1. Die Asiatische Hornisse – Aussehen und Lebensweise
1.1 Woran erkennt man die Asiatische Hornisse?
Im Vergleich zur Europäischen Hornisse (Vespa crabro) mit einem deutlich gelb-schwarz gemusterten Hinterleib, ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) insgesamt dunkler gefärbt und nur das letzte Drittel des Hinterleibs ist gelb-orange gemustert. Die Asiatische Hornisse hat eine schwarz-braune Brust und ein gelbes Gesicht mit orange-gelber Stirnzeichnung. Markant sind außerdem die gelben Füße, die ihr auch den Namen Asiatische Gelbfuß-Hornisse einbracht haben. Asiatische Hornissen sind insgesamt etwas kleiner als unsere heimischen Hornissen.
Zum Weiterlesen:
Universität Hohenheim – Landesanstalt für Bienenkunde „Vespa velutina – Lebensweise und Aussehen“ und weiteres Infomaterial
Verwechslungsgefahr gibt es mit der Europäischen Hornisse, die nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV[1]) in Deutschland geschützt ist und somit nicht bekämpft und ihre Nester nicht zerstört werden dürfen.
Die Asiatische Hornisse ist nicht mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia) zu verwechseln, die in Deutschland bisher nicht vorkommt.[2]
1.2 Wie ist die Lebensweise [3] der asiatischen Hornisse?
Das Hornissenjahr beginnt im Frühjahr, wenn die befruchteten Jungköniginnen aus ihrer Winterstarre erwachen und sich auf die Suche nach einem geeigneten Platz zum Nestbau machen. Zunächst wird ein kleines Nest gebaut, ein sogenanntes Gründungs- oder Embryonalnest. Das Gründungsnest wird meist bodennah, zum Beispiel unter Dächern oder in Hecken angelegt. Im Gegensatz zur Europäischen Hornisse bevorzugt die Asiatische Hornisse freie Standorte. Je nach Witterung, in der Regel ab circa 15Grad Celsius, sind Jungköniginnen unterwegs und damit auch zeitlich früher im Jahr zu sehen als Königinnen der europäischen Hornisse (Vespa crabro). Zunächst befindet sich nur die Königin im Nest und beginnt mit der Eiablage. Nach dem Schlupf der ersten Arbeiterinnen wird das Nest sukzessive vergrößert (Primärnest). Die Königin bleibt ab jetzt im Nest und legt Eier ab, aus denen sich Arbeiterinnen entwickeln. Die Arbeiterinnen fliegen aus um Nahrung für die Brut zu sammeln. Ungefähr 70 Prozent aller Primärnester beginnen im Sommer ein größeres, meist in Baumkronen gelegenes Sekundärnest (Filialnest) zu bauen. Sekundärnester können einen Durchmesser von bis zu 1 Meter erreichen und mehrere Tausend (im Mittel circa 3000 bis 5000) Hornissen beherbergen. In der Regel befindet sich das Filialnest in der Nähe zum Gründungsnest aber in deutlich größerer Höhe. Im Herbst schlüpfen im Sekundärnest Geschlechtstiere und die Jungköniginnen und Drohnen (Männchen) verpaaren sich. Pro Nest können so mehrere Hundert Jungköniginnen hervorgebracht werden. Erst im November sterben die Arbeiterinnen und Drohnen ab, die begatteten Jungköniginnen suchen sich einen Platz zum Überwintern. Das Nest ist dann verlassen und wird im nächsten Jahr auch nicht wieder besiedelt.
Zum Weiterlesen:
Zur Unterscheidung der Nester und dem richtigen Verhalten bei Sichtung hat die Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim alle wichtigen Informationen zusammengestellt.Universität Hohenheim - Merkblatt Gründungsnester
Universität Hohenheim - Merkblatt SekundärnesterVergleich Asiatische und Europäische Hornisse:
https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/biene_natur_06-2018_asiatische-hornisse.pdf
1.3 Die Asiatische Hornisse - ein Problem?
Die Europäische Kommission hat die Asiatische Hornisse 2016 auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung (Unionsliste)[4] gemäß Artikel 4 Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 [5] aufgenommen. Eine Listung als invasive Art nach dieser Verordnung erfolgt, wenn von gebietsfremden Arten im neuen Einbringungsgebiet eine Gefahr für die biologische Vielfalt ausgehen kann.
Zum Weiterlesen:
Bundesamt für Naturschutz – Neobiota.de – Artikel 4 Die Unionsliste
Aufgrund der fortschreitenden Ausbreitung wird die Asiatische Hornisse seit März 2025 in Deutschland als „etabliert“ geführt und unterliegt nach Artikel 19 der EU-Verordnung keiner Bekämpfungspflicht mehr. Für den künftigen Umgang mit der Art wurde ein Managementplan erstellt, der für die Asiatische Hornisse aus folgenden Maßnahmen besteht:
- Öffentlichkeitsarbeit (zum Beispiel durch Meldeportale)
- Fang und Beseitigung von Königinnen im Frühjahr
- Lokalisierung von Nestern (Primär- und Filialnester)
- Beseitigung von Nestern (unter anderem mechanisch oder chemisch durch Einsatz von Bioziden möglich)
Ziel des Managements ist es, mögliche negative Auswirkungen auf die Biodiversität zu minimieren.
Neben den Auswirkungen auf die Biodiversität kann die Asiatische Hornisse auch ein Problem für die Imkerei darstellen. Während sich adulte Hornissen von kohlenhydrathaltiger Nahrung ernähren (zum Beispiel Nektar, Baumsäfte, reifes Obst beziehungsweise Fallobst), wird für die Versorgung der Brut eiweißreiche Nahrung benötigt. Der Eiweißbedarf wird durch erbeutete Insekten gedeckt. Eine wissenschaftliche Studie (Pedersen et al., 2025[6]) hat den Mageninhalt von Larven unterschiedlicher Nester im Vereinigten Königreich, Spanien, Frankreich und der Insel Jersey untersucht. Es konnten insgesamt 1449 Taxa nachgewiesen werden, darunter Vertreter der Ordnungen der Hymenoptera (Hautflügler, zum Beispiel Bienen), Diptera (Zweiflügler, zum Beispiel Fliegen), Hemiptera (Schnabelkerfen, zum Beispiel Wanzen und Zikaden), Coleoptera (Käfer), Lepidoptera (Schmetterlinge und Motten) und Araneae (Webspinnen). Honigbienen waren die am häufigsten gefundenen Beutetiere und konnten bei Larven aus allen getesteten Nestern gefunden werden.
Im Gegensatz zu Vespa crabro, der europäischen Hornisse, bei der auf einem Quadratkilometer im Mittel ein bis zwei Nester zu finden sind, können es bei der Asiatischen Hornisse bis zu 15 Nester sein[7].
1.4 Tritt die Asiatische Hornisse überall in Deutschland auf?
Die Asiatische Hornisse wurde erstmals 2014 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nachgewiesen und hat sich seitdem über mehrere Bundesländer großräumig ausgebreitet. Eine von der Universität Hohenheim veröffentlichte Verbreitungskarte für 2024 zeigt, dass sich die Asiatische Hornisse bisher vor allem im Westen Deutschlands ausgebreitet hat, Einzelfunde gab es aber zum Beispiel auch in Hamburg[8].