LW-R-5: Pflanzenschutzmittel-Anwendung

Das Bild zeigt einen Mann, der in einem Maisfeld steht und die Blätter einer Maispflanze begutachtet. zum Vergrößern anklicken
Bei unberechenbareren Befall mit Schadorganismen, werden sorgfältige Bestandskontrollen wichtiger.
Quelle: Edler von Rabenstein / fotolia.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-R-5: Pflanzenschutzmittel-Anwendung

Der ⁠Klimawandel⁠ wird größere Unsicherheiten im Pflanzenschutz mit sich bringen. Diese sollten nicht dazu führen, dass der Absatz von Pflanzenschutzmitteln und die Intensitäten im Pflanzenschutz steigen. Für die Summe des Inlandsabsatzes ergab sich über den Gesamtzeitraum betrachtet ein steigender ⁠Trend⁠.

Die Linien-Grafik stellt die Summe des Inlandsabsatzes von Herbiziden, Fungiziden, Insektiziden (ohne inerte Gase) von 1991 bis 2017 in Wirkstoffmengen in Tausend Tonnen dar. Der Einsatz ist im Beobachtungszeitraum signifikant gestiegen. Weitere Linien zeigen ab 2007 auch den Behandlungsindex für Winterweizen und Wintergerste, beide ohne Trend, und von Winterraps. Bei Letzterem gibt es ebenfalls einen signifikant steigenden Trend.
LW-R-5: Pflanzenschutzmittel-Anwendung

Die Linien-Grafik stellt die Summe des Inlandsabsatzes von Herbiziden, Fungiziden, Insektiziden (ohne inerte Gase) von 1991 bis 2017 in Wirkstoffmengen in Tausend Tonnen dar. Der Einsatz ist im Beobachtungszeitraum signifikant gestiegen. Weitere Linien zeigen ab 2007 auch den Behandlungsindex für Winterweizen und Wintergerste, beide ohne Trend, und von Winterraps. Bei Letzterem gibt es ebenfalls einen signifikant steigenden Trend.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Meldungen gemäß § 19 Pflanzenschutzgesetz) Julius Kühn Institut und Staatliche Pflanzenschutzdienste der Bundesländer (Netz von Vergleichsbetrieben Pflanzenschutz)
 

Differenzierte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Die Auswirkungen der ⁠Klima⁠- und Witterungsverhältnisse auf den Befall landwirtschaftlicher Kulturen mit Schadorganismen lassen sich derzeit noch nicht konkret prognostizieren. Klar ist jedoch, dass Schadorganismen sehr empfindlich und spontan auf veränderte Witterungsverhältnisse reagieren können und dass Landwirtschafts- und Gartenbaubetrieben rasche und flexible Reaktionen auf auftretende Pflanzenschutzprobleme abverlangt werden.

Für Landwirtinnen und Landwirte wird damit eine genaue Beobachtung der eigenen Bestände im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes immer bedeutsamer. Dazu gehören vorbeugende Maßnahmen, um durch gesunde und widerstandsfähige Bestände auftretende (Witterungs-) Extreme und latente Befallssituationen abzupuffern, die sorgfältige Überwachung der Kulturen und die Berücksichtigung des Resistenzmanagements beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel unter Beachtung des Vorrangs für nicht-chemische Maßnahmen.
Der von Bund und Ländern beschlossene Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) zielt darauf ab, die Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen können, weiter zu reduzieren, die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu begrenzen. Der ⁠Klimawandel⁠ kann dazu führen, dass sich das Erstauftreten und die Entwicklung sowie die Infektions- bzw. Befallsbedingungen verschiedener Schadorganismen verändern. Darauf sollte mit gezielten Bestandesüberwachungen und der Beachtung sowie gegebenenfalls der Anpassung von Bekämpfungsrichtwerten reagiert werden.

Für die Praxis bedeutet dies, dass Produktionssysteme anzupassen sind und Investitionen in aktuelle und verbesserte ⁠Prognose⁠- und Entscheidungshilfesysteme zunehmen werden.

Bei der Interpretation langjähriger Datenreihen zum Absatz von Pflanzenschutzmitteln und zu den Intensitäten im Pflanzenschutz ist zu berücksichtigen, dass die Entwicklungen neben witterungsbedingten Ursachen durch zahlreiche weitere Faktoren beeinflusst werden. So kann unter anderem die steigende Spezialisierung der Betriebe mit sich bringen, dass vermehrt Probleme im Pflanzenschutz auftreten. Auch Entscheidungen für eine Minimalbodenbearbeitung mit dem Ziel Bodenschutz und Humusaufbau können zu einem höheren Unkrautdruck und zur Konkurrenz für die Kulturpflanzen führen.

Entscheidungen zur Bewirtschaftung können also zu einer vermehrten Anwendung von Pflanzenschutzmitteln führen, wenn deren Einsatz als „ultima ratio“ gemäß den Prinzipien des integrierten Pflanzenschutzes nicht zu vermeiden ist. Außerdem ist bei der Interpretation der Daten zu Absatzmengen und Intensitäten im Pflanzenschutz zu berücksichtigen, dass moderne hochwirksame Pflanzenschutzmittel eine zunehmende Verringerung der Einsatzmengen erlauben können, wenn die eingesetzten Mittel z. T. ökotoxikologisch stärkere Wirkungen haben. Diese Mittel können aus ökotoxikologischer Sicht allerdings trotz geringer werdenden Mengen das gleiche Risiko aufweisen wie ältere Mittel, die in höheren Mengen zum Einsatz kamen, sodass das Gesamt-Risikopotenzial auch bei gleichbleibendem Absatz steigen kann.

Dargestellt ist der Inlandsabsatz von Pflanzenschutzmitteln. Dieser gibt nur eine grobe Orientierung zu den Einsatzmengen in Deutschland, auch weil Pflanzenschutzmittel über die Grenzen Deutschlands hinweg gehandelt werden. Dieser Handel ist hier nicht berücksichtigt. In den letzten zwanzig Jahren haben sich die Absatzmengen mengenmäßig auf einem Niveau eingependelt. Sollten sich im Zuge des Klimawandels die Schaderregerspektren verändern, weil beispielsweise Unkräuter und -gräser sowie Insekten besonders von der wärmeren ⁠Witterung⁠ profitieren, dann könnte sich dies auch in den Anteilen der Wirkungsbereiche von Pflanzenschutzmitteln (⁠Herbizide⁠, Fungizide, Insektizide) am gesamten erfassten Inlandsabsatz niederschlagen. In den zurückliegenden zwanzig Jahren waren aber auch diesbezüglich noch keine Verschiebungen erkennbar.

Aussagen zur Intensität der Pflanzenschutzmittelanwendung ermöglicht der Behandlungsindex. Er verrechnet die Anzahl der in einem Jahr durchgeführten Anwendungen mit den Aufwandmengen einer jeden Spritzung im Verhältnis zur höchsten zugelassenen Aufwandmenge für die jeweilige Kultur und Indikation. Die Zu- oder Abnahme der Intensität der Pflanzenschutzmittelanwendung wird durch steigende oder sinkende Behandlungsindices ausgedrückt. Zu einer Zunahme der Intensität sollte es trotz der mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen im Pflanzenschutz nicht kommen.

 

Schnittstellen

LW-I-5: Schaderregerbefall

 

Ziele

Reduzierung der Abhängigkeit von der Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel, u. a. durch Einführung und Weiterentwicklung alternativer Pflanzenschutzverfahren, Züchtung widerstandsfähiger und resilienter Kulturpflanzen und Ausbau des Flächenanteils des ökologischen Landbaus (Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln 2013, u. a. Kap. 5.1 und 6.1.2; 5-Punkte-Programm des ⁠UBA⁠ für einen nachhaltigen Pflanzenschutz, Kap. III)

Weiterentwicklung und konsequente Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes zur Begrenzung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß (Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln 2013, Kap. 4.9 und 5.1)

Reduzierung und Kompensation der Risiken, die durch die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel entstehen können. (5-Punkte-Programm des UBA für einen nachhaltigen Pflanzenschutz, Kap. III)