Dazu müssen Entscheidungen getroffen werden. Für diesen Entscheidungsfindungsprozess ist bisher keine Systematik etabliert.

2. Wildschäden: Schlüsselfaktor für den Erfolg der waldbaulichen Maßnahmen zur Klimaanpassung ist die Vermeidung nicht tragbarer Wildschäden. Wildschäden verhindern regelmäßig die Entwicklung robuster Mischwälder. Jäger und Waldbesitzer haben zunächst divergierende Interessen und tauschen sich in der Regel nicht zielorientiert aus. Ergebnis ist eine im Sinne der Waldentwicklung nicht erfolgreiche Jagdausübung.

Für diese beiden Herausforderungen erarbeitet KLIMWALD Lösungsansätze am Beispiel von vier Kommunalwäldern in Nordhessen. Dazu werden Klimawandelfolgen für die Wälder dieser Kommunen analysiert. Unter Berücksichtigung der konkreten Bedingungen (Waldstruktur, Standort, Risikoklassifizierung) werden waldbauliche Empfehlungen präzisiert und systematisch in waldbauliche Entscheidungen überführt.

Die Reduktion von Wildschäden kann nur über eine Veränderung der Jagdausübung gelingen. KLIMWALD verfolgt das Ziel, dafür im bestehenden System mit allen erforderlichen Stakeholdern Lösungsansätze zu erarbeiten. Merkmale dieses moderierten Kooperationsprozesses im Konfliktfeld sind Wissensfundierung, Lösungsorientierung, Konsens- und Umsetzungsstreben. Ergebnis ist ein gemeinsam erarbeiteter und einvernehmlich beschlossener Wildtiermanagementplan, der dazu beiträgt, die waldbaulichen Ziele zur Klimaanpassung zu erreichen.

Eckdaten zur Maßnahme

Maßnahmenträger

MaßnahmenträgerCliMA - Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung, Universität Kassel; Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalplanung, Universität Kassel; Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie, Universität Kassel; Forstamt Wolfhagen, HessenForst
https://www1.uni-kassel.de/uni/umwelt/clima.html
Kooperationspartner

HessenForst, Forstamt Wolfhagen;
Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA)
Universität Kassel, Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie;
Universität Kassel, Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung;
Gemeinde Calden, Stadt Naumburg, Stadt Wolfhagen, Stadt Zierenberg
Zudem Hegegemeinschaft Naumburg, Jagdgenossenschaft Naumburg, NABU, Untere Jagdbehörde Landkreis Kassel, Verband der Jagdgenossenschaften und privaten Eigenjagdbesitzer im Landkreis Kassel e.V. (VJE), Jagdgenossenschaft Zierenberg, Jagdpächter Zierenberg
Bis August 2016: Kreisjagdverein Wolfhagen e.V., Landesjagdverband Hessen e.V., Rotwild-Hegegemeinschaft Wattenberg-Weidelsburg, Hegegemeinschaft Warmetal, Hegegemeinschaft Wolfhagen

Dauer und Finanzierung

Dauer

Beginn der Umsetzung
Wie hoch waren die (geschätzten) Kosten für die Umsetzung?

Fördersumme des Projektes: 295.000€, Gesamtvolumen ca. 500.000€.

Mit welchen Mitteln wurde die Maßnahme finanziert?

KLIMWALD wird vom BMU im Rahmen der Förderung von Leuchtturmvorhaben zur Klimaanpassung finanziert. Erhebliche Eigenanteile werden von den beteiligten Partnern eingebracht. Die Kosten für die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen sind lediglich bezüglich zusätzlicher direkter Kosten kalkuliert.

Beteiligung

Welche weiteren Personengruppen wurden an der Planung oder Umsetzung der Maßnahme beteiligt?

Kommunen als Waldbesitzer, Forst, Jagdausübungsberechtigte, Jagdgenossenschaften, Naturschutz, Hegegemeinschaften, Wissenschaft (Daten- und Sachgrundlage, neutrale Prozessführung).

Welche Formen der Beteiligung fanden statt?

ErläuterungVortragsveranstaltungen mit Raum für Diskussionen, Exkursionen, Leitlinienworkshop, Fokusgruppen als Forum der zielgerichteten und sachbezogenen Kooperation der relevanten Akteursgruppen.

Erfolge

Welche Erfolge wurden bis jetzt mit der Maßnahme erreicht?

Stimmen, die den Klimawandel und die Notwendigkeit von Leistungen der Jägerschaft zur Klimaanpassung im Wald in Frage stellen, sind deutlich weniger geworden.

Es ist gelungen, zwischen den verschiedenen Interessen Verständigung zu erreichen und ein von allen Akteuren getragenes Konzept zum Wildtiermanagement zu erstellen.

Durch die Kooperation wurden Vorbehalte abgebaut, es entstand eine Vertrauensgrundlage für die dauerhafte Weiterführung der Kooperation zur Klimaanpassung im Wald.

ErläuterungIm Rahmen des Vorhabens wurden Erfolgsindikatoren zur Überprüfung der Wirkung der erarbeiteten Maßnahmen definiert. Der Turnus und die Zuständigkeit für das Monitoring und - sofern erforderlich die Justierung der Maßnahmen - wurden erarbeitet und beschlossen. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass die Wirkung der Maßnahmen auch nach Beendigung der finanziellen Förderung sichergestellt ist.

Hindernisse

Welche Hindernisse gab es während der Umsetzung?

Es liegen Konflikte zwischen Nutzergruppen und Eigentümerinteressen vor. Dies führte zum Rückzug von Teilen der organisierten Jägerschaft von der Kooperation mit dem Projekt. Durch den Rückzug wurde deutlich, dass Unklarheit über die Art der Beteiligung der Jägerschaft an der Erarbeitung der Projektergebnisse besteht. Der Rückzug von Teilen der organisierten Jägerschaft von der Kooperation beeinträchtigt einerseits die Arbeit während des KLIMWALD-Projektes. Andererseits sind die deutlichen Vorbehalte von Teilen der Jägerschaft eine Hürde für die Replikation der Projektergebnisse.

Hat die Maßnahme negative Nebeneffekte?

Durch die waldbaulichen Maßnahmen zur Klimaanpassung werden die bisherigen Waldfunktionen aufrecht erhalten oder verbessert. Es entstehen keine neuen Konflikte. Gleichwohl verstärkt die Notwendigkeit der Klimaanpassung im Wald den bereits bestehenden Konflikt zwischen nachhaltiger Waldentwicklung und jagdlicher Nutzung des Waldes. Hier Lösungen zu finden ist eines der übergeordneten Projektziele.

Ansprechperson

Dr. Christian Henschke
Universität Kassel
Kurt-Schumacher-Straße 25
34117 Kassel
Deutschland
Abteilung CliMA, Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung
Telefonnummer+49 561 804 7261
+49 561 804 2784
Fax Nr.+49 561 804 7282

Ort der Umsetzung

Kurfürstenstr. 19
Forstamt Wolfhagen
34466 Wolfhagen
Deutschland

Kassel

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