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Stromspeicher

Großbatteriespeicher auf einem Feld in Vogelperspektive
Großbatteriespeicher können es erleichtern, erneuerbare Energien in das Stromsystem zu integrieren.
Quelle: claffra / iStock / Getty Images Plus

Stromspeicher werden zunehmend wichtiger, um erneuerbare Energien in das Stromsystem zu integrieren. Batteriespeicher wurden in den letzten Jahren aufgrund der deutlich gesunkenen Kosten sowohl in Deutschland als auch global stark beschleunigt zugebaut.

Inhaltsverzeichnis

Stromspeicher als Baustein der Energiewende

Zentrales Element der Energiewende ist es, Strom aus erneuerbaren Energien zu nutzen und Brennstoffe sektorenübergreifend durch Strom zu ersetzen. Windenergie und Photovoltaik (PV) weisen in Deutschland die größten Ausbaupotenziale auf und sind bereits heute die wichtigsten erneuerbaren Stromquellen. Sowohl Windenergie als auch Photovoltaik sind dargebotsabhängig, das heißt, die Verfügbarkeit unterliegt großen tages- und jahreszeitlichen Schwankungen. 
Um diese Herausforderungen zu adressieren, ist es sinnvoll und notwendig, unterschiedliche Flexibilitätsoptionen zu nutzen. Diese ermöglichen auch bei dargebotsabhängiger Stromerzeugung, Stromangebot und -nachfrage auszugleichen, während gleichzeitig die erneuerbaren Potenziale möglichst weitgehend ausgenutzt werden. Eine Möglichkeit hierzu ist, Stromspeicher einzusetzen. Diese lassen sich insbesondere in Kurzzeitspeicher, wie Pumpspeicher- und Batteriespeicherkraftwerke, und Langzeitspeicher, wie die wasserstoffbasierte Stromspeicherung, unterscheiden. Sie können erneuerbaren Strom bei einem Überangebot einspeichern und wieder bereitstellen, wenn die Nachfrage höher als das Stromangebot ist. Seit der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) 2023 liegen nach § 11c Anlagen zur Speicherung elektrischer Energie im überragenden öffentlichen Interesse und dienen der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit. Dadurch hat der Gesetzgeber ihren Stellenwert hervorgehoben und gesetzlich verankert. Für Wasserstoff wird der Status des überragenden öffentlichen Interesses mit dem Wasserstoffbeschleunigungsgesetz angestrebt. Das Bundeskabinett hat den Entwurf am 01.10.2025 beschlossen.

Der bedarfsgerechte Netzausbau und das europäische Verbundnetz ermöglichen überregionale Ausgleichseffekte. Stromspeicher und sektorenübergreifend flexible Verbraucher stellen weitere wichtige Flexibilitätsoptionen dar. Werden beispielsweise mehr PV-Heimspeicher und Wärmepumpen samt Wärmespeichern eingesetzt, sind zukünftig große Speicherkapazitäten mittels Lastmanagement nutzbar. Bei der Elektromobilität kommt darüber hinaus perspektivisch die Rückspeisung in das Stromnetz hinzu (bidirektionales Laden).

Grundsätzlich existieren unterschiedliche Konzepte, um Strom zu speichern. Dabei wird oftmals die elektrische Energie in andere Energieformen (mechanisch, chemisch, thermisch) umgewandelt. Die Speichertypen unterscheiden sich also hinsichtlich der Energieform des eingespeicherten Stroms und ihrer Speicherkapazität. Die voraussichtlich wichtigsten Energiespeicher für erneuerbaren Strom werden Batteriespeicher, Pumpspeicherkraftwerke und Wasserstoff über Elektrolyse, Zwischenspeicherung und Rückverstromung sein.
Es existieren darüber hinaus zahlreiche weitere Konzepte wie Schwungradspeicher, Superkondensatoren oder Carnot-Batterien.
 

Batteriespeicher

Batteriespeicher fungieren als Kurzzeitspeicher und speichern den Strom durch erzwungene elektrochemische Reaktionen. Sie können schnell Leistung zur Verfügung stellen, um kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Je nach stationär installierter Kapazität lassen sich folgende Speicher voneinander unterscheiden:

  • Heimspeicher (< 30 Kilowattstunden (kWh)),
  • Gewerbespeicher (30 kWh bis 1 Megawattstunde (MWh)) sowie
  • Großbatteriespeicher (> 1 MWh).

Die gesamtheitlich installierte Kapazität in Deutschland entfällt derzeit überwiegend auf kleine Heimspeicher, die oftmals in Verbindung mit PV-Anlagen installiert werden. Bislang entfalten diese nur selten einen systemischen Nutzen oder eine netzentlastende Wirkung, weil oftmals lediglich die Erhöhung des Autarkiegrads oder Eigenverbrauchsanteils im Vordergrund steht.

Alle Batteriespeicher bestehen im Kern aus Batteriezellen, die elektrisch miteinander zu Modulen verbunden werden. Die Module wiederum werden so zusammengesetzt, dass die angestrebten Leistungs- und Kapazitätskenndaten erreicht werden. Die einzelnen Zellen bestehen dabei aus zwei Elektroden, einem Elektrolyten und gegebenenfalls einer Membran als Separator. Im Elektrolyten findet ein Ionentransport statt, während gleichzeitig ein elektrischer Strom durch Verbindungskabel zwischen den Elektroden fließt.

Blei-Säure-Batterien sind bereits seit vielen Jahrzenten etabliert und technisch ausgereift, werden aber zunehmend in ihren Anwendungsfeldern durch Lithium-Ionen-Batterien verdrängt. Die Zellen bestehen aus bleihaltigen Elektroden und einem schwefelsäurehaltigen Elektrolyten. Die gravimetrische Energiedichte, also die nutzbare Energie bezogen auf das Gewicht der Batterie, fällt durch die hohe Atommasse des enthaltenen Bleis sehr gering aus. Dafür sind auch die Materialkosten und dementsprechend die Anschaffungskosten gering. Blei-Säure-Batterien weisen bei hohen Ladezuständen keine beschleunigte Alterung wie Lithium-Ionen-Batterien auf, wodurch sie gut zur Notfallversorgung geeignet sind. Allerdings ist die Zyklenstabilität gering ausgeprägt, was zu verkürzten Lebensdauern führen kann. Aufgrund der potenziell umwelt- und gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffe ist es wichtig, die Stoffkreisläufe der Batterien zu schließen. Das Recycling ist durch die weltweit lange Tradition als Starterbatterie etabliert und weist sehr hohe Sammel- und Verwertungsquoten auf. 

Lithium-Ionen-Batterien haben sich durch technologische Fortschritte und eine beachtliche Preisdegression über die letzten Jahre stark verbreitet. Sie werden in allen Größenordnungen eingesetzt, vom kleinen Heimspeicher über Elektromobilität bis hin zu Großbatteriespeicherprojekten. Während in Deutschland nach wie vor kleine Heimspeicher einen Großteil der installierten Kapazität ausmachen, stieg der Anteil an Gewerbe- und Großspeichern kontinuierlich über die letzten zwei Jahre. 

Die Zellen von Lithium-Ionen-Batterien bestehen aus einer negativen Elektrode, zumeist Graphit, und einer positiven Elektrode. Für die positive Elektrode kommen viele verschiedene Aktivmaterialien in Frage, jeweils mit spezifischen Vor- und Nachteilen. Die zwei gängigsten sind Lithium-Eisen-Phosphat und Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid. Der flüssige Elektrolyt besteht aus organischen Lösungsmitteln mit Lithiumsalzen, wobei auch feste und auf Polymeren basierende Elektrolyte möglich sind. Bezüglich Energiedichte, Effizienz und Lebensdauer sind Lithium-Ionen-Batterien aktuell konkurrenzlos. Allerdings sorgt die Gewinnung der enthaltenen Metalle, wie Lithium und Kobalt, aufgrund umwelt- und menschenrechtlicher Auswirkungen wiederkehrend für öffentliche Diskurse. Kobalt wird dabei nur für ausgewählte Zellarchitekturen benötigt, in denen der Anteil des enthaltenen Kobalts bereits deutlich herabgesetzt wurde. Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien werden konzeptionell ohne Kobalt hergestellt. Den Lithiumbedarf können zukünftig auch Natrium-Ionen-Batterien als Alternative verringern. Sie befinden sich in einem früheren Entwicklungsstadium und sind erst allmählich kommerziell erhältlich. Die gravimetrische Energiedichte ist vergleichbar mit der von Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien.

Neben Lithium und Kobalt werden für Lithium-Ionen-Batterien noch weitere Rohstoffe, wie Kupfer, Aluminium, Nickel und Graphit, benötigt. Seltene Erden sind dagegen nicht enthalten. Die Gewinnung all der Rohstoffe ist mit großen Umweltauswirkungen in den Herkunftsländern verbunden. Die Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltschutzstandards gestaltet sich aufgrund langer, undurchsichtiger globaler Lieferketten als schwierig. Um den Bedarf an Primärrohstoffen zu verringern ist es daher notwendig, die Wertstoffkreisläufe weitestmöglich zu schließen. Dabei sind vor dem Recycling und der Rückgewinnung einzelner Metalle die Weiternutzungs- und Reparaturpotenziale auszuschöpfen. Ausgediente funktionsfähige Lithium-Ionen-Batterien aus der Elektromobilität können beispielsweise als stationäre Energiespeicher dienen. Für dieses Anwendungsfeld ist die Energiedichte eine weniger kritische Größe als für mobile Anwendungen, da dadurch lediglich der selten limitierende Platzbedarf ansteigt. Dazu muss zuvor der Alterungszustand systematisch charakterisiert werden.

Redox-Flow-Batterien unterscheiden sich grundlegend von den zuvor genannten Konzepten. Es werden dabei zwei Elektrolyte in externen Tanks eingesetzt, die über Pumpen durch die Reaktionszellen zirkulieren. Die beiden Kreisläufe sind in den Zellen über ionenleitende Membranen kontaktiert, wodurch ein Ladungsausgleich stattfinden kann. Darüber hinaus ist das Aktivmaterial, welches beim Laden und Entladen elektrochemisch reagiert, nicht Bestandteil der Elektroden. Es liegt wie bei Brennstoffzellen gelöst im Elektrolyten vor und kann zum Beispiel aus metallischen Verbindungen von Vanadium, Eisen oder Zink bestehen. Auch organische und polymere Aktivmaterialien sind möglich. Die elektrochemischen Reaktionen laufen an den Elektrodenoberflächen ab. Über die Größe der Tanks kann die Kapazität variiert werden, über die Pumpgeschwindigkeit des Elektrolyten und die Elektrodenoberfläche die Leistung der Redox-Flow-Batterie. Das ermöglicht große Flexibilität bei der Auslegung, weist allerdings auch einen erhöhten Flächenanspruch auf. Die gravimetrische Energiedichte bei der Vanadium-Redox-Flow-Batterie fällt etwa um den Faktor 10 geringer aus als bei Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien. Insbesondere für große stationäre Anwendungen können Redox-Flow-Batterien allerdings perspektivisch eine Alternative darstellen. Sie ermöglichen kostengünstig höhere Kapazitäten mit längeren Ausspeicherzeiten als Lithium-Ionen-Batterien, sodass sie die Lücke zwischen Kurz- und Langzeitspeichern schließen können. Zudem lassen sich Redox-Flow-Batterien nach dem Ende ihrer Lebenszeit vergleichsweise leicht zerlegen. Der werthaltige Elektrolyt lässt sich entweder wiederaufbereiten, sofern die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, oder thermisch verwerten. Die Zahl der in Deutschland installierten Redox-Flow-Batteriespeicher stieg zwar zuletzt an, vor allem durch Heimspeicher getrieben, wird aber von den installierten Lithium-Ionen-Batterien deutlich übertroffen.

Pumpspeicherkraftwerke

Pumpspeicherkraftwerke sind eine bewährte, langjährig erprobte Technik zur Speicherung von Strom in Form potenzieller Energie des Speicherwassers. Bei Angebotsspitzen und in Schwachlastzeiten verwendet man den überschüssigen Strom, um damit Wasser aus einem Unterbecken in ein Oberbecken zu pumpen. Wird wieder Strom benötigt, wird das Wasser abgelassen und eine Turbine erzeugt Strom. Die Speicherkapazität hängt von dem Volumen des Oberbeckens und der Höhendifferenz zwischen Ober- und Unterbecken ab. Pumpspeicherkraftwerke realisieren Ausspeicherzeiten von mehreren Stunden bis hin zu wenigen Tagen und sind dabei sehr effizient. Sie agieren daher ähnlich zu Redox-Flow-Batteriespeichern an der Schnittstelle zwischen Kurz- und Langzeitspeichern und glätten bereits heute das PV-Erzeugungsprofil im Tagesverlauf. Allerdings ist das Ausbaupotenzial durch Umweltauflagen aufgrund der gravierenden Eingriffe in Gewässer, sowie mangels in Frage kommender Standorte und Akzeptanz in der Bevölkerung begrenzt. Dies zeigt sich daran, dass rund drei Viertel aller deutschen Pumpspeicherkraftwerke, die nicht bereits stillgelegt sind, vor 1980 in Betrieb genommen wurden.

Wasserstoff

Um Wasserstoff innerhalb einer vollständig regenerativen Stromversorgung langfristig zu speichern, sind saisonale Stromspeicher notwendig, um trotz der fluktuierenden Erzeugung aus Wind und PV die Versorgungssicherheit ganzjährig gewährleisten zu können. Dafür eignen sich vor allem jene Stromspeicher, die erneuerbaren Strom in Form stabiler chemischer Verbindungen zwischenspeichern können. Dafür elementar ist beispielsweise elektrolytisch hergestellter Wasserstoff. Dieser kann gespeichert und in Turbinen oder Brennstoffzellen rückverstromt werden.

In Überschusszeiten, wenn also die Einspeisung aus erneuerbaren Energien größer ist als der Verbrauch, wird Strom über Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt. Wenn die erneuerbaren Energien nicht den momentanen Verbrauch decken können, wird aus dem Wasserstoff wieder Strom erzeugt. Wasserstoff kann grundsätzlich analog zu Erdgas gespeichert und im bestehenden Erdgasnetz oder separat über das entstehende deutsche Wasserstoffkernnetz transportiert werden. Er stellt allerdings abweichende Anforderungen an die Transport-, Speicher und Messinfrastruktur. Die im konventionellen Erdgasnetz zugelassene Beimischung von Wasserstoff wird im Regelwerk des Deutsches Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) festgelegt. Bislang ist ein Anteil von maximal 10 % bezogen auf das Volumen zulässig, sofern nicht zum Beispiel Erdgastankstellen betroffen sind. Die Beimischung soll in Forschungs- und Pilotvorhaben schrittweise angehoben werden. Im Wasserstoffkernnetz wird dagegen reiner Wasserstoff transportiert, wodurch gezielt priorisierte Einsatzfelder, wie Industrieanwendungen, versorgt werden. Für den Ausgleich saisonaler Erzeugungsschwankungen kann Wasserstoff in Untergrundspeichern, wie Salzkavernen und Porenspeichern (etwa ehemalige Erdöl- oder Erdgaslagerstätten), zwischengespeichert werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Wasserstoff eine deutlich geringere volumetrische Energiedichte von nur rund einem Drittel des herkömmlichen Erdgases aufweist. Die für Erdgas erschlossenen Speicherkapazitäten können also nur einen Bruchteil der bisherigen Energiemenge in Form von komprimiertem Wasserstoff speichern. Bei dem Ein- und Ausspeichern und der Umwandlung in Strom treten aufgrund von Wirkungsgradbegrenzungen Verluste der technisch nutzbaren Energie auf. Daher wird Wasserstoff auf absehbare Zeit in Deutschland ein rares und kostbares Gut bleiben, welches anteilig importiert werden muss.

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