„Dieselskandal“ und „Dieseltote“ sorgen für hitzige Debatte
Im September 2015 kommt es zum so genannten Diesel- oder Abgasskandal. Autos der Volkswagen AG haben eine illegale Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung ihrer Diesel-Fahrzeuge eingebaut. Damit halten die Autos die Grenzwerte zwar während der Prüfung auf dem Rollenprüfstand ein, aber nicht im Normalbetrieb auf der Straße. Das UBA misst und rechnet nach und zeigt im Frühjahr 2017: Die Flotte der Diesel-Pkw aller Hersteller stößt sogar noch deutlich mehr Stickstoffoxide aus, als kurz nach Bekanntwerden des Dieselskandals befürchtet. Selbst die Fahrzeuge nach der aktuellsten Euro-Norm 6 stoßen sechs Mal mehr Stickstoffoxide aus, als nach dem Grenzwert erlaubt.
Kein Wunder, dass noch bis 2016 an mehr als der Hälfte der deutschen Messstationen an stark befahrenen Straßen der Stickstoffdioxid-Jahresmittelwert über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt. Wie schädlich Stickstoffdioxid ist, zeigt das UBA 2018 mit einer viel diskutierten Studie: Demnach lassen sich in Deutschland für das Jahr 2014 statistisch etwa 6.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf die Stickstoffdioxid-Hintergrund-Belastung im ländlichen und städtischen Raum zurückführen. Außerdem fasst die Studie bekannte Zusammenhänge zwischen der Belastung mit Stickstoffdioxid und Krankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schlaganfall, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und Asthma zusammen.
Um mögliche Maßnahmen zur Senkung der Stickstoffdioxid-Belastung in Städten wird in Politik, Wirtschaft, Medien und Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Bei einem „Dieselgipfel“ zwischen der Bundesregierung und deutschen Automobilherstellern im August 2017 werden lediglich Software-Updates und Umtauschprämien für Diesel-Pkw beschlossen. Laut Modellrechnungen des UBA viel zu wenig, um den bereits seit 2010 geltenden Stickstoffdioxid-Grenzwert endlich in allen Städten einzuhalten. Viel mehr bringen würde die Nachrüstung so genannter SCR-Katalysatoren und generell: eine Verkehrswende in den Städten mit deutlich weniger Autoverkehr.
In einigen deutschen Städten kommt es zu räumlich begrenzten Fahrverboten wegen Grenzwertüberschreitungen, vielfach verhängt, weil Gerichte die Behörden dazu aufgrund von Klagen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) verpflichteten. Die Idee einer neuen „Blauen Plakette“, um Diesel-Pkw mit hohem Stickstoffoxid-Ausstoß gezielt aus Innenstädten zu verbannen, wird nicht umgesetzt.
- Pressemitteilung von 2015: Stickstoffdioxid wird Schadstoff Nummer eins
- Pressemitteilung von 2015: Alte Diesel müssen schrittweise raus aus der Innenstadt
- Pressemitteilung von 2017: Stickoxid-Belastung durch Diesel-Pkw noch höher als gedacht
- Pressemitteilung von 2017: Diesel-Pkw: Software-Updates reichen nicht aus für saubere Luft
- Pressemitteilung von 2018: Stickstoffdioxid führt zu erheblichen Gesundheitsbelastungen
- Themenseite zu Emissionsstandards für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge
- Themenseite zu Emissionsdaten im Verkehr
- FAQ zu Stickstoffdioxid & Gesundheit
- Sieben Fragen und Antworten zum Diesel