Aussehen und Vorkommen
Die Familie der Marienkäfer (Coccinellidae) gehört zur Ordnung der Käfer innerhalb der Klasse der Insekten. Weltweit sind etwa 5000 Arten beschrieben, in Mitteleuropa sind es etwa 100 Arten. Für Deutschland geht man von rund 80 Arten aus. Die bekannteste Art in Deutschland ist der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata). Marienkäfer sind weltweit verbreitet. Da sie warmes Klima lieben, sind sie besonders artenreich in subtropischen und tropischen Regionen (Afrika, Asien, Amerika und Australien) und im wärmeren Südeuropa vertreten.
Marienkäfer sind halbkugelförmig und werden je nach Art zwischen 1 bis 10 mm groß. Während Unterseite, Brust und Kopf in der Regel schwarz gefärbt sind, sind ihre verhärteten Flügeldecken unterschiedlich gefärbt. Die Grundfarben sind dabei gelb, rot, schwarz und braun. Auf den Flügeldecken sind meist zwei oder mehrere auffällige Punkte, die symmetrisch angeordnet sind. Die Anzahl der Punkte ist artspezifisch und oft auch namensgebend, zum Beispiel beim Siebenpunkt oder dem Zweipunkt (Adalia bipunctata). Die Anzahl der Punkte sagt dabei entgegen der Meinung des Volksmundes nichts über das Alter des Käfers aus, sondern ist ein Merkmal seiner Art. Es gibt auch Marienkäfer, die keine Punkte besitzen oder bei denen die Punkte so vermischt sind, dass die Flügeldecke schwarz wirkt. Da Marienkäfer auch innerhalb einer Art sehr variabel gefärbt sein können, reicht meistens die Färbung nicht für die Artbestimmung aus. Marienkäfer haben lange Fühler mit elf Segmenten, das letzte Segment ist verdickt. Männliche und weibliche Käfer unterscheiden sich kaum voneinander, weibliche Käfer sind geringfügig größer.
Die Entwicklung verläuft vom Ei über in der Regel vier Larvenstadien und ein Puppenstadium zum ausgewachsenen Käfer (Imago). Nach einer Ruhephase über den Winter findet die Paarung bald nach dem Erwachen im Frühjahr statt. Die Eiablage erfolgt bei vielen Arten in Eigelegen von bis zu 100 Eiern. Beim Siebenpunkt sind es in der Regel 10 bis 30 Eier pro Gelege, insgesamt werden pro Weibchen bis zu 1500 Eier abgelegt. Die Eier sind gelblich gefärbt und länglich. Die Eiablage erfolgt immer in der Nähe von Beutetieren, zum Beispiel einer Blattlauskolonie, an Blättern oder anderen Pflanzenteilen. Nach dem Schlupf beginnen die Larven sofort mit der Nahrungsaufnahme. Sowohl die Larven als auch die erwachsenen Käfer bevorzugen Blattläuse, verschmähen aber auch Schildläuse, Spinnmilben und Blattflöhe nicht. Auch Pilzmyzel wird gefressen. Einige wenige Arten, in Mitteleuropa sind es vier, fressen an Pflanzen und werden daher auch als Schädlinge angesehen. Ein Beispiel ist der Vierundzwanzigpunkt (Subcoccinella vigintiquatuorpunctata), der an einer Vielzahl von Pflanzen (zum Beispiel an Klee, Luzerne, Nelken, Dahlien) frisst.
Die Larven haben bei allen Marienkäferarten einen charakteristischen Körperbau: es gibt eine klare Unterteilung in Kopf, Brust (mit drei Beinpaaren) und Hinterleib (mit 10 gut erkennbaren Segmenten). Der Körper ist walzenförmig und hat am Kopf seine größte Breite. Die Größe verändert sich mit der Entwicklung der Larven, Junglarven sind etwa 1,5 mm groß während Larven des letzten Stadiums bis zu 15 mm groß sein können. Die Färbung ist in der Regel grau-schwarz und der Körper mit Borsten bedeckt. Die Beine sind gut ausgebildet und erlauben den Larven so das aktive Aufspüren ihrer Beute. Einige Arten sind von einem wachsartigen Belag bedeckt, zum Beispiel die Arten des Australischen Marienkäfers (Cryptolaemus montrouzieri). Das letzte Larvenstadium verpuppt sich, die Puppen sind auf Blättern oder anderen Pflanzenteilen befestigt. Die Käfer schlüpfen nach etwa 14 Tagen und sind nach dem Schlupf noch fast weiß bis gelblich, die Färbung erscheint erst einige Stunden später.
Die Anzahl an Blattläusen, die ein Marienkäfer und seine Larven vertilgen, ist von vielen Faktoren, unter anderem der Blattlausart und der Temperatur, abhängig. Für den Siebenpunkt geht man davon aus, dass ein einzelner Käfer täglich zwischen 50 bis 150 Blattläuse vertilgt. Larven fressen bis zur Verpuppung etwa 200 bis 600 Blattläuse. Marienkäfer und ihre Larven können kannibalisch leben und Käfer, Larven und Eier anderer Arten fressen, bei Nahrungsmangel infolge eines massenhaften Auftretens wird auch vor der eigenen Art nicht Halt gemacht.
Marienkäfer sind Teil des natürlichen Nahrungsnetzes und werden von anderen Insekten, zum Beispiel von Laufkäfern und Raubwanzen, gefressen. Außerdem dienen sie Vögeln, Spitzmäusen, Eidechsen und Fröschen als Nahrung. Marienkäfer werden auch von Parasiten befallen und als Wirte benutzt, so zum Beispiel von der Marienkäfer-Brackwespe, die ihre Eier unter die Deckflügel des Käfers legt. Die Larven der Brackwespe ernährt sich parasitär vom Käfer und nutzt ihn auch zur Verpuppung. Auch Ameisen, die die lebenden Blattläuse nutzen und beschützen, können den Käfern manchmal gefährlich werden, indem sie sie töten oder von den Blättern stoßen.