Einführung
Nicht jede in der Atmosphäre transportierte Substanz ist per se ein Luftschadstoff. Eine Schadwirkung tritt erst auf, wenn essentielle Substanzen beispielsweise im Übermaß vorliegen. Im Gegensatz dazu führen nicht essentielle Substanzen in jedem Fall zu Abwehrreaktionen der Pflanzen. Luftschadstoffe breiten sich in der Atmosphäre aus und werden großflächig in Ökosysteme eingetragen. Werden terrestrische Ökosysteme exponiert, treten durch unterschiedliche biochemische Mechanismen, Schadwirkungen auf. Luftschadstoffe können direkt oberirdische Pflanzenbestandteile exponieren, oder aber durch Deposition auf den Boden über das Wurzelwerk aufgenommen werden, wobei sich zudem die abiotischen Parameter des Bodens verändern können. Es gibt zwei Hauptwirkungsweisen von Luftschadstoffen auf die Vegetation und zwar können diese sofort toxisch wirken (z.B. Verätzungen der Blattoberfläche) oder chronisch toxisch (z.B. schleichender Effekt durch Mineralienentzug) wirken. Bei einer chronischen, schleichenden Vergiftung greifen die Entgiftungsmechanismen der Pflanzen. Die Auswirkungen auf Pflanzen oder ganze Ökosysteme können dabei über Jahre hinweg beobachtet werden, denn die Pflanzen-physiologischen Vorgänge kann man nicht beobachten. Diverse Effekte werden erst nach einer gewissen Zeit sichtbar wie z.B. Nekrosen oder der Niedergang ganzer Organismen oder eine Verschiebung von Organismusstrukturen.
Je höher der Genpool der in einem Habitat existierenden Arten ist, desto resilienter kann ein Ökosystem auf Stressoren, wie hier die Luftschadstoffe, reagieren (Artikel: Ökosystemintegrität). Das bedeutet, dass das Ökosystem seine Organisation erhalten kann und nicht auf einen qualitativ ärmeren Zustand verfällt.
Im Falle einer Schädigung terrestrischer Ökosysteme durch Luftschadstoffe, können diese ihre vielfältigen Funktionen im Naturhaushalt (zum Beispiel Puffer- und Filterfunktionen), die häufig auch für den Menschen von vitaler Bedeutung sind, nur noch eingeschränkt erfüllen. Es handelt sich dabei um sognannte Ökosystemdienstleistungen wie die Bereitstellung von sauberem Grundwasser und anderen Ressourcen, Hochwasserschutz oder die Eignung für Erholungszwecke. Bewertungsmethoden stellen deshalb zunehmend die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen und deren Beeinträchtigung, zum Beispiel durch Schadstoffbelastungen, in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Die Begrenzung der Luftbelastung ist deshalb ein entscheidender Schritt zum Schutz der Umwelt. Um das Ausmaß der Gefährdung von Ökosystemen durch Luftschadstoffe abzuschätzen, werden die eingetragen Schadstoffmengen mit ökosystemspezifischen kritischen Belastungsgrenzen (Critical Loads) verglichen. Dadurch ist es möglich, Belastungsschwerpunkte zu erkennen und Minderungsmaßnahmen zu optimieren