Tierarzneimittel belasten die Umwelt. Ihre Umweltrelevanz ist mit der von Pestiziden vergleichbar. Das bestehende Recht trägt diesem Umstand nicht hinreichend Rechnung. Die Vorgaben zur Prüfung und Bewertung von Umweltrisiken bei der Tierarzneimittelzulassung sind unzureichend. Im Revisionsprozess der EU-Tierarzneimittel-Richtlinie gilt es, drohende Verschlechterungen für den Umweltschutz zu verhindern, und Chancen für einen besseren Schutz der Umwelt im Tierarzneimittelrecht zu nutzen.
Tierarzneimittel belasten Böden und Gewässer und beeinträchtigen Ökosystemfunktionen. Hinsichtlich ihrer Umweltrelevanz sind viele Tierarzneimittel mit Pestiziden vergleichbar. Sie greifen bestimmungsgemäß in Lebensfunktionen ein und gelangen mit den Ausscheidungsprodukten behandelter Tiere in die Umwelt. Das bestehende Recht trägt diesem Umstand nicht hinreichend Rechnung. Im Pestizid- und Biozidrecht etablierte Verfahren zur regelmäßigen Überprüfung der Umweltwirkung zugelassener Wirkstoffe sind nicht etabliert.
Ein Umweltmonitoring, das frühzeitig Hinweise auf Belastungen und mögliche Defizite in der Zulassungspraxis von Arzneimitteln gibt, fehlt und die Kontrolle der Umweltrisiken nach der Zulassung ist unzureichend. Um den Umweltschutz zu stärken, wird sich dieses Projekt bei der aktuellen Revision des EU-Tierarzneimittelrechts für wirksame Maßnahmen des Umweltschutzes, für die Einführung eines überfälligen Alt-Wirkstoffprogramms, die Verpflichtung zu mehr Transparenz im Bereich Anwendung und Umweltvorkommen von Tierarzneimitteln und die Suche nach nachhaltigen Ansätzen zur Begrenzung des Arzneimitteleinsatzes einsetzen.
Ein nachhaltiger Schutz der Umwelt vor Tierarzneimittel-Belastungen bedarf darüber hinaus einer stärkeren Verankerung des Themas u. a. im Gewässerrecht oder im Bereich Tierhaltung. Der enormer Antibiotika-Einsatz in der Intensivtierhaltung und das gravierende Resistenzproblem verdeutlichen den bestehenden Nachhaltigkeitskonflikt, dessen Beseitigung Querschnittslösungen u. a. durch bessere Kohärenz erfordert.
Ob Fortschritte für den Umweltschutz im Rahmen der Revision des EU-Tierarzneimittelrechts durchsetzbar sind, wird entscheidend davon abhängen, ob Umweltinteressen ein maßgebliches Gegengewicht zu Wirtschaftsinteressen der Pharma- und Agrarwirtschaft einnehmen können.
Das Projekt soll das Thema „Risiken für die Umwelt aufgrund von Arzneimitteleinträgen“ durch verstärkte Medienpräsenz im öffentlichen Bewusstsein verankern.