WW-I-3: Hochwasser

Das Bild zeigt die Luftaufnahme an einer großflächig von einem Hochwasser überfluteten Landschaft. Die Siedlungsgebiete stehen komplett unter Wasser.zum Vergrößern anklicken
Hochwasser entstehen nach starken und langanhaltenden Regenfällen oder bei Schneeschmelze.
Quelle: mb67 / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-I-3: Hochwasser

Die Zeitreihe zum Hochwassergeschehen ist durch einzelne wiederkehrende Hochwasserereignisse sowohl im Winter als auch im Sommerhalbjahr geprägt. Signifikante Trends lassen sich nicht feststellen. Je nach Witterungskonstellation ergeben sich räumliche Schwerpunkte des Hochwasserauftretens. In der Regel sind aber mehrere Flussgebiete betroffen.

Die Stapelsäulen-Grafik zeigt die mittlere Anzahl der Hochwassertage im hydrologischen Winterhalbjahr (November bis April) und im hydrologischen Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) ab 1961 differenziert für die Flussgebiete von Donau, Rhein, Weser, Elbe und Eider/Schlei. Die Entwicklung im Flussgebiet der Donau zeigt im hydrologischen Winterhalbjahr einen quadratisch fallenden Trend, alle anderen Datenreihen sind trendfrei. Es gibt starke Schwankungen zwischen den Jahren.
WW-I-3: Hochwasser

Die Stapelsäulen-Grafik zeigt die mittlere Anzahl der Hochwassertage im hydrologischen Winterhalbjahr (November bis April) und im hydrologischen Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) ab 1961 differenziert für die Flussgebiete von Donau, Rhein, Weser, Elbe und Eider/Schlei. Die Entwicklung im Flussgebiet der Donau zeigt im hydrologischen Winterhalbjahr einen quadratisch fallenden Trend, alle anderen Datenreihen sind trendfrei. Es gibt starke Schwankungen zwischen den Jahren.

Quelle: Abflusspegel der Länder
 

Immer wieder Hochwasserereignisse

Im Vergleich zu den Schwankungen und Veränderungen des mittleren Abflusses sind Hochwasserereignisse stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit, da diese menschliche Aktivitäten ganz unmittelbar betreffen und Personen- und Sachschäden anrichten können.

Die Zeitreihe seit 1961 macht deutlich, dass das Hochwassergeschehen von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Dies gilt sowohl für das Ausmaß von Hochwasserereignissen als auch deren jahreszeitliche Verteilung. Für 79 über die Flussgebiete Deutschlands verteilte Pegel wurden die Hochwassertage ausgewertet. Hochwassertage sind Tage, an denen der mittlere Tagesabfluss höher ist als der für den jeweiligen Pegel ermittelte mittlere Hochwasserabfluss (MHQ) der Referenzperiode 1961 bis 1990. Der MHQ wird differenziert für das hydrologische Winterhalbjahr (November des Vorjahres bis April) und das Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) aus den jeweils höchsten Abflüssen (HQ) der einzelnen Halbjahre berechnet.

Mittelt man die Anzahl der Hochwassertage über alle betrachteten Pegel eines Flussgebiets, wird deutlich, auf welche Räume sich das Hochwassergeschehen in welchen Jahren konzentriert hat. Hochwasserereignisse können durch regional begrenzte Witterungskonstellationen ausgelöst werden. Im Sommer sind dies in der Regel über mehrere Tage anhaltende Regenfälle und Starkregenereignisse, die häufig sogar sehr lokal begrenzt auftreten. Im Winter führen häufig Tauwetterlagen verbunden mit Regenfällen zu Hochwasser, da es unter diesen Bedingungen innerhalb weniger Stunden zum Abfluss großer Schmelzwassermengen kommen kann.

Unter den Sommerhochwasserereignissen nach der Jahrtausendwende treten insbesondere die Jahre 2002 und 2013 hervor. Das Hochwasser im August 2002 betraf innerhalb Deutschlands vor allem das Elbe- und Donaugebiet. Es wurde durch tagelange, extreme Regenfälle verursacht und führte zu wochenlangen Hilfseinsätzen, um die Flutkatastrophe zu bewältigen. Auch das Hochwasser Ende Mai und Anfang Juni des Jahres 2013 wurde durch mehrtägige Regenfälle ausgelöst. Stark betroffen waren neben Deutschland und Österreich auch weitere Länder in Mittel- und Osteuropa. Der Mai des Jahres 2013 gehörte zu den niederschlagsreichsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Jahr 2017 sorgte im Juli das Tiefdruckgebiet Alfred für mehrtägige Regenfälle und führte vor allem im Harz und Harzvorland zu Hochwasser. Entsprechend war auch das Flussgebiet der Weser am stärksten betroffen.

Zum jüngsten großen Winterhochwasser kam es im Januar 2011 ebenfalls mit räumlichem Schwerpunkt im Elbe- und Maingebiet, aber auch die anderen großen Flussgebiete waren betroffen. Dem Hochwasser ging ein vergleichsweise niederschlagsreicher Dezember voraus, in dem sich auch in tieferen Lagen erhebliche Schneehöhen akkumulierten. So war ein beachtliches Wasseräquivalent in der Schneedecke gespeichert, als ab der zweiten Januarwoche mit einem atlantischen Tiefausläufer starkes Tauwetter einsetzte, das zu einem raschen Abschmelzen der Schneedecken auch im Bergland führte. Dem Tauwetter folgten unmittelbar mehrere Regengebiete mit ergiebigen Niederschlägen.

Die Entwicklung der Hochwassertage zeigt für die bisherige Zeitreihe weder für das Sommer- noch für das Winterhalbjahr einen signifikanten Trend. Die Entstehung des Hochwassers hängt stets mit besonderen Witterungskonstellationen zusammen, die aber bisher nicht systematisch und regelmäßig wiederkehrend auftreten. Auch zur Verteilung der Hochwassertage auf das hydrologische Winter- und Sommerhalbjahr lässt sich bisher kein Trend feststellen. Die Ereignisse treten in beiden Halbjahren auf, etwas vermehrt im Winter.

Ein einzelnes Hochwasserereignis lässt sich nicht mit dem Klimawandel erklären. Atmosphärenbedingungen und Großwetterlagen, die die Bildung von Hochwasser begünstigen, weisen eine große Variabilität auf. Mit der Erwärmung kann die Atmosphäre grundsätzlich mehr Wasserdampf speichern, also Feuchtigkeit aufnehmen, und das Potenzial für Starkregen nimmt zu. Westwindlagen im Winter könnten zunehmen ebenso wie die Häufigkeit und Ausprägung von sogenannten Vb-Zugbahnen im Sommer. Bei diesen Wetterlagen verlagern sich Tiefdruckgebiete vom Mittelmeer, wo sie sich mit Wasserdampf aufladen, nach Mitteleuropa. Häufig ziehen sie östlich an den Alpen vorbei und regnen sich dann an den östlichen Mittelgebirgen und dem östlichen Alpenvorland ab. Die die Vb-Zugbahn verursachende Wetterlage kann lange Zeit stationär bleiben und für Dauerregen oder auch Hitzewellen sorgen.

Neben dem Klimawandel beeinflussen allerdings auch zahlreiche andere Entwicklungen das Hochwassergeschehen. Zunehmende Versiegelung und Bodenverdichtung in den Einzugsgebieten sowie Begrenzungen natürlicher Überflutungsflächen und Eindeichungen führen zu höheren Abflüssen in den Flüssen.

 

Schnittstellen

BAU-I-3: Kühlgradtage

VE-I-1 + 2: Hochwassersperrungen und Niedrigwassereinschränkungen am Rhein

 

Ziele

Schutz gegen zunehmende Hochwasserrisiken in Flussgebieten (DAS, Kap. 3.2.14)

Festsetzung von Überschwemmungsgebieten und Schaffung von Rückhalteflächen (WHG, §§ 76 (2), 77)

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 Anpassung an den Klimawandel  KomPass  Monitoringbericht