Indikator: Nitrat im Grundwasser

Ein Diagramm stellt für die Jahre 2008 bis 2014 den Anteil der Grundwassermessstellen dar, an denen mehr als 25 bzw. 50 Milligramm pro Liter Nitrat gemessen wurden. Im dargestellten Zeitraum zeigen beide Teilindikatoren keine signifikante Entwicklung.zum Vergrößern anklicken
Anteil der Messstellen mit Überschreitung des Grenzwertes
Quelle: Umweltbundesamt und Länderinitiative Kernindikatoren (LIKI) auf Basis von Daten der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Die europäische Nitratrichtlinie verpflichtet Deutschland, Überschreitungen des Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter zu verhindern.
  • Seit 2008 wird der Grenzwert an rund 18 Prozent der Messstellen überschritten.
  • Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.
  • Die Landwirtschaft ist der wichtigste Verursacher hoher Nitratkonzentrationen im Grundwasser.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

In der Landwirtschaft wird Nutzpflanzen der erforderliche Stickstoff durch Dünger zugeführt. Oft wird der Dünger jedoch nicht standort- und nutzungsgerecht ausgebracht. Ist die Düngermenge zu hoch, nehmen Pflanzen den Stickstoff nicht vollständig auf. Der überschüssige Stickstoff wird ausgewaschen und gelangt als Nitrat ins Grundwasser und andere Gewässer. In Flüssen und Seen führt das zur Überdüngung (siehe Indikatoren „Ökologischer Zustand der Flüsse“ und „Ökologischer Zustand der Seen“).

Nitrat kann im Körper in Nitrosamine umgewandelt werden. Bei Säuglingen kann es dadurch zu einer Störung des Sauerstofftransports kommen (Methämoglobinämie). Aus diesen Gründen schreibt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) für Nitrat einen Höchstgehalt von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) vor.

Im Trinkwasser wird der Grenzwert zwar nur sehr selten überschritten (UBA 2015). Allerdings ist es aufwändig und teuer, in den Wasserwerken Nitrat aus dem Grundwasser zu entfernen.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Die europäische Nitratrichtlinie (EU-RL 91/676/ EWG) hat das Ziel, Verunreinigungen des Grundwassers durch Nitrat zu vermeiden. Regierungen müssen Aktionsprogramme entwickeln, mit denen Nitratgehalte über 50 mg/l verhindert werden. Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil hier die Richtlinie nur unzureichend umgesetzt wurde: Seit 2008 schwankt der Anteil der Messstellen, die den Grenzwert überschreiten, zwischen 17,5 und 19 %. Auch der Anteil der Messstellen mit einem erhöhten Nitrat-Gehalt über 25 mg/l stagniert seit 2008. Seit 2016 ist die Einhaltung des Nitrat-Grenzwertes auch Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung (Bundesregierung 2016).

Das zentrale Element zur Umsetzung der Nitratrichtlinie ist die Düngeverordnung. Diese wurde in einem langjährigen Prozess umfangreich überarbeitet und im Frühjahr 2017 verabschiedet. Die Auswirkungen dieser Neuregelungen werden sich erst in einigen Jahren zeigen. Es ist allerdings bereits jetzt absehbar, dass sie alleine nicht ausreichen werden, um die Ziele der Wasserrahmen- und Grundwasserrichtlinie zu erreichen. Die Wirksamkeit hängt zudem im Wesentlichen von einem Abbau des bestehenden Vollzugsdefizits ab: Eine verbesserte Kontrolle und Sanktionierbarkeit von Verstößen gegen das Ordnungsrecht ist dringend notwendig.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Deutschland muss regelmäßig Daten über den Zustand des Grundwassers an die Europäische Umweltagentur (EUA) übermitteln. Dafür wurden von den Bundesländern repräsentative Messstellen ausgewählt und zum EUA-Grundwassermessnetz zusammengefasst. Die Daten werden über das Umweltbundesamt an die EUA gemeldet. Der Indikator vergleicht die Messstellen, an denen der Grenzwert überschritten wird, mit der Gesamtzahl der Messstellen.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Daten-Artikel "Grundwasserbeschaffenheit".