Die naturräumlichen, politischen, kulturellen und sozialen Gegebenheiten sind je nach Weltregion sehr unterschiedlich. Deshalb ist es sinnvoll, einzelne Länder der unterschiedlichen Kontinente genauer zu betrachten. Für die Länder Ägypten, Argentinien, Australien, Brasilien, China, Großbritannien, Indonesien, Neuseeland, Südafrika und die USA wurden die Potenziale für ambitionierten Klimaschutz in der Landwirtschaft analysiert. Zudem wurden ausgewählte Minderungsmaßnahmen vertieft betrachtet und quantifiziert sowie Hindernisse und Hemmnisse für die Umsetzung der Minderungsoptionen identifiziert.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Welche Minderungsoptionen am besten geeignet sind, variiert je nach Land und hängt von Faktoren wie lokalem Klima, Hauptprodukten der Landwirtschaft und bestehenden landwirtschaftlichen Systemen ab. Für jedes der 10 einzelnen Länder wurden die nationalen Gegebenheiten und aktuellen Minderungspläne untersucht, um festzustellen, wo zusätzliches Minderungspotenzial vorhanden ist. Zu diesem Zweck wurde eine qualitative Analyse der Merkmale und Umstände des Agrarsektors in jedem der ausgewählten Länder durchgeführt, basierend auf vorhandenen Emissionsprofilen für landwirtschaftliche Aktivitäten, sozioökonomischen Hintergrund, Handels- und Beschäftigungsdaten, aktuellen nationalen Klimapolitiken, der Anfälligkeit des Agrarsektors für die Auswirkungen der globalen Erwärmung sowie Trends bei Lebensmittelkonsum und -verschwendung.
Emissionsquellen in der Landwirtschaft unterscheiden sich je nach Land, aber es ergeben sich gemeinsame Muster, wobei Emissionen aus der Tierhaltung (enterische Fermentation), Güllemanagement, auf landwirtschaftlichem Land ausgebrachte Gülle und der Energieverbrauch auf dem Betrieb die bedeutendsten Beiträge zu den landwirtschaftlichen Emissionen in allen Ländern sind und Fermentation häufig die größte Quelle ist. In Ländern, in denen Reis ein Grundnahrungsmittel ist und umfangreich angebaut wird, machen Emissionen aus dem Reisanbau einen großen Anteil der gesamten landwirtschaftlichen Emissionen aus (z. B. China, Indonesien, Ägypten). Emissionen aus der Pflanzenproduktion stammen hauptsächlich aus der Verwendung von synthetischen Düngemitteln. In den meisten der analysierten Länder überdüngen Landwirte derzeit ihre Felder, auch aufgrund der niedrigen Kosten von Düngemitteln durch staatliche Subventionen, was zu erheblichen Nährstoffverlusten und entsprechender Umweltverschmutzung und Emissionen führt.
In einigen Fällen können LULUCF-Emissionen ("Land Use, Land Use Change and Forestry") die landwirtschaftlichen Emissionen völlig überschatten. Emissionen aus Landnutzungsänderungen werden im Allgemeinen durch die Entwaldung zur Ausweitung der Landwirtschaft angetrieben. Im Fall von Indonesien umfasst dies auch die Trockenlegung und Verbrennung von Mooren. Von den zehn untersuchten Ländern sind die Emissionen aus der Entwaldung besonders relevant für Indonesien und Brasilien, aber auch für Argentinien und die USA.
Die Relevanz und das Potenzial der einzelnen Maßnahmen sind sowohl regional als auch national unterschiedlich. Diese hängen unter anderem von den wichtigsten Agrarprodukten, dem Grad der Intensivierung der Produktionssysteme, den klimatischen Bedingungen und Anpassungsbedarf an den Klimawandel, den kulturellen und sozioökonomischen Bedingungen und der Art des Agrarhandels ab. Vor allem in Ländern, in denen die Ernährungssicherheit nicht für die gesamte Bevölkerung gewährleistet ist, muss jede Minderungsmaßnahme im Zusammenhang mit den nationalen Entwicklungsprioritäten betrachtet werden.
Drei Hauptfaktoren bestimmen, wo das größte Minderungspotenzial in einem Land liegt:
• die Hauptquellen von Emissionen im Land
• der Fußabdruck der bestehenden landwirtschaftlichen Systeme in Bezug auf ihre Emissionsintensitäten (tCO2e/Tonne Produkt)
• die Nachhaltigkeit der Produktionssysteme
Solche Produktionssysteme sind häufig mit einem hohen Ressourceneinsatz verbunden, die Emissionen in anderen Sektoren verursachen (z. B. Düngemittelproduktion, Energieverbrauch auf dem Betrieb) oder zu höheren indirekten Emissionen durch vermehrte Düngemittelanwendung und/oder Futtermittelproduktion für die Nutztierhaltung führen, einschließlich Emissionen durch Entwaldung zur Landnutzung.
Das Beenden der landwirtschaftlichen Expansion, welche insbesondere in tropischen Ländern (z. B. Brasilien und Indonesien) zur Entwaldung führt, hat das größte Minderungspotential. Aber auch die Verringerung der Emissionen aus der enterischen Fermentation birgt ein erhebliches Minderungspotenzial, insbesondere durch nachfrageseitige Maßnahmen zur Verringerung des inländischen Verbrauchs von tierischen Produkten. Die enterische Fermentation ist in den meisten Ländern, einschließlich der Schwellenländer, die wirtschaftlich stark von der Ausfuhr tierischer Erzeugnisse abhängig sind, eine zentrale Emissionsquelle. Während das Minderungspotenzial bestimmter agrarökologischer Praktiken wie Deckfrüchte und verbesserte Fruchtfolge auf der Grundlage der Literatur als eher begrenzt eingeschätzt wird, bieten sie dennoch zahlreiche Zusatznutzen, indem sie z. B. die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels fördern. Zudem sind es Maßnahmen, die ohne wesentliche Nachteile oder Risiken in großem Umfang umgesetzt werden können.
Weiterhin sind landbasierte Minderungsmaßnahmen, die die Kohlenstoffvorräte auf landwirtschaftlichen Flächen erhöhen, eine attraktive Option für den Klimaschutz und haben ein recht hohes Potenzial, zusätzliche Senken zu schaffen. Dazu zählen z. B. die Wiederherstellung von Grasland und dieAgroforstwirtschaft/Silvopastoralismus, bei der Gehölze mit Weideflächen und Tierhaltung kombiniert werden. Es bestehen jedoch viele Risiken und Unsicherheiten hinsichtlich ihrer effektiven Umsetzung. Aktivitäten zur Speicherung von Kohlenstoff in Biomasse sollten die Dekarbonisierung, die im Agrarsektor zur Erreichung von Klimazielen und mit 1,5 °C kompatiblen Emissionspfaden erforderlich ist, nicht ersetzen.
Neben der Minderung von Treibhausgasen in der landwirtschaftlichen Produktion, ist es unerlässlich zu betonen, dass ein nachhaltiger Pfad zur Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 °C ohne Änderungen der Ernährungsmuster, hauptsächlich in industrialisierten Ländern, nicht realisierbar ist.