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Fußverkehr: ein unterschätzter Baustein der Mobilität

Menschen auf Zebrastreifen
Zufußgehen ist gesund und umweltfreundlich.
Quelle: Radu Razvan / Fotolia.com

Obwohl jeder Weg zu Fuß beginnt, wird der Fußverkehr in Erhebungen systematisch untererfasst und bleibt in der Verkehrsplanung oft eine „unbekannte Größe“. Eine Studie im Auftrag des UBA widmet sich dieser Lücke über eine präzisere Erfassung des Zufußgehens in Mobilitätsbefragungen, über Modelle zur Bemessung fußläufiger Erreichbarkeit und über das Zufußgehen aus dem Blickwinkel der Suffizienz.

Das Zufußgehen ist die natürlichste Art der Fortbewegung. Es bietet weitreichende ökonomische, soziale und ökologische Vorteile und fördert die eigene Gesundheit. Im Auftrag des UBA hat sich das Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Projekt „Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsindikatoren im Personenverkehr: Fußverkehr, Erreichbarkeit und Suffizienz“ intensiv mit der Bedeutung des Zufußgehens befasst. Die Studie analysiert drei zentrale Dimensionen des Zufußgehens: 

  1. die präzise Erfassung des Zufußgehens in Mobilitätserhebungen,
  2. die systematische Untersuchung der fußläufigen Erreichbarkeit sowie
  3. die Einordnung der Rolle des Fußverkehrs im Kontext suffizienten Verkehrsverhaltens.

Im ersten Teil der Studie wird analysiert, warum das Zufußgehen in vielen Erhebungen unvollständig erfasst wird. Da zum Ausmaß der Untererfassung zuvor kaum Informationen vorlagen, werden in der Analyse sechs Datensätze aus Erhebungen mit unterschiedlichem Design (Wegekonzept, Etappenkonzept, Tracking) verglichen. Ein Teil der Daten wurde eigens für die Studie erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Erhebungsmethodik einen entscheidenden Einfluss auf die Erfassung von Fußverkehr hat. Insbesondere Fußetappen sind ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Wege, die bei traditionellen wegebasierten Erhebungen stark untererfasst werden. Abschließend werden die spezifischen Vor- und Nachteile der verschiedenen Erhebungskonzepte gegenübergestellt.

Der zweite Teil der Studie befasst sich mit Erreichbarkeitsmaßen, die für ausgewählte Infrastrukturen (Kindertagesstätten, Schulen, Apotheken sowie Lebensmittelhändler) deutschlandweit berechnet wurden. Diese Infrastrukturen dienen als Beispiele für alltägliche Ziele, deren fußläufige Erreichbarkeit flächendeckend gewährleistet sein sollte. Neben der Zugangszeit zur jeweils nächsten Einrichtung wurde für jedes Gebäude in Deutschland auch die Anzahl erreichbarer Ziele innerhalb von 30 Minuten als Kumulationsindikator berechnet. Die ermittelten Erreichbarkeitsmaße sind im GIS-Portal des Umweltbundesamtes visualisiert; die Hintergrunddaten stehen auf der Datenplattform Mobilithek des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) zum Download zur Verfügung. Damit wird Planer*innen und kommunalen Entscheidungsträger*innen eine Datengrundlage bereitgestellt, um Lücken in der Nachversorgung zu erkennen.

Im dritten Teil der Studie werden Indikatoren analysiert, welche zur Beschreibung mobilitätsbezogener Suffizienz, das heißt einer Änderung des Mobilitätsverhaltens zugunsten einer nachhaltigen Lebensweise, herangezogen werden können. Zwei der Indikatoren – die Pkw-Dichte und der Zugang zum öffentlichen Verkehr – wurden vertieft betrachtet und als Suffizienzindikatoren empfohlen. Beide sind intuitiv interpretierbar, können jährlich aktualisiert und für unterschiedliche Aggregationsstufen aufbereitet werden. Zusätzlich wurde ein komplexerer Indikator entwickelt, der die Erreichbarkeitsmaße aus dem zweiten Teil der Studie aufgreift. Dabei wird auf der Ebene von Kreisen die fußläufige Erreichbarkeit von Lebensmittelhändlern dem Anteil von Fahrten des motorisierten Individualverkehrs (MIV) am Modal Split gegenübergestellt. Diese Verknüpfung ermöglicht die Betrachtung der Suffizienz des Mobilitätsverhaltens unter Berücksichtigung der Angebotsinfrastruktur. Die Auswertung zeigt zum Beispiel, dass in manchen Städten trotz ausreichenden Angebots ein hoher Anteil von Wegen mit dem Pkw zurückgelegt wird.

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