Wesentliche Voraussetzung für einen angemessenen Umgang mit den Folgen des Klimawandels in den Unternehmen von Industrie und Gewerbe ist es, ein Bewusstsein für die Klimarisiken der eigenen wirtschaftlichen Tätigkeit zu entwickeln. Werden physische Klimarisiken, also die direkten und indirekten Auswirkungen von Extremwetterereignissen und deren Folgen sowie von graduellen Klimaveränderung, in Unternehmen nur unzureichend wahrgenommen, ist davon auszugehen, dass Prävention nicht oder nicht in ausreichendem Maß stattfindet (siehe Indikator IG-R-1). Die möglichen Konsequenzen einer mangelhaften Vorsorge können aber auch über das einzelne Unternehmen hinausgehen und Produktions- und Lieferketten insgesamt betreffen.
Physische Klimarisiken bestehen für die exportorientierte Volkswirtschaft Deutschlands sowohl für Klimawirkungen im Inland als auch im Ausland. Aufgrund der hohen Bedeutung des Außenhandels, internationaler Absatzmärkte und internationaler Produktions- und Lieferketten besitzt auch die globale Dimension der Klimarisiken Relevanz. Eine Abschätzung der Exposition des deutschen Außenhandels gegenüber dem Klimawandel zeigt, dass rund ein Drittel der 35 wichtigsten internationalen Handelspartner außerhalb der EU zu Ländern mit einem besonderen Klimarisiko zählt. Das Außenhandelsvolumen mit diesen Ländern und dessen Anteil an allen Importen und Exporten nahm seit 2008 zu (siehe Indikator IG-R-2). Durch die global zunehmenden Folgen des Klimawandels kann zukünftig auch die Zahl der wichtigen Außenhandelspartner mit einem besonderen Klimarisiko steigen. Insgesamt ist mit einer steigenden Bedeutung von Strategien für einen angemessenen Umgang mit den grenzüberschreitenden Klimarisiken zu rechnen. Die stärkere Differenzierung von Handelsbeziehungen oder risikomindernde Maßnahmen in ausgewählten, besonders durch den Klimawandel gefährdeten Ländern können Bestandteile solcher Strategien sein.
Entsprechend den verschiedenen potenziellen Klimawandelfolgen, die die einzelnen Unternehmen betreffen können, unterscheiden sich auch ihre Erfordernisse, sich an die wandelnden klimatischen Verhältnisse anzupassen. Zumindest in Teilen geben dabei bestehende rechtliche Regelungen den Rahmen vor oder stoßen die Umsetzung von Maßnahmen an. Dies gilt beispielsweise mit Blick auf die Auswirkungen von Hitze auf die Beschäftigten. Für Beschäftigte, die in Gebäuden arbeiten, formulieren die Arbeitsstättenregeln Vorgaben, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten bei hohen Außenlufttemperaturen zu erhalten. Für Arbeiten im Freien sieht das Arbeitsschutzrecht entsprechende Maßnahmen vor. Auch im Bereich der Normung sind Anpassungen von Bedeutung. So sind DIN- und ISO-Normen für Unternehmen wichtige Arbeitsgrundlagen in der praktischen Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen175.
Ein sparsamer Umgang mit potenziell knapper werdenden Ressourcen wie Wasser kommt auch den Unternehmen zugute. Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Wassereffizienz, also die je Einheit Wasser erzeugte Bruttowertschöpfung, bereits seit 1991 angestiegen, der Wasserbezug ist zurückgegangen (siehe Indikator IG-R-3). Dies ist im Kontext der Klimaanpassung positiv zu bewerten, da wassersparende Betriebe grundsätzlich besser gegen die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit gewappnet sind. Da die Industrie zu den großen wassernutzenden Bereichen gehört, enthält die Nationale Wasserstrategie auch für die industrielle und gewerbliche Produktion Ziele und Maßnahmen. Unter anderem sollen Mindeststandards für eine effiziente Wassernutzung festgelegt, Möglichkeiten zur Verwendung von Betriebs-, Regen- oder Grauwasser gestärkt und die Weiterentwicklung und Harmonisierung von Wasserentnahmeentgelten geprüft werden.176
Um Unternehmen zu unterstützen, stellt das UBA seit 2022 bezogen auf die EU-Taxonomieverordnung Empfehlungen für die Erstellung einer rechtskonformen Klimarisiko- und Vulnerabilitätsbewertung bereit, die eine notwendige Grundlage für ein systematisches Klimarisikomanagement in Unternehmen ist177. Darauf aufbauend gibt eine Broschüre Hinweise zur Integration des Klimarisikomanagements in die Unternehmensorganisation.178
Zudem stellen viele Bundesländer Informationsmaterialien zur Klimaanpassung in Unternehmen zur Verfügung oder organisieren Unternehmensnetzwerke zum Thema Klimaanpassung, in denen Unternehmen bei Fragen zur Analyse eigener Betroffenheiten oder zu geeigneten Vorsorgemaßnahmen und deren Finanzierung Unterstützung erhalten.
173 - Trenczek J., Eiserbeck L., Lühr O., Sandhövel M., Ibens D. 2022: Schäden der Dürre- und Hitzeextreme 2018 und 2019. Eine ex-post-Analyse. Prognos AG. 71 S. https://www.prognos.com/sites/default/files/2022-07/Prognos_KlimawandelfolgenDeutschland_Detailuntersuchung%20Hitzesommer%2018_19_AP2_3a_.pdf
173 - Kjellstrom T., Briggs D., Freyberg C., Lemke B., Otto M., Hyatt O. 2016: Heat, Human Performance, and Occupational Health: A Key Issue for the Assessment of Global Climate Change Impacts. Annual review of public health, 37: 97-112. doi: 10.1146/annurev-publhealth-032315-021740.
173 - Parsons K. 2014: Human Thermal Environments: The Effects of Hot, Moderate, and Cold Environments on Human Health, Comfort, and Performance. Boca Raton, 635 pp.
174 - Scholten A., Rothstein B. 2012: Auswirkungen von Niedrigwasser und Klimawandel auf die verladende Wirtschaft, Binnenschifffahrt und Häfen entlang des Rheins. Untersuchungen zur gegenwärtigen und zukünftigen Vulnerabilität durch Niedrigwasser. Würzburger geographische Arbeiten 107, 352 S.
174 - Ademmer M., Jannsen N., Kooths S., Mösle S. 2018: Zum Einfluss des Niedrigwassers auf die Konjunktur.Institut für Weltwirtschaft Kiel (Hg.). Kiel, 4 S. https://www.ifw-kiel.de/fileadmin/Dateiverwaltung/IfW-Publications/-ifw/IfW_Box/2018/box_2018-17_niedrigwasser.pdf
175 - UBA – Umweltbundesamt (Hg.) 2022: Normen, technische Regeln und Richtlinien zur Anpassung. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpassung-an-den-klimawandel/anpassung-auf-kommunaler-ebene/normen-technische-regeln-richtlinien-zur-anpassung#deutsches-institut-fur-normung-ev-din-international-organization-for-standardization-iso
176 - BMUV – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz 2023: Nationale Wasserstrategie. Berlin, 119 S. https://www.bmuv.de/wasserstrategie
177 - Dorsch L., Kind C., Fleischmann D., Loew T., Schauser I. 2022: Durchführung einer robusten Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse nach EU Taxonomie. Empfehlungen für Unternehmen. Dessau-Roßlau, 58 S. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/durchfuehrung-einer-robusten-klimarisiko
178 - UBA (Hg.) 2023: Physische Klimarisiken managen. Eine Einführung für Unternehmen. Dessau-Roßlau, 26 S. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/physische-klimarisiken-managen.