Mit der „Zukunftsplattform 25“ hat das Spurenstoffzentrum des Bundes zum dritten Mal Raum für interdisziplinären Austausch zur Spurenstoffthematik geschaffen. Ziel der Veranstaltung ist es, über intensiven Dialog zwischen Herstellern, Wasserwirtschaft, Behörden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsame Ansatzpunkte und Strategien zur Verringerung von Spurenstoffeinträgen in Gewässer zu finden. Die anwesenden Stakeholder gestalteten die Veranstaltung aktiv mit und beteiligten sich an Diskussionsrunden, Ausstellungen und Vorträgen. Insgesamt rund 75 Teilnehmende nutzten den Raum der Veranstaltung für Austausch und Vernetzung. Im thematischen Fokus standen dieses Mal Herausforderungen im Umgang mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) und der weit verbreiteten Trifluoressigsäure (TFA). Einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt stellten Spurenstoffeinleitungen dar, die nicht durch das kommunale Abwasser erfasst werden können.
Die Zukunftsplattform 25
Eröffnet wurde die „Zukunftsplattform 25“ durch Prof. Dr. Lilian Busse, Vizepräsidentin des Umweltbundesamtes.
Prof. Dr.-Ing. Adolf Eisenträger, Leiter des Spurenstoffzentrums, stellte nachfolgend neue relevante Spurenstoffe aus 2025 vor, zu denen unter anderem quartäre Ammoniumverbindungen und vier Arzneimittelwirkstoffe zählen. Er berichtete zu freiwilligen und regulatorischen Maßnahmen zur Reduzierung der Spurenstoffeinträge in Gewässer und beleuchtete am Beispiel von Trifluoressigsäure grundsätzliche Fragen des Trinkwasserschutzes.
Mikroverunreinigungen im industriellen Abwasser
Zu Spurenstoffeinträgen aus dem industriellen Bereich stellte Dr. Jens Prothmann von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) ein umfangreiches Forschungsvorhaben vor. Mittels verschiedener analytischer Ansätze wurden organische Mikroverunreinigungen in Abwässern industrieller Anlagen identifiziert.
PFAS und TFA im Fokus
Um den zweiten inhaltlichen Schwerpunkt der Veranstaltung einzuleiten, präsentierte Dr. Stefan Kacan vom Umweltbundesamt einen umfassenden PFAS-Beschränkungsvorschlag. Dieser wurde auf wissenschaftlicher Basis von den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland erarbeitet und soll nach Diskussion mit Stakeholdern sowie Gremien der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) schließlich der EU-Kommission zur Entscheidung vorgelegt werden.
Dr. Karsten Nödler vom Technologiezentrum Wasser griff den Gedanken des Trinkwasserschutzes mit seinem Vortrag zu Trifluoressigsäure (TFA) wieder auf. Er betonte die Leitgrundsätze Minimierung und Vorsorge im Hinblick auf den Trinkwasserschutz, da TFA über viele Quellen in Gewässer eingetragen wird und die Wasseraufbereitung vor Herausforderungen stellt.
Interaktive Zusammenarbeit
Um mit der „Zukunftsplattform 25“ Raum zum interaktiven und interdisziplinären Austausch zu schaffen, wurden verschiedene Themenschwerpunkte in kleineren Gesprächsrunden diskutiert. Hierbei wurden unter anderem Begrenzungsmöglichkeiten für industrielle Spurenstoffeinträge sowie PFAS- und TFA-Einträge und das Instrument der „Runden Tische“ thematisiert. Die Ergebnisse der insgesamt fünf Gesprächsinseln präsentierten die Teilnehmenden anschließend gegenseitig mit Raum für Fragen und weitere Impulse.
Nationale und europäische Perspektiven auf den Gewässerschutz
Den zweiten Veranstaltungstag eröffnete Joachim D'Eugenio aus dem Direktorat C – Zero Pollution der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission mit einem Vortrag zur Europäischen Wasserresilienzstrategie und ihrer Bedeutung für Spurenstoffe. Er betonte, dass jetzt die Zeit zum Handeln ist, um umfassenden Gewässerschutz leisten zu können. Der politische Rahmen sei gesetzt, Umsetzung auf lokaler Ebene müsse folgen. Zudem bestehe großes Potential in der Wasserresilienz, um zur Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit beizutragen.
Dr. Stephan Luther vom Bundesumweltministerium (BMUKN) knüpfte in seinem Vortrag an die europäische Perspektive auf Spurenstoffe des Vorredners an. Er hob die Wichtigkeit der Reduktion von Stoffeinträgen in Gewässer an der Quelle hervor. Dieser Ansatz in Bezug auf Herstellung und Anwendung sei zusätzlich zu allen wasserrelevanten Richtlinien und deren Umsetzung weiterhin erforderlich. Er betonte, dass der Spurenstoffdialog einen wichtigen Baustein für das Management von Spurenstoffen darstellt.
Anknüpfend an quellenorientierte Maßnahmen legte Dr. Thomas Hillenbrand vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung die Notwendigkeit freiwilliger Ansätze zur nachhaltigen Verringerung von Spurenstoffbelastungen unserer Gewässer dar. Er stellte Ergebnisse der bisherigen „Runden Tische“ und eine Initiative zu Modellkommunen vor. Kommunen seien zentrale Handlungsorte und Akteure für freiwillige Maßnahmen. Das so entstehende Netzwerk biete vielfältige Chancen für den Gewässerschutz.
Innovative Impulse aus der Praxis
Abgerundet wurde die „Zukunftsplattform 25“ durch Kurzvorträge zu praxisnahen Innovationen und Forschungsvorhaben. In diesem Zusammenhang stellte Prof. Dr. Patrick Bräutigam vom Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart Vorhersagemodelle zur Abbaubarkeit von Spurenstoffen in der vierten Reinigungsstufe vor. Prof. Dr. Carolin Huhn von der Universität Tübingen beleuchtete die Bedeutung der Quellensuche zur Minderung von Stoffeinträgen am Beispiel von Glyphosat. Durch Dipl.-Ing. Danny Rambow wurde ein integratives Abwasserreinigungskonzept der Wolfsburger Entwässerungsbetriebe in Zusammenarbeit mit den Fraunhofer-Instituten für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik sowie für System- und Innovationsforschung präsentiert. Prof. Dr. Dr. h.c. Henner Hollert von der Universität Frankfurt ging auf die integrierte Bewertung von Grundwasserökosystemen anhand des Triade-Ansatzes ein.
Mit durchweg positiver Resonanz zeigte das Veranstaltungsformat der „Zukunftsplattform“ auch dieses Mal, wie wichtig der Dialog zwischen Herstellern, Wasserwirtschaft, Behörden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ist, um Spurenstoffeinträge in Gewässer zu reduzieren.